Bundesanwaltschaft blockiert Konten im Korruptionsfall Shell/Eni

Manager der Ölkonzerne Shell und Eni müssen sich wegen mutmasslicher Korruption in Nigeria und in Italien vor Gericht verantworten. Der Fall hat auch einen Bezug zur Schweiz. Die Bundesanwaltschaft hat auf Ersuchen der italienischen Justiz verschiedene Konten blockiert.
19.03.2018 13:22

Er gilt als einer der grössten Korruptionsfälle in Europa: Die nigerianische und die Mailänder Staatsanwaltschaft werfen verschiedenen Verantwortlichen der italienischen Eni und der britischen Shell vor, im Zusammenhang mit einer Förderlizenz in Nigeria Schmiergelder in Millionenhöhe bezahlt zu haben. Von den nigerianischen Behörden wird die Summe von 801 Mio USD genannt.

Die Schweizer Bundesanwaltschaft (BA) hat in diesem Fall auf Ersuchen der Mailänder Staatsanwaltschaft Vermögenswerte beschlagnahmt und den italienischen Behörden Informationen geliefert, bestätigt die BA einen Bericht von Tamedia-Zeitungen. Die BA habe ein entsprechendes Rechtshilfeersuchen vollzogen und die gewünschten Informationen übermittelt, schreibt die BA auf Anfrage. "Über die Höhe der beschlagnahmten Vermögenswerte äussert sich die BA nicht."

Die Bundesanwaltschaft hat gemäss dem Zeitungsbericht in Genf, Basel und Lugano bei drei Schweizer Banken Gelder im Umfang von mehreren hundert Millionen Franken blockiert. Der Prozess in Mailand hätte heute Morgen beginnen sollen. Das Gericht hat laut der Nachrichtenagentur Reuters den Start jedoch auf den 14. Mai verschoben.

Hintergrund des mutmasslichen Korruptionsfalls ist der Verkauf der Lizenz zur Förderung des Ölblocks OPL 245 im Golf von Guinea in Nigeria. Ende der 90er Jahre verkaufte der damalige nigerianische Ölminister die Bohrrechte am riesigen Erdölfeld OPL 245 für den Spottpreis von 2 Mio USD an eine eigene Firma. 2011 vereinbarten Shell, Eni und die nigerianische Regierung, dass die Erdölkonzerne diese Förderrechte für 1,1 Mrd USD übernehmen können.

Die italienische und die nigerianische Justiz werfen jetzt Shell und Eni vor, wissentlich einen Grossteil der Verkaufssumme als Schmiergeld an den ehemaligen Ölminister überwiesen zu haben. Beide Konzerne weisen die Vorwürfe zurück.

(AWP)