Aktien Frankfurt Eröffnung: Brexit-Furcht bremst Dax weiter ein

FRANKFURT (awp international) - Die Furcht vor einem Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union ist den Anlegern am deutschen Aktienmarkt auch am Dienstag aufs Gemüt geschlagen. Als weitere Belastungsfaktoren wurden negative Vorgaben der Wall Street und einiger asiatischer Börsen, fallende Ölpreise sowie die übliche Nervosität vor der US-Leitzinsentscheidung am Mittwoch genannt. Marktanalyst Michael Hewson vom Broker CMC Markets führte überdies anhaltende Sorgen um eine globale Wachstumsdelle ins Feld.
14.06.2016 09:51

Der Dax verlor am Vormittag 0,72 Prozent auf 9587,64 Punkte und baute damit seine Verlustserie seit Dienstag voriger Woche auf fast 7 Prozent aus. Allein am Montag hatte der deutsche Leitindex 1,80 Prozent eingebüsst. Der MDax , in dem die Aktien mittelgrosser Unternehmen vertreten sind, sank am Dienstag um 0,82 Prozent auf 19 637,87 Punkte. Der Technologiewerte-Index TecDax fiel um 1,10 Prozent auf 1594,10 Punkte. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 0,61 Prozent auf 2836,22 Punkte nach unten.

Das Brexit-Referendum bleibt das dominierende Thema an den Finanzmärkten. Gleich mehrere der gestern und am Wochenende veröffentlichten Umfragen sehen das Lager der EU-Gegner in Grossbritannien vorne. Ein Händler wertete es als weitere Zuspitzung, dass sich nun auch die auflagenstärkste britische Zeitung "The Sun" für einen Austritt der Briten ausgesprochen hat. Die Briten stimmen am 23. Juni in einem Referendum ab, ob ihr Land in der EU bleiben soll oder nicht.

ANALYSTENSTUDIEN STÜTZEN EVONIK

Aus Unternehmenssicht wurde die Nachrichtenlage am Dienstag überwiegend von Analystenkommentaren dominiert. So standen die Aktien von Evonik mit einem Gewinn von 0,57 Prozent an der Spitze des MDax. Zuvor hatte die US-Investmentbank Morgan Stanley die Titel des Spezialchemiekonzerns von "Equal-weight" auf "Overweight" hochgestuft.

Für die Papiere von Wacker Chemie ging es den umgekehrten Weg: Sie verloren zuletzt rund dreieinhalb Prozent, nachdem Morgan Stanley sie von "Overweight" auf "Equal-weight" abgestuft hatte.

RWE AM DAX-ENDE - S&P SENKT BONITÄTSNOTE

Im Dax waren die Titel von Adidas mit einem Minus von 0,26 Prozent ganz oben zu finden. Die Baader Bank hatte sich positiv zu den Aktien des Sportartikelkonzerns geäussert und ihre Kaufempfehlung erneuert. Gleichzeitig wurde das Kursziel von 125 auf 132 Euro angehoben. Die Papiere des Wettbewerbers Puma stuften die Baader-Experten von "Sell" auf "Hold" hoch und erhöhten das Kursziel von 180 auf 226 Euro. Puma-Anteilsscheine verteuerten sich im SDax um knapp 2 Prozent.

Dax-Schlusslicht waren die Aktien von RWE mit einem Kursabschlag von rund 2 Prozent. Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat die Bonität des Versorgers um eine Stufe auf "BBB-" gesenkt. Der Ausblick ist negativ. Die Agentur bewertet das Geschäftsrisikoprofil des Unternehmens nicht mehr mit "stark" sondern mit "zufriedenstellend". Hintergrund ist die Empfehlung der Atomkommission zur Finanzierung des Atomausstiegs. Dies werde RWE mit knapp 6,5 Milliarden Euro belasten, schrieben die S&P-Experten.

KUKA-TEILÜBERNAHME DURCH CHINESEN DENKBAR

Kuka-Papiere verloren zuletzt unterdurchschnittliche 0,57 Prozent auf 105,40 Euro. Bei der umstrittenen Übernahme des Roboterbauers durch den chinesischen Investor Midea zeichnet sich offenbar ein Kompromiss ab. Die Bundesregierung sehe inzwischen Signale, dass Midea nicht mehr als 49 Prozent an Kuka erwerben wolle, berichtet das "Handelsblatt" (Dienstagausgabe) unter Berufung auf Verhandlungskreise. Damit könne sich auch Kuka-Chef Till Reuter anfreunden, der auf der Hauptversammlung für das China-Gebot geworben hatte. Midea hält derzeit 13,5 Prozent an Kuka und bietet 115 Euro je Aktie - ein Drittel über dem Kurs von Mitte Mai.

Das Modeunternehmen Gerry Weber kämpft weiter mit sinkenden Gewinnen. Die Sanierung laufe jedoch nach Plan, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. In der Ende April abgelaufenen ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2015/2016 ging der Überschuss von 21,9 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 3 Millionen Euro zurück, der Umsatz stieg aber um 2,5 Prozent auf 443,6 Millionen Euro. Gerry-Weber-Titel legten um knapp 2 Prozent zu./edh/das

(AWP)