Devisen: Eurokurs klettert nach EZB-Beschlüssen - EUR/CHF bei 1,1065

Der Kurs des Euro ist am Donnerstag nach den geldpolitischen Beschlüssen der Europäischen Zentralbank (EZB) über 1,16 US-Dollar auf den höchsten Stand seit knapp zwei Jahren gestiegen. Am Nachmittag wurde die Gemeinschaftswährung bei bis zu 1,1658 Dollar gehandelt und damit rund 1,5% über dem Niveau vor den EZB-Entscheidungen. Zuletzt hatte der Euro im August 2015 höher notiert. Die EZB setzte den Referenzkurs am Donnerstag auf 1,1485 (Mittwoch: 1,1533) Dollar.
20.07.2017 17:18

Auch zum Franken legte der Euro deutlich zu. Das Währungspaar EUR/CHF notierte am frühen Abend bei 1,1065 nach 1,1026 am Mittag bzw. 1,0999 am frühen Morgen. Für USD/CHF errechnet sich daraus ein deutlich tieferer Kurs von 0,9511 am frühen Abend, dies nach 0,9578 bzw. 0,9559. EUR/CHF wurde zuletzt im Juni 2016 höher und USD/CHF zuletzt im April 2016 tiefer gehandelt.

Der Eurokurs legte am Berichtstag zu, obwohl die EZB keine Hinweise auf ein Ende ihrer extrem lockeren Geldpolitik gegeben hatte. Die Leitzinsen und das milliardenschwere Wertpapierkaufprogramm wurden unverändert beibehalten und anders als von vielen Experten erwartet hatte sich die EZB weiterhin die Möglichkeit offen gehalten, bei Bedarf ihre Geldflut auszuweiten. Konkrete Angaben zum Zeitpunkt einer möglichen Reduzierung der Wertpapierkäufe hatten die Währungshüter nicht gemacht. EZB-Präsident Mario Draghi verwies auf die nach wie vor schwache Inflation und betonte die Notwendigkeit einer weiteren geldpolitischen Unterstützung.

Nach jüngsten Spekulationen über eine baldige Straffung der EZB-Geldpolitik seit seiner Rede Ende Juni im portugiesischen Sintra wollte der Notenbanker nach Einschätzung von Experten nun beschwichtigen. Draghi hatte sich in Sintra sehr zuversichtlich zur Euro-Wirtschaft geäussert und die jüngste Schwäche bei der Inflation als vorübergehend bezeichnet. Seitdem hat der Euro kräftig zugelegt. Der kräftige Anstieg der Gemeinschaftswährung trotz der Beschwichtigungen dürfte Draghi ungelegen kommen. Christian Lips, Experte bei der Landesbank NordLB, sieht die EZB vor einem Drahtseilakt: "Sie muss einen kontinuierlichen, aber vorsichtigen Ausstiegspfad finden, will sie Marktverwerfungen so weit wie möglich vermeiden."

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,88718 (0,88485) GBP und 128,92 (129,03) JPY fest.

Die Feinunze Gold wurde in London am Nachmittag mit 1238,70 (1242,15) Dollar gefixt./tos/jsl/he

(AWP)