Devisen: Eurokurs sinkt - Aussicht auf US-Zinserhöhung belastet

Der Kurs des Euro ist am Donnerstag gesunken. Am Morgen wurde die Gemeinschaftswährung zeitweise bei 1,1542 US-Dollar gehandelt und damit etwa einen halben Cent niedriger als am Vorabend. Im Vormittagshandel hat sich der Euro wieder etwas erholt. Zuletzt stand der Kurs bei 1,1566 Dollar.
23.08.2018 09:44

Auch im Vergleich zum Franken befindet sich der Euro auf dem Rückzug. So hat sich der Kurs am Vormittag auf 1,1378 weiter zurückgebildet, nach 1,1384 am frühen Morgen und noch knapp über 1,14 am Vorabend. Der US-Dollar hat sich gleichzeitig auf 0,9835 von 0,9850 verbilligt, kostet damit aber noch immer mehr als am Vortag.

Die Aussicht auf weiter steigende Zinsen in den USA gab dem Dollar am Morgen Auftrieb, während der Euro im Gegenzug unter Druck geriet. Am Vorabend war mit der Veröffentlichung des Protokolls der jüngsten Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed bekannt geworden, dass viele Ratsmitglieder eine "baldige" Zinserhöhung für notwendig erachten. Damit gilt eine nächste Zinserhöhung im September als sicher. Die anhaltend robuste Wirtschaftsentwicklung und eine Inflationsrate in der Nähe von zwei Prozent sprächen für weitere "graduelle" Leitzinsanhebungen, hiess es im Protokoll.

Ausserdem wird der Euro nach Einschätzung von Experten auch von einem Bericht des "Handelsblatts" belastet, wonach Bundesbankpräsident Jens Weidmann nicht mehr im Rennen um die Nachfolge von Mario Draghi an der Spitze der EZB ist. Bisher sei Weidmann der falkenhafteste und aus Marktsicht zuletzt immer noch der wahrscheinlichste Kandidat gewesen, kommentierte Analyst Manuel Andersch von der BayernLB.

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer hält den Zeitungsbericht für "recht glaubhaft". Zwar sei Weidmann ohne Zweifel ein fachlich sehr gut geeigneter Kandidat, um die extrem lockere Geldpolitik wieder schrittweise zu normalisieren. Allerdings sei eine Entscheidung für Weidmann nie das wahrscheinlichste Szenario gewesen. Stattdessen werde am Ende wohl ein Kandidat zum Zuge kommen, der keine grundsätzliche Abkehr von Draghis geldpolitischer Linie vertrete, die Währungsunion auch mit Mitteln der Geldpolitik zusammenzuhalten, lautet die Einschätzung des Commerzbank-Experten.

jkr/tos/jha/

(AWP)