Credit Suisse verpasst offenbar Schlichtung im Streit um "Versicherungsmäntel"

Zürich/Lugano (awp) - In der juristischen Auseinandersetzung zwischen der Credit Suisse und italienischen Kunden wegen den zur Steuerhinterziehung einsetzbaren "Versicherungsmänteln" hat die Grossbank offenbar drei am Montag vorgesehene Schlichtungsgespräche nicht wahrgenommen. Gemäss einer Meldung des Tessiner Radios RSI wären dabei etwa 100 Bankkunden von den rund 1'000 Klägern vertreten gewesen. Die Credit Suisse wollte am Dienstag den Bericht auf Anfrage mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht kommentieren.
30.08.2016 16:20

Klägeranwalt Paolo Bernasconi warf der Credit Suisse derweil vor, sich einer Schlichtung zu verweigern. Nach dem vorgeschriebenen Schlichtungsverfahren hätten die Zivilkläger nun die Möglichkeit, ihre Forderungen vor die Tessiner Justiz zu bringen und für die von ihnen behaupteten Schäden eine Entschädigung zu verlangen.

Auf die Grossbank könnten laut früheren Meldungen Entschädigungsforderungen in Millionenhöhe zukommen. Die Kläger werfen der Grossbank vor, sie nicht genügend über die Risiken der Lebensversicherungsprodukte aufgeklärt zu haben, die von der Credit Suisse Life mit Sitz in Bermuda angeboten wurden. Sie verlangen nun von der Grossbank die Erstattung der Differenz zwischen den von den italienischen Steuerbehörden verlangten Zahlungen und dem Betrag, den sie gezahlt hätten, wenn sie am Selbstanzeige-Programm ("voluntary disclosure") teilgenommen hätten, das im vergangenen November ausgelaufen war.

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(AWP)