Devisen: Euro erholt sich von Jamaika-Aus

Der Euro hat sich am Montag schnell von Verlusten wegen des Scheiterns der Jamaika-Sondierungsgespräche für eine neue Regierung in Deutschland erholt. Nachdem die Gemeinschaftswährung in der Nacht auf Montag um etwa einen halben Cent bis auf 1,1722 USD gefallen war, stieg sie im Vormittagshandel wieder bis auf 1,1812 USD. Am frühen Nachmittag liegt der Euro mit 1,1777 USD allerdings wieder etwas tiefer.
20.11.2017 14:26

Auch zum Schweizer Franken gab die europäische Gemeinschaftswährung zunächst nach und fiel sogar unter die Marke von 1,16 CHF, erholte sich dann aber wieder deutlich und steht am frühen Nachmittag bei 1,1674 CHF. Der Dollar kletterte gegenüber dem Franken wieder über die Marke von 0,99 CHF und kostet aktuell 0,9913 CHF.

Am späten Sonntagabend hatte sich die FDP aus den Sondierungsgesprächen mit Union und Grünen verabschiedet. Die wochenlangen Bemühungen um eine konservativ-linksliberale Koalition scheinen damit gescheitert zu sein. Die politischen Verhältnisse in dem wichtigsten Wirtschaftsland der Eurozone sind somit unübersichtlich geworden. Sowohl Deutschland als auch der Euroraum waren zuletzt robust gewachsen, was den Euro beflügelt hatte.

Ökonomen gaben sich in ersten Kommentaren gelassen. Sie sehen zwar eine Zeit politischer Ungewissheit auf Deutschland zukommen. Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum werden aber nicht erwartet. "Die Beispiele Belgiens oder der Niederlande, wo Übergangsregierungen der Wirtschaft lange Zeit keinen Schaden zugefügt haben, scheinen sogar darauf hinzudeuten, dass Übergangsregierungen eher helfen als schaden", sagte ING-Diba-Chefökonom Carsten Brzeski. Jedoch sei Europa um eine Illusion ärmer: "Deutschland ist nicht länger das Vorbild politischer Stabilität."

Impulse durch Konjunkturdaten sind zu Wochenbeginn eher nicht zu erwarten. Erzeugerpreise aus Deutschland wurden an den Märkten allenfalls zur Kenntnis genommen. Aus den USA wird nur der Sammelindex der Frühindikatoren erwartet, der nur selten für Marktbewegung sorgt. Allerdings treten im Verlauf des Nachmittags einige hochrangige EZB-Vertreter vor das Mikrofon, darunter Notenbankchef Mario Draghi. Er wird sich vor dem Europäischen Parlament äussern.

ZKB SIEHT EUR/CHF-KURS MITTELFRISTIG WEITERHIN LEICHT HÖHER

Nachdem der Euro-Franken-Kurs in der vergangen Woche leicht höher tendiert und dabei das Jahreshoch getestet hat, geht die Zürcher Kantonalbank (ZKB) in ihrer technischen Analyse weiterhin von einem mittelfristigen Aufwärtstrend aus. Auf Sicht der nächsten Monate erwartet die ZKB damit eine Bewegung in Richtung 1,18 CHF. Die kurzfristigen Momentum-Indikatoren zeigten dagegen leichten Abwärtsdruck.

Auch für das Währungspaar Dollar/Franken rechnet die ZKB aus charttechnischer Sicht mit einem leichten Aufwärtstrend. Dies, nachdem vor einigen Wochen der Widerstand bei 0,98 CHF wie auch die Linie des gleitenden Durchschnitts über 200 Tag überschritten worden sei. Die kurzfristigen Momentum-Indikatoren zeigten derzeit aber noch Abwärtsdruck an, weshalb auf Sicht der nächsten ein bis zwei Wochen mit einem Ende der zuletzt gestarteten Konsolidierung oberhalb von 0,98 CHF zu rechnen sei. Im Anschluss erwarten ZKB-Experten dann aber die Tendenz nach oben mit Potenzial in Richtung 1,02 CHF.

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(AWP)