Behring-Prozess: Gericht versucht Fluss der Kundengelder zu erschliessen

Bellinzona (awp/sda) - Das Bundesstrafgericht hat sich am Dienstag im Fall Behring vor allem mit einer Frage beschäftigt. Es stellte bei der Befragung der Zeugen immer wieder die Frage: Wer hatte die Verantwortung über die Kundengelder und auf welches Konto flossen sie?
14.06.2016 17:20

Die Antworten der befragten Hauptvermittler als Zeugen zeigten am Dienstag immer wieder in Richtung der Moore Park von Dieter Behring. Auch wurde wiederholt geäussert, dass klar gewesen sei, dass Behring mit den Gelder gearbeitet habe.

Auf die Frage, woher sie dies zu wissen glaubten, kamen jedoch nicht so klare Antworten. Hingegen schienen alle grosses Vertrauen in die Person Behring gehabt zu haben. Das System habe eingeleuchtet und Sinn gemacht.

Die Befragung einer ehemaligen kaufmännischen Mitarbeiterin eines der Hauptvermittler zeigte nochmals deutlich, dass das System jahrelang zumindest äusserlich funktionierte. Für die Auszahlung der Zinsen wurde fristgerecht das Geld überwiesen. Ebenso haperte es nie bei der Rückzahlung der Anlagegelder, wenn ein Vertrag durch einen Kunden gekündigt wurde.

NICHT ERSCHIENEN

Einer der Hauptvermittler im Fall Behring, ein Basler Anwalt, erschien am Dienstag nicht vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona, obwohl ihn das Gericht vorgeladen hatte. Er sollte unter Ausschluss von Öffentlichkeit und Presse befragt werden.

Dies hatte der vorsitzende Richter am Montag entschieden. Der Betroffene wollte sich mit einem Arztzeugnis von der Befragung als Zeuge dispensieren lassen. Das Gericht lehnt dies jedoch ab.

Die Verteidigung von Behring beharrt darauf, dass alles unternommen wird, damit der Anwalt befragt werden kann. Da er im Ausland wohnt, sind die möglichen Massnahmen des Gerichts eingeschränkt.

STAATSANWALT ALS ZEUGE

Am Mittwoch wird die Befragung weiterer Kundenvermittler fortgesetzt. Dem Gericht Red und Antwort stehen muss auch der ehemalige Staatsanwalt Werner Pfister, der die Untersuchung gegen Behring und die ursprünglich neun Mitbeschuldigten führte, bevor sie vom jetzigen verantwortlichen Staatsanwalt übernommen wurde.

Pfister wurde vom Bundesstrafgericht aufgeboten, weil im Rahmen des Prozesses ans Tageslicht kam, dass es vor der Fokussierung auf Dieter Behring als einzigen Angeschuldigten, Anklageschriften gegeben hat.

Davon ist Behrings Privatverteidiger von Anfang an ausgegangen. Die Bundesanwaltschaft verneinte dies, bis ein Mitarbeiter der Bundesanwaltschaft (BA) vergangene Woche als Zeuge aussagte, dass er solche Schriften gesehen habe. Die BA hat dann in den Tiefen ihres Systems tatsächlich Entwürfe solcher Anklageschriften gefunden und sie am Montag dem Gericht übergeben.

Der 61-jährige Dieter Behring soll gemäss Anklageschrift zwischen September 1998 und Oktober 2004 gewerbsmässig Anleger betrogen haben. Die rund 2000 Geschädigten sollen insgesamt 800 Mio CHF verloren haben.

(AWP)