Aktien Frankfurt Eröffnung: Sanfte Erholung vor EZB-Sitzung

Nach den Vortagesverlusten hat der deutsche Aktienmarkt am Donnerstag etwas Boden gutgemacht. Gestützt wurde die moderate Erholung von überwiegend positiven Quartalszahlen grosser Unternehmen. Starke Schwankungen sind vor der Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht zu erwarten. Die Währungshüter dürften auf ihrem laut Experten wichtigsten Meeting des Jahres den Einstieg in den Ausstieg aus ihrer extrem lockeren Geldpolitik beschliessen. Die Reduzierung der Wertpapierkäufe sollte dabei aber eher langsam erfolgen, um grösstmögliche Flexibilität zu haben.
26.10.2017 09:51

Der Dax stieg zuletzt um 0,12 Prozent auf 12 968,66 Punkte. Tags zuvor hatte der Leitindex rund ein halbes Prozent verloren und war unter die als bedeutsam angesehene Marke von 13 000 Punkten gerutscht. Der MDax , in dem die Aktien mittelgrosser Konzerne vertreten sind, gewann am Donnerstag 0,49 Prozent auf 26 136,96 Zähler. Der Technologiewerte-Index TecDax rückte um 0,50 Prozent auf 2481,16 Punkte vor. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 sank hingegen um 0,08 Prozent.

Aktuelle Konjunkturdaten hätten kaum Einfluss auf die Kurse gehabt, hiess es. So hat sich das Konsumklima in Deutschland leicht eingetrübt. Das Marktforschungsinstitut GfK meldete den zweiten leichten Dämpfer in Folge. Der nach einer Umfrage für November ermittelte Indikator für die Verbraucherstimmung sank um 0,1 Punkte auf 10,7 Zähler.

Aus Unternehmenssicht liegt das Hauptaugenmerk an diesem Donnerstag auf den Geschäftszahlen der Dax-Konzerne Deutsche Bank , Bayer , Munich Re und Beiersdorf .

Der erhoffte Aufschwung bei der Deutschen Bank lässt weiter auf sich warten. Im dritten Quartal musste das grösste heimische Geldhaus abermals rückläufiges Geschäft vermelden. Allerdings verdiente das Institut dank Einsparungen mehr als im Vorjahreszeitraum. Deutsche-Bank-Papiere gehörten mit einem Kursverlust von 1,8 Prozent zu den schwächsten Dax-Werten. Auch der Quartalsbericht von Bayer kam bei den Anlegern nicht gut an: Zuletzt rutschten die Papiere der Leverkusener als Schlusslicht im Dax um 2,8 Prozent nach unten. Der Pharma- und Chemiekonzern hat vor der geplanten Rekordübernahme des US-Saatgutkonzerns Monsanto die Prognose für das laufende Jahr bestätigt. Bernstein-Experte Jeremy Redenius stufte das dritte Quartal jedoch als operativ schwach ein. Das Pharma-Geschäft habe enttäuscht.

An der Dax-Spitze fanden sich hingegen die Aktien von Beiersdorf mit einem Plus von 4,4 Prozent. Damit erholten sie sich von der steilen Abwärtsbewegung der vergangenen Handelstage und erklommen den höchsten Stand seit Juni. Nach guten Quartalszahlen hob der Nivea-Konzern seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2017 an. Das Pflegegeschäft habe im dritten Quartal einen Sprung nach vorn gemacht und die Klebstofftochter Tesa sei wieder zweistellig gewachsen, hiess es.

Die Hurrikan-Serie in den USA und der Karibik hat den Gewinn des weltgrössten Rückversicherers Munich Re zerfleddert. Die Zerstörungen durch die Wirbelstürme "Harvey", "Irma" und "Maria" kosten die Münchener voraussichtlich 2,7 Milliarden Euro. Das bisherige Gewinnziel ist damit endgültig passé. Die Anleger hatten offenbar noch Schlimmeres erwartet, denn die Munich-Re-Titel stiegen um 0,9 Prozent.

Eine starke Nachfrage nach Ersatzteilen hat die Gewinnhoffnungen des Münchner Triebwerksbauers MTU beflügelt. Obwohl der schwache US-Dollar auf den Umsatz drückt, soll der Gewinn in diesem Jahr stärker steigen als gedacht. MTU-Papiere kletterten als Spitzenreiter im MDax zuletzt um 4,9 Prozent nach oben. Bei 145,95 Euro hatten sie kurz zuvor ein Rekordhoch erreicht.

Der Telekomausrüster Adva Optical ist im dritten Quartal von einer Auftragsdelle sowie Kosten für einen Zukauf schwer gebeutelt worden. Allerdings fielen die Einbussen geringer als vom Markt befürchtet aus, denn die Aktien verteuerten sich nach einer gut zweiwöchigen Verlustserie als bester Wert im TecDax um 5,2 Prozent.

Ein Minus von 0,9 Prozent mussten die Takkt-Aktien hinnehmen. Der Büromöbelanbieter wird von seinem Amerika-Geschäft gebremst. Das Wachstum aus eigener Kraft schwächelt dort, während es in Europa nach neun Monaten soweit ganz gut läuft. Deshalb senkte das Unternehmen seine Jahresprognose für das organische Wachstum./edh/stk

(AWP)