Aktien Frankfurt Eröffnung: Starker Euro bremst Dax weiter aus

Der deutlich gestiegene Eurokurs hat den Dax auch am Freitag gebremst. Etwa eine Stunde nach dem Börsenstart stand der deutsche Leitindex 0,05 Prozent tiefer bei 12 440,49 Punkten. Damit knüpfte er an seine Vortagsentwicklung an, als er nach der Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) und Aussagen von EZB-Präsident Mario Draghi letztlich mit einem knappen Minus aus dem Handel gegangen war. Auf Wochensicht steuert der Dax auf einen deutlichen Verlust von gut anderthalb Prozent zu.
21.07.2017 10:23

Für den MDax der mittelgrossen deutschen Unternehmen ging es am Freitagvormittag um 0,11 Prozent auf 24 829,40 Punkte nach unten. Der Technologiewerte-Index TecDax verlor 0,08 Prozent auf 2290,00 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 fiel um 0,07 Prozent auf 3497,13 Punkte zurück.

'DRAGHI IGNORIERT EURO-AUFWERTUNG'

Am Donnerstag war der Euro deutlich über die Marke von 1,16 US-Dollar gestiegen - auf diesem Niveau behauptete er sich auch am Freitagvormittag. Eine starke Gemeinschaftswährung kann die Exportaussichten europäischer Unternehmen beeinträchtigen.

Draghis Äusserungen hatten zwar wenig Neues enthalten, es aber nicht vermocht, die Investoren mit Blick auf eine eventuell leichte geldpolitische Straffung in der Zukunft zu beruhigen. Die Devisenexperten der Commerzbank erklärten indes, Draghi habe in der Pressekonferenz nach dem EZB-Zinsentscheid die jüngste Aufwertung des Euro ignoriert und damit dessen weiteren Anstieg möglich gemacht.

SARTORIUS LEIDET UNTER ZAHLEN

Nach der Flut von Geschäftszahlen am Vortag war die Agenda vor dem Wochenende übersichtlich - lediglich bei einigen Technologie-Unternehmen sorgten Nachrichten für Kursausschläge. Auch wichtige Konjunkturdaten waren nicht in Sicht.

Die Aktien von Sartorius büssten nach Halbjahreszahlen am TecDax-Ende 5,41 Prozent auf 86,95 Euro ein. Der Labor- und Pharmazulieferer steigerte zwar dank der jüngsten Zukäufe Umsatz und Ergebnis deutlich, verfehlte aber einem Händler zufolge die Erwartungen. Insbesondere der Auftragseingang sei enttäuschend. Die dennoch bestätigten Jahresziele halfen dem Aktienkurs nicht. Nach dem Bruch der charttechnischen Unterstützung bei rund 90 Euro liege die nächste Unterstützungsmarke für die Aktie bei 86 Euro, erklärte der Händler.

ÜBERNAHMEFANTASIE BEI WIRECARD

Dagegen stemmten sich die Titel des Zahlungsdienstleisters Wirecard dank Übernahmefantasien mit plus 0,22 Prozent gegen den schwächelnden Markt. Der britische Konkurrent Paysafe hatte zuvor ein vorläufiges Übernahmeangebot der Finanzinvestoren CVC und Blackstone über 590 Pence je Aktie erhalten, was deutlich über dem volumengewichteten Durchschnittskurs des ersten Halbjahres liegt.

Bei Telefonica Deutschland konnten sich die Aktionäre über ein Kursplus von 0,77 Prozent freuen. Der Mobilfunkanbieter bekommt mit Markus Rolle einen neuen Finanzvorstand - er löst Anfang August Rachel Empey ab, die einem früheren Bericht des "Manager Magazin" zufolge zum Gesundheitskonzern Fresenius wechselt. Zudem kündigte Telefonica Deutschland eine Erweiterung des Vorstands an und bestätigte seine Jahresziele.

VERKAUFSEMPFEHLUNG BELASTET INFINEON

Ansonsten bewegten vor allem Analystenkommentare. Im Dax gehörte Infineon mit minus 0,49 Prozent zu den Verlierern, nachdem die französische Investmentbank Exane BNP Paribas die Aktien des Halbleiterunternehmens abgestuft hatte und nun zum Verkauf rät.

Bei Hochtief stand ein Kursrückgang von 4,10 Prozent auf 152,10 Euro zu Buche, was die Aktien des Baukonzerns zum grössten MDax-Verlierer machte. Das Analysehaus Kepler Cheuvreux erhöhte zwar das Kursziel auf 134 Euro, blieb damit aber deutlich unter dem aktuellen Bewertungsniveau und bekräftigte zudem die bestehende Verkaufsempfehlung. Zudem prüft die spanische Hochtief-Mutter ACS eine milliardenschwere Übernahme des Autobahnbetreibers Abertis, was die ACS-Titel in Madrid sichtbar belastete.

Für Zalando-Titel ging es angesichts einer neuen Verkaufsempfehlung der Privatbank Berenberg um 1,78 Prozent bergab. Die Ziele des Online-Modehändlers für den längerfristigen Marktanteil im europäischen Bekleidungsmarkt seien nicht nur ambitioniert, sondern schienen auch schon eingepreist, schrieb Analystin Michelle Wilson. Zalando erwirtschafte zudem weniger Barmittel als zunächst gedacht./gl/fbr

(AWP)