Anklage im Fall ASE Investment: Deliktsumme beträgt 170 Mio CHF

(Meldung ausgebaut)
18.07.2016 14:23

Aarau/Frick AG (awp/sda) - Beim grossangelegten Anlagebetrug rund um die ASE Investment mit Büro in Frick AG hat die Aargauer Staatsanwaltschaft insgesamt 2500 Geschädigte ermittelt. Die Deliktsumme beträgt 170 Mio CHF. Die Staatsanwaltschaft klagte drei Verantwortliche an.

Der ehemalige Geschäftsführer wurde wegen gewerbsmässigen Betrugs, qualifizierter ungetreuer Geschäftsbesorgung und wegen mehrfacher Urkundenfälschung angeklagt. Das teilte die Aargauer Staatsanwaltschaft am Montag mit.

Der weitgehend geständige Mann befindet sich seit seiner Verhaftung im Frühling 2012 ohne Unterbruch in Haft. Er trat im Februar 2015 den vorzeitigen Strafvollzug an.

Der Präsident des Verwaltungsrats der ASE wurde wegen qualifizierter ungetreuer Geschäftsbesorgung und Misswirtschaft angeklagt. Ein ehemaliger Kundenbetreuer der ASE bei der Basler Kantonalbank (BKB) wurde wegen Gehilfenschaft zu gewerbsmässigen Betrugs angeklagt. Diese beiden Beschuldigten weisen gemäss Staatsanwaltschaft jegliche Schuld von sich.

Die von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafanträge werden an den Verhandlungen vor Bezirksgericht Laufenburg bekannt gegeben. Der Prozess findet voraussichtlich im kommenden November statt.

DIE MILLIONEN DÜRFTEN VERLOREN SEIN

Das Strafverfahren zum Millionenbetrug erwies sich als gross und komplex. Die Anklageschrift umfasst 192 Seiten. Die Akten füllen insgesamt 448 Bundesordner.

Die Staatsanwaltschaft ermittelte 2500 Geschädigte. Davon haben sich 639 als Privatkläger am Strafverfahren konstituiert. Der grösste Teil der Deliktsumme von 170 Mio CHF dürfte für die Anleger verloren sein.

Es habe "nur eine kleine Summe" beschlagnahmt werden können, sagte Elisabeth Strebel, Mediensprecherin der Staatsanwaltschaft, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

RENDITE VON 18 PROZENT VERSPROCHEN

Die ASE Investment war eine externe Vermögensverwalterin und bot ihren Kunden Devisenhandel in unterschiedlichen Produkten an. Anleger wurden mit Renditeversprechen von bis zu 18% angelockt.

Auf ihrer Website hatte ASE Investment von "lukrativen Anlagemöglichkeiten" gesprochen. Das Kürzel ASE stand übrigens für "Anlage, Sicherheit, Ertrag". Die Firma verfügte in Frick über Büroräumlichkeiten. Der Rechtssitz der Aktiengesellschaft war Engelberg OW.

FIKTIVE GEWINNE VORGETÄUSCHT

Laut Staatsanwaltschaft kam es bei der Vermögensverwaltungstätigkeit der ASE im Laufe der Zeit zu diversen massiven Unregelmässigkeiten. Dem Geschäftsführer wird insbesondere vorgeworfen, dass er die bei seiner Anlagetätigkeit seit mindestens Januar 2006 erlittenen Verluste verheimlicht und stattdessen den Anlegern fiktive Gewinne ihrer Anlagen vorgetäuscht hatte.

In der Folge habe er nach Bedarf Löcher in den unterschiedlichen Anlageprodukten gestopft. Dabei habe er auf sämtliche Mittel zurückgegriffen, denen er im Namen der ASE habhaft habe werden können.

ANKLAGE SIEHT RIESIGES SCHNEEBALLSYSTEM

Im Mittelpunkt steht gemäss Staatsanwaltschaft der Vorwurf, durch die Vermischung von Kunden- und Anlagegelder ein einziges riesiges Schneeballsystem betrieben zu haben.

Im April 2012 wurde aufgrund einer Strafanzeige der Basler Kantonalbank und mehreren Privatpersonen gegen die damaligen Organe der ASE ein Strafverfahren eröffnet.

Hintergrund des damaligen Tatverdachts waren Bankauszüge, die gegenüber den Kunden falsche Guthaben auswiesen. Im Juni 2012 wurde über die ASE der Konkurs eröffnet und im Januar 2014 mangels Aktiven eingestellt.

(AWP)