Bitcoin auf immer wilderer Bergfahrt - Wohl noch kein Finanzmarkt-Risiko

(Meldung mit Marktstimmen und Experten durchgehend ausgebaut) - Die Bergfahrt des Bitcoin wird immer rasanter. Fast im Tagestakt hat die Internet-Währung zuletzt eine neue "Tausend-Dollar-Hürde" genommen und sich zeitweise schon der Marke von 20'000 USD angenähert. Angesichts des grossen Ansturms arbeiten auch die grossen Bitcoin-Handelsplätze am Limit und zeigen entsprechend technische Probleme. Das Kauffieber der vergangenen Tage steht im Zusammenhang mit der bevorstehenden Lancierung der ersten Bitcoin-Futures an grossen US-Börsen.
08.12.2017 12:16

Die hohe Nervosität im Handel zeigt sich in derzeit heftigen Schwankungen der Preise. So kletterte der Bitcoin am grossen US-Handelsplatz Coinbase am Donnerstagabend innerhalb von 90 Minuten von 16'000 auf fast 20'000 USD, um dann die Gewinne abzugeben. Am Freitagvormittag ist der Kurs wieder zurückgekommen, an der europäischen Börse Bitstamp notiert er am Mittag noch bei etwas über 14'500 USD. Der Bitcoin hatte erst Ende November die Marke von 10'000 USD überschritten.

HOHE HANDELSVOLUMEN

Sehr hohe Volumen führten zudem offenbar an verschiedenen Handelsplätzen zu Schwierigkeiten - so konnte etwa bei Coinbase offenbar zeitweise nicht gehandelt werden. Auf diese grossen Belastungen seien deren Systeme nicht ausgelegt, entsprechend habe man technische Schwierigkeiten man an allen grossen Handelsplattformen beobachten können, bestätigt auch Fabian Hediger, Leiter des Handelsdesks bei Bitcoin Suisse auf Anfrage: "Derzeit funktioniert keine der grossen Exchanges einwandfrei."

Auch bei Bitcoin Suisse sieht man stark anziehende Handelsvolumen. Der Zuger Kryptowährungsbroker hatte den monatlichen Umsatz zuletzt auf rund 200 bis 300 Mio USD beziffert. Alleine am Donnerstag sei man bereits bei einem Handelsvolumen von 20 bis 30 Mio USD angelangt, sagt Hediger.

Immer extremer werden auch die Preisunterschiede zwischen den einzelnen Handelsplätzen. So kostete ein Bitcoin am Morgen auf der europäischen Börse Bitstamp gut 16'000 USD, an mehreren Handelsplätzen in Südkorea, wo die Internet-Währung besonders starken Anklang findet, notierte der Bitcoin dagegen zur gleichen Zeit bereits bei mehr als 20'000 USD.

VOR FUTURES-LANCIERUNG

Der steile Anstieg der Internet-Währung geschieht im Vorfeld der Lancierung von Bitcoin-Futures an grossen US-Handelsplätzen. So hat die US-Börse CBOE die Lancierung eines Futures basierend auf dem Bitcoin-Preis für den Sonntag angekündigt. Ein entsprechendes Produkt der Chicagoer Optionenbörse CME wird am Montag in einer Woche folgen.

Von der Lancierung der US-Bitcoin-Futures versprechen sich zahlreiche Anleger den Zustrom von weiteren Geldern in den Markt. Bisher seien gerade für institutionelle Investoren mangelnde Liquidität und ein fehlendes Fachwissen und damit verbundene Sicherheitsbedenken ein Hindernis gewesen, heisst es etwa bei der Falcon Bank: "Die Möglichkeit, künftig Bitcoin-Futures-Kontrakte über die Börse zu handeln, wird gerade diesen Investoren den Kauf erleichtern."

NOCH KEINE SYSTEM-RISIKEN FÜR FINANZMÄRKTE

Eine generelle Gefahr für die Finanzmärkte durch den rasanten Preisanstieg beim Bitcoin sieht man etwa bei der UBS noch nicht - dies trotz einer rasant wachsenden Marktkapitalisierung der Kryptowährungen, die derzeit bei über 420 Mrd USD liegt. Insgesamt dürfte die Relevanz für die Kapitalmärkte aber noch immer gering sein, meint UBS-Ökonom Maximilian Kunkel auf Anfrage. Zuletzt hatte etwa der Wertpapierspezialist Thomas Peterffy in einem Interview vor einem systemischen Risiko für die Finanzmärkte durch den Bitcoin gewarnt.

Auch wenn die derzeitige Bitcoin-Blase platzen werde, dürfte zudem der Wert der Kryptowährungen nicht auf Null zusammenbrechen, meint Kunkel zudem. Zwar könne der Bitcoin seines Erachtens das Versprechen nicht einlösen, eine vollwertige Alternative zu etablierten Währungen zu sein. Die der Kryptowährung zugrunde liegende Blockchain-Technologie werde aber künftig eine wichtige Rolle spielen, und auch der Bitcoin könnte auch durch technische weiter entwickelte Alternativen abgelöst werden.

tp/ra

(AWP)