Behring-Prozess: Befragung eines Hauptvermittlers nicht öffentlich

Bellinzona (awp/sda) - Das Bundesstrafgericht in Bellinzona hat am Montag entschieden, dass einer der Hauptvermittler im Fall Behring unter Ausschluss von Öffentlichkeit und Presse befragt werden soll. Grund dafür sind die gesundheitlichen Probleme des Zeugen.
13.06.2016 18:51

Immer wieder haben die am Montag befragten Zeugen im Prozess gegen Dieter Behring den Namen des Basler Anwalts genannt, der zu den Hauptvermittlern gehörte im Fall Behring. Morgen Dienstag sollte er ebenfalls als Zeuge befragt werden. Davon wollte er sich durch ein ärztliches Zeugnis dispensieren lassen.

Das Bundesstrafgericht in Bellinzona hat am Montag jedoch entschieden, dass der Anwalt als Zeuge einvernommen wird - allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit und der Presse. Dies geschehe aus Rücksicht auf die vom Arzt genannten gesundheitlichen Probleme.

IMMER NOCH EMOTIONEN

Am Montag hat das Gericht Personen als Zeugen einvernommen, die im weiteren Sinn als Vermittler im System Behring tätig waren oder aufgrund einer familiären oder beruflichen Verbindung zu einem der damaligen Hauptvermittler mit dem Konstrukt zu tun hatten.

Bei allen acht Befragten wurde deutlich, dass die Gedanken an das zusammengekrachte Investment-Kartenhaus nach wie vor Emotionen zu wecken vermögen. Bis auf zwei Zeugen hatten alle selbst Geld investiert und auch verloren.

Die Befragungen haben zum Teil gezeigt, dass eine Investition in das System Behring keineswegs immer über Behring laufen musste, sondern dass die fünf bis sechs Hauptvermittler ebenfalls Verträge unterzeichneten oder die Kontaktperson waren.

ANKLAGEENTWÜRFE GEFUNDEN

Die Bundesanwaltschaft (BA) hat am Morgen erklärt, in ihrem System Entwürfe von Anklageschriften gegen ehemalige Mitbeschuldigte im Fall Behring gefunden zu haben. Sie hat diese nun dem Bundesstrafgericht übergeben. Im Rahmen der Vorfragen hatte die BA stets beteuert, dass bis 2012 keine Anklageschriften bestanden hätten.

Der heute zuständige Staatsanwalt übernahm das Verfahren im Herbst 2012, nachdem die BA entschieden hatte, die Untersuchung auf den mutmasslichen Finanzbetrüger Behring zu fokussieren. Die eingereichten Unterlagen stammen alle aus der Zeit vor dem Zuständigkeitswechsel in der BA.

Am vergangenen Donnerstag sagte ein Mitarbeiter der BA vor dem Gericht aus, dass er "fortlaufende Anklageschriften" gesehen habe. Der Staatsanwalt durchsuchte gemäss eigenen Aussagen mit Unterstützung einer Mitarbeiterin das Aktensystem der BA und fand entsprechende Unterlagen.

Er wiederholte, dass er nicht sagen könne, ob er alle Dokumente gefunden habe. Auch habe er nichts von diesen Unterlagen gewusst. Es handle sich jedoch nicht um "pfannenfertige Anklageschriften", wie die Verteidigung im seit dem 30. Mai laufenden Prozess mehrmals gesagt habe.

Die Aktenstücke seien lückenhaft, kommentiert und noch weit von einer fertigen Anklageschrift entfernt. Auch jene acht Seiten zu Dieter Behring seien längst noch nicht fertig gewesen.

Der 61-jährige Dieter Behring soll gemäss Anklageschrift zwischen September 1998 und Oktober 2004 gewerbsmässig Anleger betrogen haben. Die rund 2000 Geschädigten sollen insgesamt 800 Millionen Franken verloren haben.

(AWP)