Devisen: Euro gibt Gewinne zu Dollar und Franken wieder ab

Der Euro hat am Freitag anfängliche Gewinne zum US-Dollar und zum Schweizer Franken wieder abgegeben und liegt nun unter den Werten vom Vorabend. Am frühen Nachmittag notiert Gemeinschaftswährung zum Dollar auf 1,0736 nach 1,0779 USD am Morgen. Zweitweise hatte der Euro im frühen Handel sogar mit 1,0782 USD den höchsten Stand seit mehr als fünf Wochen erreicht. Zum Franken verliert der Euro auf 1,0696 von 1,0740 CHF am Morgen. Der Dollar zum Franken zeigt sich derweil seit dem Morgen stabil und notiert auf 0,9963 CHF.
17.03.2017 14:18

Am Mittag hätten verbesserte Umfragewerte für die französische Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen (Front National) für Druck auf den Euro gesorgt, hiess es aus dem Handel. Das Meinungsforschungsinstitut "Opinion Way" sieht Le Pen im derzeit wahrscheinlichsten Fall einer Stichwahl zwischen ihr und dem liberalen Politiker Emmanuel Macron bei 41%. Zuletzt war es noch ein Prozentpunkt weniger gewesen. Le Pen fordert den Austritt Frankreichs aus dem Euroraum.

Zuvor hatte der Euro seit dem Vorabend Auftrieb erhalten, nachdem Aussagen des EZB-Ratsmitglieds Ewald Nowotny die Möglichkeit von Zinsanhebungen schon vor Beendigung des milliardenschweren Wertpapierkaufprogramms der Notenbank ins Gespräch gebracht hatten. Es müsse diskutiert werden, ob sich das Modell der US-Notenbank Fed beim Ausstieg aus der extrem lockeren Geldpolitik "eins zu eins auf Europa übertragen lässt", sagte der Chef der österreichischen Notenbank in einem Interview mit dem "Handelsblatt". In den USA wurden die Zinsen erst erhöht, nachdem das Anleihekaufprogramm beendet worden war.

Nowotny betonte, dass die EZB nicht alle Zinsen gleichzeitig und im selben Umfang erhöhen müsse. "Die EZB könnte auch den Einlagenzins früher erhöhen als den Leitzins." Einige Experten interpretierten Nowotnys Aussagen dahingehend, dass eine Anhebung des Einlagensatzes schon vor Beendigung der Wertpapierkäufe zur Diskussion stehe.

EZB-Chefvolkswirt Peter Praet gab diesen Spekulationen jedoch einen Dämpfer. Er könne nur die EZB-Stellungnahme im Anschluss an die jüngste Zinsentscheidung wiederholen, "die sehr klar bezüglich des Ablaufs sei und eine starke logische Basis habe", sagte Praet der Nachrichtenagentur Bloomberg. Dort heisst es: "Wir gehen weiterhin davon aus, dass sie (die Leitzinsen) für längere Zeit und weit über den Zeithorizont unserer Wertpapierkäufe hinaus auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau bleiben werden."

Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) ging am Morgen für das Währungspaar EUR/CHF von einer Seitwärtsbewegung aus. Der Franken stünde zwar weiterhin unter Aufwärtsdruck, aber die Schweizer Nationalbank greife stabilisierend ein, hiess es. Für den Dollar zum Franken rechnete die ZKB mit einer Aufwärtstendenz, da mögliche fiskalische US-Massnahmen den Greenback zur Zeit stützten.

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(AWP)