Devisen: Euro profitiert zu Dollar und Franken von Erholung in Italien

Der Kurs des Euro ist am Mittwoch gestiegen. Am Vormittag wird die Gemeinschaftswährung bei 1,1577 US-Dollar gehandelt und damit über dem Niveau vom Vorabend.
03.10.2018 10:02

Zum Franken hat der Euro die Marke von 1,14 wieder überschritten und kostet aktuell 1,1413 Franken. Im Hoch ist das Paar bislang auf 1,1420 gestiegen. Der US-Dollar behauptet sich ebenfalls zum Franken und steht bei 0,9858 Franken etwas höher als am Dienstagabend.

Händler verwiesen mit Blick auf den gestärkten Euro auf Medienberichte, wonach Italiens Regierung im Streit mit der EU um die Haushaltsplanung des Landes zu einem gewissen Grad einlenken könnte. Diese Berichte haben demnach auch den italienischen Staatspapieren deutlichen Auftrieb gegeben.

Man werde zwar weiterhin für kommendes Jahr ein Defizit bei den Staatsfinanzen von 2,4 Prozent anpeilen, nachdem die Vorgängerregierung nur 0,8 Prozent anvisiert hatte, berichtete die italienische Zeitung Corriere della Sera am Mittwoch mit Bezug auf ein Kabinettstreffen. Für 2020 und 2021 werde man den Zielwert aber auf 2,2 beziehungsweise 2,0 Prozent reduzieren. Die Zeitung la Repubblica berichtete über ähnliche Pläne.

Dass die Regierung versuche die EU-Partner zu beruhigen, könne als Schritt in die richtige Richtung gesehen werden und rechtfertige somit etwas Auftrieb beim Euro, meint Thu Lan Nguyen, Expertin bei der Commerzbank. Der Teufel liege aber im Detail. Fraglich sei, ob die Ziele angesichts der Pläne der Regierung überhaupt zu erreichen seien.

Noch am Vortag hatten erneute Sorgen um Italiens Staatsfinanzen und um den politischen Kurs den Euro gegenüber dem US-Dollar auf den tiefsten Stand seit sechs Wochen gedrückt. Jüngster Auslöser waren eurokritische Bemerkungen von Claudio Borghi, Wirtschaftsexperte der rechtspopulistischen Regierungspartei Lega.

Im weiteren Tagesverlauf könnten am Mittwoch noch Stimmungsindikatoren zum Dienstleistungssektor im Euroraum sowie in den USA für Bewegung am Devisenmarkt sorgen und es werden Zahlen zum Einzelhandelsumsatz im Währungsraum veröffentlicht.

Zudem wird die britische Premierministerin Theresa May ihre Abschlussrede zum Parteitag der Konservativen in Birmingham halten. Sie dürfte dort für ihre Brexit-Pläne werben, die in ihren eigenen Reihen heftig umstritten sind. Ex-Aussenminister Boris Johnson hatte am Dienstag zwar dazu aufgerufen, Mays Pläne zu verwerfen, stellte aber nicht direkt ihre Führungsposition infrage.

Deutliche Bewegung am Devisenmarkt gibt es erneut bei der türkischen Lira, die nach der Veröffentlichung hoher Inflationszahlen im Verhältnis zum US-Dollar um gut 1,5 Prozent an Wert verlor.

Im September sind die Verbraucherpreise laut dem staatlichen Statistikamt im Jahresvergleich um 24,5 Prozent gestiegen. Dies ist die höchste Teuerungsrate seit Juni 2003 und übertrifft die Befürchtungen von Analysten. Im August hatte die Rate noch bei 17,9 Prozent gelegen. Seit Monaten ist die türkische Lira stark unter Druck, wenn sie sich zuletzt auch wieder etwas erholte. Dies treibt die Inflation nach oben, weil importierte Waren teurer werden.

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(AWP)