Devisen: Euro zu Dollar, Franken leichter - Pfund sackt weiter ab

FRANKFURT (awp international) - Die Furcht vor Auswirkungen des Brexit-Votums auf die Finanzstabilität und die Wirtschaft hat die Anleger wieder erfasst. Am Devisenmarkt wurde dadurch vor allem das britische Pfund geschwächt. Am Mittwoch kostet die Währung erstmals seit 1985 unter 1,30 US-Dollar. Zum Franken sackt das Pfund ebenfalls weiter ab und notiert so tief wie zuletzt im August 2011.
06.07.2016 08:55

Zeitweise kostete ein Pfund nur noch 1,2798 Dollar und damit rund 22 Cent oder 15 Prozent weniger als kurz vor der Mehrheits-Entscheidung der britischen Bevölkerung, aus der Europäischen Union (EU) austreten zu wollen. In den ersten Tagen nach dem Votum war das Pfund bis auf 1,31 Dollar abgesackt, konnte sich dann aber wieder etwas erholen und stieg wieder bis auf 1,35 Dollar. Ähnlich sah die Entwicklung an anderen Märkten aus.

Inzwischen hat die Unsicherheit aber die Investoren wieder erfasst. Konjunkturabhängige Anlageklassen wie Aktien oder Öl stehen unter Druck. Gesucht sind dagegen als sichere Häfen eingestufte Investitionen in Gold oder Bundesanleihen. "Die in der letzten Woche vor allem an den Aktienmärkten sichtbare Beruhigung nach dem Brexit-Votum war wohl nur vorübergehender Natur", sagt Ralf Umlauf, Experte bei der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).

Der britische Notenbankchef Mark Carney hatte am Dienstag vor Gefahren für die Finanzstabilität und vor einer erheblichen Abschwächung des Wirtschaftswachstums in Grossbritannien gewarnt. Zudem sind zuletzt die politischen Unsicherheiten gewachsen. Führende Brexit-Befürworter haben das politische Feld geräumt.

Unterdessen läuft bei den konservativen Tories die Suche nach dem Nachfolger David Camerons weiter. Da die britische Innenministerin Theresa May und damit eine Brexit-Gegnerin inzwischen vorne liege, gebe es Unsicherheit, ob es am Ende überhaupt tatsächlich zum Brexit kommt, meint Thu Lan Nguyen, Devisenexpertin bei der Commerzbank. "Die anhaltende Unsicherheit bleibt somit ein wesentlicher Belastungsfaktor für die britische Konjunktur und folglich für das Pfund", so die Analystin. May hatte angekündigt, sie würde in harte Verhandlungen mit der EU treten.

Der Euro gibt in diesem Umfeld ebenfalls nach, wenn auch nicht so deutlich wie das Pfund. Die Gemeinschaftswährung kostet am Mittwochmorgen 1,1062 Dollar und damit etwas weniger als am späten Dienstagabend. Zum Franken bewegt sich der Euro ebenfalls kaum und steht mit den aktuellen 1,0821 CHF knapp über seinem Niveau vom Vorabend. Ein US-Dollar geht zeitgleich zu 0,9783 CHF um und legt damit ein wenig deutlicher zu.

Besonders bemerkbar machte sich die Flucht in sichere Häfen am Devisenmarkt beim japanischen Yen, der kräftig zulegte. Zwischenzeitlich kostete am Mittwoch ein Dollar nur noch knapp über 100 Yen. Am Tag nach dem Brexit-Referendum war die Schwelle von 100 Yen erstmals seit 2013 kurzzeitig unterschritten worden.

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(AWP)