Behring-Fall: Ausstandsbegehren gegen ausserordentlichen Staatsanwalt gestellt

Bellinzona (awp/sda) - Gegen den ausserordentlichen Staatsanwalt, der die Strafanzeige des angeklagten Financiers Dieter Behring gegen Bundesanwalt Michael Lauber und zwei weitere Angestellte der Bundesanwaltschaft prüfen sollte, ist ein Ausstandsbegehren gestellt worden. Dieses muss nun vom Bundesstrafgericht geprüft werden.
22.09.2016 17:50

Bis die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts das Ausstandsbegehren überprüft habe, werde er auch die Strafanzeige nicht weiter prüfen, teilte Thomas Hansjakob am Donnerstag auf Anfrage mit. Er ist erster Staatsanwalt des Kantons St. Gallen und Anfang August von der Aufsichtsbehörde der Bundesanwaltschaft als ausserordentlicher Staatsanwalt eingesetzt worden.

Das Ausstandsbegehren gegen Hansjakob hatte Behrings Anwalt Bruno Steiner gestellt. Er erkenne eine "intensive Beziehung" Hansjakobs zur Bundesanwaltschaft und sehe deshalb einen Interessenskonflikt, teilte Steiner am Donnerstag auf Anfrage mit.

ANTRAG: URTEILSVERKÜNDUNG VERSCHIEBEN

Zudem hat der Anwalt zusammen mit Behrings amtlichem Verteidiger Roger Lerf beim Bundesstrafgericht beantragt, die Urteilsverkündung zu verschieben. Diese ist für den kommenden Freitag (30. September) vorgesehen.

In den Augen Steiners muss aber das Ausstandsbegehren gegen Hansjakob und anschliessend die Strafanzeige gegen Lauber und die beiden Angestellten der Bundesanwaltschaft geprüft werden, bevor es zu einem Urteilsspruch kommen kann.

Der wegen Betrugs und Geldwäscherei angeklagte Financier Behring wirft Lauber, dessen Stellvertreter Ruedi Montanari sowie dem Staatsanwalt Tobias Kauer unter anderem Amtsmissbrauch und Irreführung der Rechtspflege vor.

ERSTES AUSSTANDSGESUCH ABGELEHNT

Gegen Tobias Kauer, der im Fall Behring Ankläger ist, hatte der Financier bereits während des Prozesses im Juni ein Ausstandsgesuch gestellt. Behring wirft dem Staatsanwalt vor, die Untersuchung gegen die ursprünglich neun weiteren Beschuldigten in unzulässiger Weise eingestellt zu haben. Dadurch seien diese begünstigt worden.

Die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts ist auf das Gesuch nicht eingetreten, wie aus einem Anfang August publizierten Beschluss hervor geht. Grund dafür war die verspätete Eingabe.

Der Prozess gegen Dieter Behring am Bundesstrafgericht in Bellinzona war im Juni geführt worden. Behring soll zwischen September 1998 und Oktober 2004 gewerbsmässig Anleger betrogen haben. Die rund 2000 Geschädigten sollen insgesamt 800 Millionen Franken verloren haben.

(AWP)