Actelion-Aktien setzen Sinkflug des Vortages fort

Zürich (awp) - Die Actelion-Aktien setzen am Freitagvormittag ihren Sinkflug an der Börse fort. Bereits am Vortag waren die Titel des Allschwiler Pharmaunternehmens um 6,5% abgesackt, obwohl Actelion positive Neunmonatszahlen vorgelegt hatte und den Ausblick für 2016 zum dritten Mal in Folge erhöht hatte. Am Markt werden verschiedene Erklärungen für die Schwäche der Titel herumgeboten, darunter die bevorstehenden Generika-Lancierungen für das Medikament Tracleer oder der mögliche Einzug der "pharmakritischen" Hillary Clinton ins Weisse Haus.
21.10.2016 10:15

Actelion notieren gegen 10 Uhr als schwächste SMI-Titel um 2,1% im Minus auf 150 CHF. Im frühen Handel fiel die Aktie gar bis auf 147,20 CHF zurück. Mit rund 470'000 Titeln sind bereits mehr als der Tagesdurchschnitt der letzten beiden Monate umgesetzt. Der SMI notiert derweil mit -0,2% leicht im Minus.

Als "überraschend negativ" wertet die ZKB die Reaktion des Aktienkurses. Sie führe dies schlussendlich auf Gewinnmitnahmen zurück, nachdem der Aktienkurs auch 2016 den SMI deutlich übertroffen habe, meint Analystin Sibylle Bischofberger in einem Kommentar. Den Kursrückgang hält sie für "nicht nachvollziehbar, da das Management die Kosten im Griff hat und Aktienrückkaufe tätigt".

Verschiedene weitere Kommentatoren verweisen zur Erklärung der Kursreaktion auf die 2017 zu erwartende Lancierung von Nachahmerprodukten in den USA für das in der Vergangenheit klar wichtigste Actelion-Medikament Tracleer. Er erwarte nun ein höheres Tempo bei der Erosion der Tracleer-Verkäufe, meint etwa Tim Race von der Deutschen Bank, entsprechend setzt er auch seine Gewinnerwartungen 2017 nach unten.

Die weitgehende Absenz von Tracleer-Generika sei eine gute Nachricht für 2016 gewesen, im Jahr 2017 dürfte es dafür nun schlimmer werden als erwartet, heisst es von Seiten der britischen HSBC. Beim Brokerhaus Jefferies erwartet man nun eine Verkaufserosion für Tracleer in den USA nach Lancierung der Generika im ersten Quartal 2017 in einer Grössenordnung von mehr als 70%.

Ein Händler verweist auch auf den möglichen Sieg von Hillary Clinton in den US-Präsidentschaftwahlen, der eine Erhöhung des Preisdrucks auf Pharma- und Biotechnologieunternehmen bedeute. In besonderem Mass seien davon höchstwahrscheinlich Spezialpräparate betroffen. Weitere Erklärungsversuche für die Kursschwäche der Actelion-Titel umfassen auch die anstehenden Generika für das Gilead-Konkurrenzmedikament Letairis im Jahr 2018, diese könnten dann für Druck auf das Wachstumsmedikament Opsumit sorgen, heisst es.

Kritisch kommentiert werden zudem die Forschungs- und Entwicklungsausgaben von Actelion ausserhalb ihres "Kerngeschäfts" der Lungenbluthochdruck (PAH)-Therapien. So generierten die Entwicklungsausgaben im PAH-Gebiet wohl eine gute Rendite, heisst es im Kommentar von HSBC: Die F&E-Ausgaben in anderen Gebieten seien aber ihrer Ansicht nach weniger klug zugeteilt.

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(AWP)