Aktien Frankfurt: Politische Unsicherheit drückt Dax wieder unter 12 800 Punkte

Weltweite politische Unsicherheiten haben den jüngsten Rekordlauf am deutschen Aktienmarkt am Dienstag erst einmal gestoppt und den Dax wieder unter die Marke von 12 800 Punkten zurück geworfen. Der deutsche Leitindex verlor gegen Mittag 0,47 Prozent auf 12 762,46 Punkte.
06.06.2017 12:06

"Es wird sich nun zeigen müssen, wieviel Substanz die zuletzt etablierte Ausbruchsbewegung beim Dax tatsächlich hatte", kommentierten die Experten der Helaba. Am Freitag hatte das Barometer bei 12 878 Punkten eine weitere Bestmarke erklommen, bevor die Gewinne nach den US-Jobdaten geschmolzen waren. Am Montag wurde hierzulande wegen des Pfingstfeiertags nicht gehandelt.

Der MDax der mittelgrossen Unternehmen sank am Dienstag zuletzt um 0,65 Prozent auf 25 529,93 Zähler. Hier sorgte vor allem eine Verkaufsempfehlung für die Aktien von Wacker Chemie durch die Schweizer Grossbank UBS für Wirbel. Für den Technologiewerte-Index TecDax ging es um 0,65 Prozent auf 2307,08 Punkte nach unten. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gab um 0,27 Prozent nach.

ZÜNDSTOFF IN GROSSBRITANNIEN, USA UND NAHOST

In dieser Woche warten die Anleger auf die Parlamentswahlen in Grossbritannien sowie die Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag. Analysten rechnen mit Signalen für eine perspektivisch weniger lockere Geldpolitik. Zudem könnte die politische Unsicherheit in den USA angesichts der angesetzten Anhörung des entlassenen FBI-Chefs James Comey wieder zunehmen. In Nahost spitzen sich derweil die Spannungen infolge des Abbruchs aller diplomatischen Beziehungen zu Katar durch Saudi-Arabien und andere arabische Staaten deutlich zu.

"Dass mehrere Golf-Staaten so plötzlich die Beziehungen mit Katar abbrechen, kam völlig unerwartet", sagte Marktanalyst Milan Cutkovic von AxiTrader. Auf die Ölproduktion werde dies zwar keinen grossen Einfluss haben, aber die Sorge steige, dass sich der Konflikt verschärfen könnte.

UBS SENKT WACKER CHEMIE AUF 'SELL'

Bei den Einzelwerten sorgten Analystenkommentare für Bewegung, vor allem bei den Papieren von Wacker Chemie. Sie sackten um mehr als 4 Prozent ab, nachdem UBS-Analyst Patrick Rafaisz seine bisherige Kaufempfehlung aufgab und nun zum Verkauf rät. Sein Kursziel kappte er von 117 auf 81 Euro. Das Überangebot an Polysilizium werde zur Belastung für den Spezialchemiekonzern, schrieb er in einer aktuellen Studie. Er verwies dabei vor allem auf den verschärften Wettbewerb durch chinesische Anbieter.

Die ebenfalls im MDax notierten Anteile von Airbus dämmten ihr Minus auf zuletzt nur noch ein knappes halbes Prozent ein. Der Flugzeugbauer denkt wegen ausbleibender Neubestellungen für den weltgrössten Passagierjet A380 über eine weitere Kürzung der Produktion nach. Der Konzern prüfe, wie er die Zahl der Auslieferungen am besten unter die Marke von zwölf Jets pro Jahr senken könne, sagte Airbus-Programmchef Didier Evrard.

LUFTHANSA WIEDER VORNE IM DAX

An der Spitze im Leitindex Dax gingen die Papiere der Lufthansa mit einem Plus von fast zweieinhalb Prozent erneut in den Steigflug. Sie zählen in diesem Jahr mit einem Kursgewinn von fast 49 Prozent zu den besten Dax-Werten. Die Airline streicht mehr Stellen im Management als bisher geplant. Zudem zeigte sich Konzernchef Carsten Spohr vom laufenden Geschäft positiv überrascht. Die Nachfrage in den USA und China sei besser als gedacht.

Im TecDax fielen die Morphosys-Aktien nach ihrem gescheiterten Ausbruchsversuch Ende der Vorwoche zuletzt um mehr als zweieinhalb Prozent. Ein Händler verwies zudem auf teils durchwachsene Studiendaten des Biotech-Unternehmens zu den Antikörperkandidaten MOR208 und MOR202.

Die Titel der Start-Up-Schmiede Rocket Internet konnten im SDax ihr anfängliches Kursplus nicht verteidigen, pendelten zwischen Gewinn und Verlust und wurden zuletzt quasi unverändert gehandelt. Mit der Einordnung des noch in diesem Jahr angepeilten Börsengangs der Beteiligung Delivery Hero taten sich die Anleger schwer. Die Aktien des Schienenlogistikers und Waggonvermieters VTG führten mit plus 3,42 Prozent auf 33,25 Euro den Kleinwerteindex an. Damit kosten sie so viel wie nie zuvor./ajx/ag

--- Von Achim Jüngling, dpa-AFX ---

(AWP)