Devisen: Eurokurs weiter im Höhenflug - USD/CHF auf Zweijahres-Tief

Der Eurokurs hat am Freitag seinen Höhenflug seit den Beschlüssen der Europäischen Zentralbank (EZB) vom Vortag fortgesetzt. Am Morgen war der Kurs zeitweise bis auf 1,1677 US-Dollar gestiegen und damit auf den höchsten Stand seit August 2015. Im Tagesverlauf gab die Gemeinschaftswährung nur einen kleinen Teil der Gewinne wieder ab und stand am Nachmittag bei 1,1662 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1642 (Donnerstag: 1,1485) Dollar fest.
21.07.2017 16:55

Zum Franken war der Euro am Morgen bis auf knapp 1,1090 gestiegen, aktuell notiert das Währungspaar mit 1,1046 wieder etwas tiefer. USD/CHF ist derweil weiter gesunken auf zuletzt 0,9472 und damit auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren.

Der Euro legte seit den EZB-Beschlüssen vom Donnerstag um knapp zwei Cent zu - und das, obwohl die Notenbank keine Eile bezüglich einer künftigen Abkehr von ihrer extrem lockeren Geldpolitik signalisierte. Einige Experten erklären dies mit gelassenen Aussagen von EZB-Präsident Mario Draghi zum Wechselkurs. Obwohl der Euro bereits seit Wochen tendenziell gestiegen ist, habe Draghi "nicht das geringste Anzeichen von Nervosität gezeigt", sagte Antje Praefcke, Devisenexpertin bei der Commerzbank. Sein einziger Kommentar zum Euro war: "Dem Wechselkurs wurde etwas Aufmerksamkeit geschenkt."

Zuvor hatten viele Marktbeobachter argumentiert, dass die EZB den starken Euro mit Sorge sehe. Demnach hätte Draghi versuchen können, den Euro gezielt zu schwächen. Ein Vorgehen, dass unter Experten "verbale Intervention" genannt wird. Manche Experten verwiesen zudem darauf, dass Draghi eine Entscheidung über eine mögliche Kursänderung im Herbst angedeutet habe. Andere argumentieren, viele Anleger hätten von Draghi noch mehr Beschwichtigung erwartet. Wieder andere sehen erneute optimistische Worte Draghis zur Wirtschaft im Fokus.

"Der starke Euro ist hauptsächlich das Resultat einer schnelleren wirtschaftlichen Erholung", twitterte Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Eine weitere Ursache für den starken Euro sehen Fachleute in den USA. Experte Dirk Gojny von der National-Bank argumentierte mit einer Kursschwäche des amerikanischen Dollar. Diese habe dem Euro im Gegenzug Auftrieb verliehen. Die Ursache für den schwachen Dollar sah Gojny in dem "anhaltenden Regierungschaos in den USA".

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,89610 (0,88718) GBP und 129,72 (128,92) JPY fest.

Die Feinunze Gold wurde in London am Nachmittag mit 1248,55 (1238,70) Dollar gefixt. Ein Kilogramm Gold kostete 34 833,00 (34 574,00) Euro./tos/jsl/he

(AWP)