Aktien Frankfurt Eröffnung: Dax fällt deutlich unter 10 000 Punkte

FRANKFURT (awp international) - Die zunehmende Risikoscheu der Anleger hat den Dax am Freitag deutlich unter 10 000 Punkte gedrückt. Am Vormittag büsste der deutsche Leitindex 1,73 Prozent auf 9913,84 Punkte ein. Damit knüpfte er an seine zuletzt schwache Entwicklung an und notierte erstmals seit zweieinhalb Wochen wieder unter der viel beachteten Marke. Die Gewinne vom Wochenauftakt sind dahin: Auf Wochensicht steht der Dax knapp 2 Prozent im Minus.
10.06.2016 10:26

Vor wichtigen Entscheidungen verkauften die Anleger Aktien, um die Risiken in ihren Depots zu reduzieren, sagte Portfoliomanager Stefan de Schutter von Alpha Wertpapierhandel. Er verwies auf die Sitzung der US-Notenbank Fed in der kommenden Woche und die Abstimmung über den Verbleib Grossbritanniens in der EU eine Woche später.

Die Unsicherheit der Investoren bekamen auch die anderen Indizes zu spüren: Der MDax der mittelgrossen Unternehmen fiel am Freitagvormittag um 1,42 Prozent auf 20 378,92 Punkte zurück und der Technologiewerte-Index TecDax sank um 1,30 Prozent auf 1657,57 Punkte. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 1,46 Prozent auf 2945,53 Punkte nach unten.

WARETN AUF FED-SITZUNG UND MÖGLICHEN BREXIT

Wie die meisten Beobachter geht auch die BayernLB davon aus, dass die Fed die Zinsen zunächst nicht anheben wird. "Neben der Unsicherheit über den Ausgang des Brexit-Referendums sprechen vor allem die enttäuschenden Mai-Arbeitsmarktdaten gegen einen Zinsschritt", heisst es in einer aktuellen Studie.

Einer Fortsetzung der im Dezember eingeleiteten US-Zinswende im September sollte der BayernLB zufolge aber nichts entgegenstehen. Für andere Experten ist sogar eine weitere geldpolitische Straffung bereits im Juli noch nicht vom Tisch. Höhere Zinsen sprechen zwar für eine optimistische Konjunktureinschätzung der Fed, schmälern aber die Attraktivität von Aktien gegenüber festverzinslichen Wertanlagen wie etwa Anleihen.

Von den Börsen in Übersee kam am Freitag keine Unterstützung für den deutschen Aktienmarkt: Die Wall Street hatte trotz der Erholung im Späthandel mit Verlusten geschlossen. Dazu ging der japanische Leitindex Nikkei 225 erneut schwächer aus dem Handel. Die chinesischen Festlands-Börsen blieben wegen eines Feiertags weiter geschlossen.

LUFTHANSA WEITER AUF SINKFLUG: FINANZCHEFIN GEHT

Im Dax gab es vor dem Wochenende zunächst nur Verlierer. Am Indexende sackten die Aktien der Lufthansa nach weiteren Negativ-Schlagzeilen um weitere 4,21 Prozent ab. Schon am Donnerstag hatte die Fluggesellschaft mit sehr schwachen Verkehrszahlen für den Mai enttäuscht.

Nun folgte die Nachricht vom bevorstehenden Abschied von Finanzchefin Simone Menne. Die 55 Jahre alte Managerin hat um die vorzeitige Beendigung ihres Vertrages zum 31. August gebeten, wie die Lufthansa am Donnerstagabend mitteilte. Mennes überraschender Abgang bringe Unsicherheit und drücke auf die Stimmung, wie ein Händler sagte: "Das hält die Aktien unter Druck".

Auch die Bankenaktien setzten ihre Talfahrt fort: Commerzbank und Deutsche Bank büssten 2,73 beziehungsweise 2,55 Prozent ein.

FRAPORT LEIDET UNTER SCHWACHEN PASSAGIERZAHLEN

Bei den MDax-Titeln übernahm Fraport mit minus 3,23 Prozent die rote Laterne. Der Flughafenbetreiber litt im Mai unter einem deutlichen Rückgang der Passagierzahlen am wichtigen Frankfurter Flughafen. Verantwortlich dafür waren Krisen in wichtigen Urlaubsregionen und schwere Unwetter.

Die Resultate sollten nach den sehr schwachen Lufthansa-Verkehrszahlen zwar nicht mehr überraschen, kommentierte ein Händler. Doch da die Fraport-Titel darauf nicht reagiert hätten, stünden sie nun unter Druck.

Die Aktien der Aareal Bank büssten 3,01 Prozent ein. Hier belastete eine gestrichene Kaufempfehlung des Bankhauses Lampe./gl/fbr

(AWP)