Devisen: Euro wenig bewegt - Türkische Lira auf neuem Rekordtief

Der Euro hat am Mittwoch in einem ruhigen Umfeld zum US-Dollar leicht zugelegt. Am frühen Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,1747 USD und damit nur etwas mehr als am Vortag. Starke Impulse blieben dabei aus. Auch zum Schweizer Franken zeigt sich der Euro wenig verändert und notiert mit 1,1617 CHF leicht tiefer als am Vortag. Der Dollar-Franken-Kurs liegt bei 0,9889 CHF und damit ebenfalls etwas tiefer als am Vortag.
22.11.2017 14:02

Unter anhaltendem Druck stand die türkische Lira. Sie fiel am Mittwochmorgen auf ein neues Rekordtief zum amerikanischen Dollar. Umgekehrt kostete ein US-Dollar mit 3,9826 Lira so viel wie nie zuvor. Die Marke von 4 Lira für einen Dollar rückt damit zunehmend in Reichweite. Zuletzt konnte sich die Lira aber etwas erholen. Am Dienstag hatte die Zentralbank bei ähnlicher Lage die Lira-Liquidität verknappt und so über steigende Geldmarktzinsen für eine Stabilisierung der Lira gesorgt.

Experten nennen mehrere Gründe für die aktuelle Lira-Talfahrt. Schon seit längerem wird die Währung durch die politisch angespannte Situation in dem Land selbst belastet. Hinzu kommen diplomatische Spannungen zwischen der Türkei auf der einen Seite und Europa sowie den USA auf der anderen Seite.

Zuletzt sorgten zusätzlich kritische Äusserungen von Präsident Recep Tayyip Erdogan zum Kurs der türkischen Notenbank für Belastung. Erdogan hatte sich einmal mehr gegen hohen Zinsen zur Inflationsbekämpfung ausgesprochen. Nicht nur, dass damit die Unabhängigkeit der Zentralbank in Frage gestellt wird. Zudem wird der Notenbank ihr Kampf gegen die derzeit zweistellige Inflation erschwert.

Im weiteren Verlauf dürften sich Anleger auf Konjunkturdaten aus den USA konzentrieren. Es werden unter anderem Auftragszahlen zu langlebigen Gütern erwartet, die einen Hinweis auf die Investitionsfreude der Unternehmen liefern. Zudem gibt die Uni Michigan ihre Verbraucherstimmung bekannt.

Am Abend veröffentlicht die US-Notenbank ihr Protokoll zur jüngsten Zinssitzung. Eine dritte Zinsanhebung in diesem Jahr wird an den Märkten für Dezember fest erwartet. Starke Marktbewegungen dürften deshalb dann auftreten, wenn die Mitschrift auf Gegenteiliges schliessen lässt.

CREDIT SUISSE SIEHT WEITERES POTENZIAL FÜR FRANKEN-ABWERTUNG

Die Credit Suisse (CS) geht davon aus, dass sich die Abwärtskorrektur des Schweizer Frankens von seinem hohen Niveau weiter fortsetzen könnte. Grund dafür sei das weiterhin risikofreundlich Umfeld. Zudem sei der Franken nach allen Bewertungsmassstäben noch immer zumindest moderat überbewertet, weshalb auch der Schweizer Nationalbank eine weitere Kurskorrektur begrüssen dürfte, so die CS-Experten.

Auch die technischen Trendindikatoren bestätigten dies, heisst es weiter. Denn nicht nur der EUR/CHF-Kurs sondern nun der USD/CHF-Kurs bewege sich über den mittel- und langfristigen Indikatoren.

Die Zyklischen Faktoren gäben derweil ein durchmischtes Bild ab, da ein weiteres plötzliches Aufwärtspotenzial der US- und Eurozone-Anleihen limitiert erscheine angesichts dessen, dass eine mögliche Zinserhöhung durch die Fed im Dezember bereits grösstenteils eingepreist sei und die EZB eher vorsichtig bleibe. Eine schneller als erwartet voranschreitende Steuerreform könnte gemäss der CS aber ein Aufwärtsrisiko darstellen für die US-Anleihen, insbesondere wenn sich der ökonomische Ausblick für den USA aufhellen sollte. Dies könne dem USD/CHF-Kurs weiteren Auftrieb geben.

Die CS-Experten erhöhen vor diesen Hintergründen ihre Prognosen für das Währungspaar EUR/CHF auf Sicht der nächsten drei Monate auf 1,18 von 1,15 CHF und auf 1,20 von 1,10 CHF auf Sicht der nächsten 12 Monate. Als wichtigen Widerstand macht die CS den Bereich um die alte Untergrenze bei 1,20 CHF aus. Für den USD/CHF-Kurs impliziere dies ein Niveau bei 1,01 CHF auf Sicht von drei Monaten.

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(AWP)