Devisen: Euro nach Bundestagswahl unter 1,19 USD - zum Franken etwas tiefer

Der Euro ist am Montag mit Blick auf die voraussichtlich schwierige Regierungsbildung in Deutschland nach der Bundestagswahl zum US-Dollar gefallen. Die Gemeinschaftswährung rutschte unter 1,19 USD und steht am späten Nachmittag bei 1,1873 USD, nachdem sie am Morgen im Hoch noch bei 1,1937 USD gehandelt worden ist.
25.09.2017 17:01

Zum Schweizer Franken gab der Euro ebenfalls nach und notiert am späten Nachmittag mit 1,1536 CHF etwas tiefer als noch am Freitagabend. Der Dollar gab nach einem leichten Anstieg am Nachmittag die Gewinne zum Franken wieder ab und notiert mit 0,9716 kaum verändert zum Schlusskurs von Ende letzter Woche.

Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) sieht den Euro-Franken-Kurs kurz- und mittelfristig indes weiterhin leicht höher. Dies, nachdem der Euro in der vergangene Woche das Jahreshoch von vor etwa einem Monat überschritten hat. Die Linie des gleitenden Durchschnitts über 200 Tage verlaufe bei über 1,10 CHF und stelle damit eine Unterstützung dar, so die ZKB-Experten. Sie rechnen auf Sicht von ein bis zwei Monaten mit einer Fortsetzung des Trends in Richtung 1,18 CHF.

Mit Blick auf den Dollar-Franken-Kurs geht die ZKB auf mittlere Frist von einer leichten Abwärtstendenz aus. Nachdem Anfang September die Jahrestiefs um 0,94 CHF getestet wurden und sich der Dollar bis auf 0,97 CHF erholte, rechnen die ZKB-Experten kurzfristig - auf Sicht von ein bis zwei Wochen - allerdings noch mit einer Fortsetzung der Kurserholung. Auf Sicht von ein bis zwei Monaten wird dann aber mit erneuten Abgaben in Richtung 0,95 CHF gerechnet. Dies gelte, solange nicht der Widerstand bei 0,98 CHF überschritten werde.

AUSGANG DER BUNDESTAGSWAHL ALS BELASTUNG FÜR DEN EURO

Am Markt wurden als Grund für die derzeitige Abschwächung im Euro die hohen Verluste der Regierungsparteien Union und SPD genannt. Experten erwarten nun eine schwierige Regierungsbildung in der grössten Volkswirtschaft der Eurozone. Ebenso wurde auf den Einzug der Euro-kritischen AfD in den Bundestag verwiesen.

Nach Einschätzung des Devisenexperten Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank wird der Eurokurs durch die Aussicht auf eine Jamaika-Koalition aus Union, Grüne und FDP belastet: "Mit der FDP wird in der nächsten Regierung voraussichtlich eine Partei vertreten sein, deren politisches Programm vom Markt als Euro-negativ interpretiert wird."

Ein enttäuschend ausgefallenes Ifo-Geschäftsklima verstärkte den Abwärtsdruck beim Eurokurs. In den deutschen Unternehmen hatte sich die Stimmung im September zum zweiten Mal in Folge eingetrübt. Ein Auftritt des EZB-Präsidenten Mario Draghi vor dem EU-Parlament konnte den Eurokurs am Nachmittag nicht mehr nennenswert bewegen. Draghi hatte erneut eine vorsichtige Rückführung des milliardenschweren Anleihekaufprogramms durch die EZB signalisiert.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,87938 (0,88155) GBP und 133,19 (134,01) JPY fest.

Die Feinunze Gold wurde in London am Nachmittag mit 1'293,30 (1'294,80) USD gefixt.

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(AWP)