Aktien Frankfurt Eröffnung: Zurückhaltung vor EZB-Zinsentscheid

Vor der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) haben sich die Anleger am deutschen Aktienmarkt am Donnerstag zurückgehalten. Zudem seien alle Augen auf die Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Donald Trump am morgigen Freitag gerichtet, schrieb Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets. Die Vorgaben der Börsen in Übersee gaben ebenfalls keine eindeutige Richtung vor.
19.01.2017 10:32

In der ersten Handelsstunde sank der Dax um 0,05 Prozent auf 11 593,66 Punkte. Damit trat der wichtigste deutsche Aktienindex weiter auf der Stelle: Seit Jahresbeginn pendelt er in einer engen Spanne um die Marke von 11 600 Punkten - ähnlich wie das US-Börsenbarometer Dow Jones Industrial , das sich seit Wochen vergeblich müht, erstmals die 20 000-Punkte-Schwelle zu überwinden.

Die anderen Indizes schwächelten am Donnerstagmorgen ebenfalls: Der MDax der mittelgrossen Unternehmen verlor 0,14 Prozent auf 22 599,94 Zähler, während der Technologiewerte-Index TecDax um 0,57 Prozent auf 1827,98 Punkte zurückfiel. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 0,13 Prozent auf 3289,68 Punkte nach unten.

ÜBERNAHME IN BRANCHE TREIBT MTU AN

Die EZB dürfte ihre Geldpolitik am frühen Nachmittag Experten zufolge unverändert lassen. "Im Fokus steht, ob sich die bisher skeptische Einschätzung des EZB-Rates zum Inflationsausblick verändert hat", schrieb Johannes Mayr von der BayernLB. Seiner Einschätzung nach werden die Währungshüter weiterhin einen eher skeptischen Inflationsausblick vorlegen und die jüngste Ausweitung des Kaufprogramms von Anleihen rechtfertigen.

Kursbewegende Unternehmensnachrichten waren zunächst dünn gesät. Im MDax profitierten die Aktien des Triebwerkbauers MTU mit plus 1,98 Prozent von einer angekündigten Übernahme in der Branche. Der französische Luftfahrt- und Rüstungskonzern Safran will den heimischen Zulieferer Zodiac Aerospace schlucken. Der gebotene Kaufpreis liegt gut ein Viertel über dem Zodiac-Schlusskurs vom Vortag.

Im SDax der geringer kapitalisierten Unternehmen verteuerten sich die Titel von Rocket Internet als Spitzenreiter um 1,43 Prozent. Dem Start-up-Entwickler zufolge hat der Rocket Internet Capital Partners Fonds eine Milliarde Euro für ihn eingesammelt.

ABSTUFUNG BELASTET THYSSENKRUPP - SAP UND BASF HÖHER

Ansonsten sorgten vor allem Analystenkommentare für Kursausschläge. Thyssenkrupp-Titel gehörten mit minus 1,10 Prozent zu den grössten Verlierern im Dax, nachdem die US-Investmentbank Morgan Stanley ihre Übergewichtungs-Empfehlung gestrichen hatte. Die Aktie des Industrie- und Stahlkonzerns werde mit einem kleinen Bewertungsaufschlag zur Branchen gehandelt, schrieb Analyst Alain Gabriel. Das Gewinnpotenzial hänge von einer erfolgreichen Restrukturierung des europäischen Stahlgeschäfts ab, die mit Unsicherheiten behaftet sei.

Dagegen schafften SAP ein Plus von 0,14 Prozent. Goldman Sachs rät weiter zum Kauf der Titel des Softwarekonzerns und hat sie zudem auf ihre Kaufempfehlungsliste gesetzt. Analyst Mohammed Moawalla setzt auf gute Zahlen für das Schlussquartal 2016 und erhöhte deshalb seine Umsatz- und Gewinnprognosen.

Ähnlich sah es bei den Titeln des Chemiekonzerns BASF aus, die 1,02 Prozent gewannen. Die US-Bank JPMorgan rät nun zur Übergewichtung, da sich die Branchenaussichten merklich aufgehellt hätten.

VERKAUFSEMPFEHLUNG DRÜCKT AURUBIS ANS MDAX-ENDE

Dagegen büssten die Aktien des Kupferkonzerns Aurubis als MDax-Schlusslicht 3,74 Prozent ein. Hier belastete eine Abstufung von Goldman Sachs, deren Analyst Eugene King nun einen Verkauf empfiehlt. Der aktuelle Aktienkurs trage den für das Unternehmen ungünstigen Preisentwicklungen nicht ausreichend Rechnung, monierte er./gl/fbr

(AWP)