Devisen: Aussicht auf Regierungsbildung in Italien schickt Eurokurs auf Talfahrt

Eine sich abzeichnende populistische Regierung in Italien hat den Eurokurs am Mittwoch auf Talfahrt geschickt. Der Kurs fiel bis auf 1,1764 US-Dollar und erreichte so den tiefsten Stand seit Dezember. Dann aber erholte sich die Gemeinschaftswährung wieder etwas, sie wurde in New York zuletzt mit 1,1802 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,1784 (Dienstag: 1,1883) Dollar festgesetzt.
16.05.2018 21:22

Zum Franken erholte sich der Euro ebenfalls und rückte über die Marke von 1,18 auf aktuell 1,1817 Franken vor. Derweil verteidigt der US-Dollar das Paritäts-Niveau. Ein Dollar kostet 1,1013 Franken.

Im Fokus stand die laut Medienberichten wahrscheinlicher werdende Bildung einer eurokritischen neuen italienischen Regierung zwischen Fünf Sterne und Lega. Die mögliche Regierung plant enorme Ausgabensteigerungen und Steuerkürzungen. "Die neue Regierungskoalition, vor der Italien vermutlich steht, wird die EU vor neue Herausforderungen stellen", kommentierte Karsten Junius, Chefvolkswirt beim Bankhaus Sarasin. "Ihre finanzpolitischen Vorhaben sind mit den Stabilitätsvereinbarungen in der Währungsunion nicht kompatibel."

Vor allem ein sehr eurofeindlicher Entwurf des Koalitionsvertrages zwischen den beiden Parteien sorgte für Turbulenzen. In dem Papier, das der "Huffington Post" zugespielt wurde, geht es um die Forderung, 250 Milliarden Euro der italienischen Staatsschulden bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zu erlassen. Laut Sterne-Chef Luigi Di Maio wurde der Entwurf allerdings in wichtigen Punkten überarbeitet.

Der italienische Ökonom Carlo Cottarelli sprach von einem "so unrealistischen Vorschlag, dass ich mich frage, wieso er überhaupt schwarz auf weiss niedergeschrieben wurde". Laut Junius beenden die Vorstellungen die Diskussion über eine realistische Vertiefung der Währungsunion, wie sie von Frankreich vorgeschlagen wurde.

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(AWP)