Aktien Frankfurt Eröffnung: Japan-Schwäche zieht Dax in Mitleidenschaft

FRANKFURT (awp international) - Der deutsche Aktienmarkt hat seinen jüngsten zaghaften Erholungsversuch rasch beendet und ist am Donnerstag wieder schwach gestartet. Der dreiprozentige Kursverlust im japanischen Nikkei-Index laste auf den hiesigen Kursen, sagten Händler.
16.06.2016 09:59

Der Dax reduzierte seinen deutlicheren Anfangsverlust und notierte zuletzt 0,80 Prozent tiefer bei 9529,82 Punkten. Seit Mitte vergangener Woche hatten vor allem Ängste vor den Folgen eines möglichen Austritts Grossbritanniens aus der Europäischen Union den Leitindex um 7,5 Prozent fallen lassen, bevor er sich am Mittwoch etwas erholte.

Der MDax sank am Donnerstag um 0,61 Prozent auf 19 554,10 Punkte. Der Technologiewerte-Index TecDax büsste 0,52 Prozent auf 1574,29 Punkte ein. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 fiel um 0,89 Prozent auf 2805,07 Punkte.

Während die US-Zinsentscheidung vom Vorabend wenig überraschte, sorgten die Beschlüsse der Bank of Japan, die Geldschleusen vorerst nicht weiter zu öffnen, für Enttäuschung. Dies hatte den japanischen Yen deutlich steigen lassen, was die Exporte erschwert und damit die Tokioter Aktienkurse massiv unter Druck setzte.

KEINE ÄNDERUNG DER GELDPOLITIK

Die US-Notenbank Fed liess am Mittwoch ihren Leitzins unverändert und berücksichtigte dabei auch das Risiko eines Brexit. Das anstehende Referendum in Grossbritannien über einen EU-Austritt habe bei der Entscheidung eine Rolle gespielt, sagte Fed-Präsidentin Janet Yellen bei einer Pressekonferenz in Washington im Anschluss an den Zinsentscheid. Ein Brexit stelle eine Gefahr für die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte dar.

Auch Japans Zentralbank hält an ihrer Geldpolitik zunächst fest. Japans Wirtschaft habe ihre moderate Erholung fortgesetzt, begründete die BoJ ihre Entscheidung. In Marktkreisen wird jedoch damit gerechnet, dass die Notenbank die geldpolitischen Zügel nun bei ihrer Sitzung im Juli weiter lockert.

KUKA VORBÖRSLICH SEHR FEST

Aus Unternehmenssicht stehen die Aktien von Kuka im Anlegerfokus. Nach dem offiziellen Übernahmeangebot der chinesischen Midea gewannen die Papiere des Roboter- und Anlagenbauers zuletzt ein knappes Prozent. Die Offerte sei erwartet worden, wirke aber dennoch klar positiv, sagte ein Händler. Midea peilt eine Beteiligung von mehr als 30 Prozent an. Anleger sollten ihre Aktien andienen, empfahl der Händler.

Spitzenreiter im Dax sind die Titel von Thyssenkrupp mit einem Gewinn von mehr als zweieinhalb Prozent. Sie profitierten von einer Kaufempfehlung der Investmentbank Merrill Lynch. Auch die Papiere von Fraport und Salzgitter verteuerten sich aufgrund positiver Analystenstudien gegen den Markttrend um jeweils mehr als ein Prozent.

DEUTSCHE BANK AUF REKORDTIEF

Am unteren Ende des Leitindex finden sich die Anteilsscheine der Deutschen Bank , die zuletzt um 1,81 Prozent auf 13,04 Euro absackten. Kurz zuvor waren sie auf ein Rekordtief bei 12,835 Euro gesunken. Damit ist die Deutsche Bank mit einem Minus seit Jahresbeginn von mehr als 40 Prozent schlechtester Dax-Wert 2016. Seit Ende Mai steht der gesamte europäische Bankensektor im Zuge rasant fallender Anleiherenditen und belastet von Brexit-Sorgen stark unter Druck.

Airbus-Aktien reagierten mit minus 0,50 Prozent moderat auf Aussagen von Airbus-Chef Fabrice Brégier zu den Flugzeug-Auslieferungen. Brégier hatte Börsianern zufolge das diesjährige Auslieferungsziel für den A350 als herausfordernd bezeichnet. Das Lieferziel für das kleinere Flugzeugmodell A320Neo sei ehrgeizig, aber noch erreichbar.

Schlusslichter im MDax sind die Aktien von Deutsche Euroshop und Krones mit Verlusten von jeweils rund 2 Prozent. Beide Papiere werden jedoch am Donnerstag mit einem Dividendenabschlag gehandelt. Der Einkaufszentren-Investor schüttet 1,35 Euro je Aktie an seine Anteilseigner aus, der Getränkeabfüllanlagen-Hersteller zahlt 1,45 Euro je Aktie./edh/das

(AWP)