Devisen: Euro rutscht kurz unter 1,12 US-Dollar

Der Eurokurs hat am Donnerstag seinen zuletzt deutlichen Kursgewinnen Tribut gezollt und nachgegeben. Die Gemeinschaftswährung rutschte kurz unter die Marke von 1,12 US-Dollar und notierte am Vormittag bei 1,1204 Dollar. Am Vortag war der Euro noch bis auf 1,1257 Dollar gestiegen, was den höchsten Stand seit Mitte März bedeutete.
04.06.2020 10:40

Auch zum Franken hat der Euro wieder etwas nachgegeben und sich vom Zwischenhoch vom Vortag bei über 1,08 weiter entfernt. Derzeit wird der Euro zu 1,0770 gehandelt, nach 1,0786 am Morgen und noch über 1,08 am Vorabend. Der US-Dollar bewegt sich bei 0,9616 derzeit kaum vom Fleck.

Börsianer begründeten die leichten Verluste mit einer Gegenbewegung nach der jüngsten Rally. Die zuletzt positive Stimmung an den Finanzmärkten hatte den Euro gestützt. "Was den Euro am ehesten ausbremsen könnte, ist die Tatsache, dass bereits sehr viele positive Wirtschaftsnachrichten eingepreist scheinen - vielleicht sogar schon zu viele", sagte Devisenexpertin Thu Lan Nguyen von der Commerzbank. So hatten sich angesichts der Lockerungsmassnahmen der Corona-Beschränkungen einige wirtschaftliche Frühindikatoren erholt. "Die Frage aller Fragen bleibt jedoch, ob die Krise einen bleibenden Schaden hinterlässt, und wenn ja, wie gross dieser ist."

Kaum eine Rolle spiele am Devisenmarkt das 130 Milliarden Euro schwere Konjunkturpaket, mit dem die schwarz-rote Koalition in Berlin die Wirtschaft in der Corona-Krise ankurbeln will. Die Massnahmen beinhalten für 2020 und 2021 unter anderem eine Senkung der Mehrwertsteuer, Hilfen für Kommunen, Zuschüsse für Familien und höhere Kaufprämien für Elektroautos. Clemens Fuest, Präsident des Ifo Instituts, sagte: "Das Ganze wird der Bevölkerung sicherlich auch Mut machen und den Unternehmen und die Stimmung ein bisschen verbessern." Die Virus-Krise selbst sei aber doch so massiv, dass man sie damit nicht so leicht aus der Welt schaffen könne.

Die Märkte warten jetzt auf die geldpolitischen Entscheidungen der EZB, die am Nachmittag anstehen. Die Anleger spekulieren auf eine Ausweitung des in der Krise aufgelegten Anleihekaufprogramms. Bisher hat PEPP ein Volumen von 750 Milliarden Euro. Eine Ausweitung und zeitliche Verlängerung gilt zwar als wahrscheinlich, aber nicht als sicher.

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(AWP)