Devisen: Dollar unter Druck - Franken weiter sehr stark

FRANKFURT (awp international) - Steigende Siegeschancen des US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump dominieren am Mittwoch den Devisenmarkt. Der amerikanische Dollar steht auf breiter Front unter Druck. Davon profitierte der Euro, der seine Vortagsgewinne leicht ausbauen kann. Gegen Mittag kostet die Gemeinschaftswährung 1,1085 US-Dollar und damit etwas mehr als im asiatischen Handel.
02.11.2016 13:19

Die Suche nach sicheren Häfen macht sich auch beim Franken deutlich bemerkbar. Das EUR/CHF-Währungspaar war bereits am Dienstag klar unter die Marke von 1,08 und zeitweise so tief gefallen, wie zuletzt nach dem Brexit im Juni. Aktuell notiert das Paar bei 1,0776 CHF und damit kaum verändert gegenüber seinem Kurs vom Morgen. Der Aufwertungsdruck auf den Franken dürfte in den kommenden Tagen kaum abnehmen, sondern eher noch zunehmen, heisst es am Markt. Entsprechend fällt auch der US-Dollar zum Franken weiter zurück und steht aktuell bei 0,9707 CHF nur knapp oberhalb der 0,97er Marke.

Noch deutlichere Gewinne als der Euro verbucht der japanische Yen, der unter Anlegern als sicherer Hafen in unwägbaren Zeiten gilt. Am stärksten zum amerikanischen Dollar legt aber der neuseeländische Dollar zu. Der "Kiwi" profitierte neben der Dollarschwäche von robusten Arbeitsmarktdaten aus Neuseeland.

Seit Dienstag steht der US-Dollar unter erhöhtem Druck. Ausschlaggebend sind einige Wahlumfragen, die dem Republikaner Trump wenige Tage vor der Präsidentschaftswahl in der kommenden Woche bessere Chancen auf einen Sieg einräumen. Wegen Trumps Unberechenbarkeit wird die Demokratin Hillary Clinton an den Finanzmärkten als künftiges Staatsoberhaupt bevorzugt.

Direkte Auswirkungen könnte ein Wahlsieg Trumps auch auf die amerikanische Geldpolitik haben. Der Populist und politische Quereinsteiger hat die US-Notenbank und deren Chefin Janet Yellen mehrfach verbal scharf attackiert. Das mindeste, womit Analysten rechnen, ist eine Verschiebung der für Dezember erwarteten Zinsanhebung, falls Trump die Wahl gewinnen sollte. Das britische Analysehaus Capital Economics hält sogar einen Rücktritt von Fed-Chefin Yellen für möglich, sollte Trump der neue US-Präsident werden.

An diesem Mittwoch wird die Fed ihre vorletzte Zinsentscheidung in diesem Jahr bekanntgeben. Auch aufgrund des ungewissen Ausgangs der Wahl wird nicht mit einer Fortsetzung der Ende 2015 gestarteten Zinswende gerechnet. Allerdings könnten Hinweise auf die letzte Zinssitzung in diesem Jahr im Dezember fallen. Fed-Chefin Yellen hat einen Einfluss der Präsidentschaftswahlen auf den geldpolitischen Kurs der Notenbank zwar verneint. Analysten sind sich jedoch sicher, dass die Reaktion der Märkte auf den Wahlausgang eine wichtige Rolle für die Fed spielt.

bgf/tos/stb/hr/cf

(AWP)