Devisen: Franken wieder Safe-Haven-Währung - Euro wegen Türkei unter Druck

Der Franken hat am Freitag zum Euro stark zugelegt und einmal mehr seine Funktion als sicherer Hafen (Safe-Haven) unter Beweis gestellt. Grund ist vor allem der rasante Kursverfall der türkischen Lira und die Sorgen, dass einige europäische Banken deswegen in Schwierigkeiten geraten könnten.
10.08.2018 11:37

Der Franken notierte um 11 Uhr zum Euro bei 1,1387 und damit deutlich fester als am Morgen. Letztmals unter 1,14 stand der Kurs Ende Mai, allerdings nur sehr kurz. Zu klar tieferen Kursen als aktuell (unter 1,13) wurde das Währungspaar genau vor einem Jahr, im August 2017, gehandelt.

Auch zum US-Dollar avancierte die hiesige Währung am Freitag etwas, allerdings hielt sich die Aufwertung zum Greenback in Grenzen. Zur Berichtszeit wurden für einen Dollar 0,9943 Franken gezahlt, am frühen Morgen waren es noch etwa 0,9972 gewesen.

Der Euro rutschte derweil zum Dollar unter 1,15 US-Dollar und erreichte bei 1,1432 Dollar den tiefsten Stand seit Juli 2017. Im Vormittagshandel konnte sich der Euro wieder leicht erholen und wurde bei 1,1464 Dollar gehandelt. Am Donnerstagmittag waren noch fast 1,16 bezahlt worden.

Marktbeobachter sprachen von einer nervösen Stimmung am Markt. Sie erklärten die Gewinne des Frankens bzw. die Kursverluste beim Euro mit einem rasanten Verfall der türkischen Lira. Am Freitagmorgen kam es im asiatischen Handel zu einer für die türkische Währung extremen Talfahrt. Die Lira erreichte so neue Rekordtiefststände zum Euro und zum Dollar. Zuletzt machte die Lira jedoch einen Teil ihrer Verluste wieder wett.

"Sorgen vor möglichen negativen Auswirkungen der Währungskrise in der Türkei auf Europa, vor allem auf deren Banken, liessen den Euro im asiatischen Handeln deutlich nachgeben", kommentierte Devisenexperte Manuel Andersch von der BayernLB den Handel. Zuvor hatte die "Financial Times" gemeldet, dass der Kursverfall der türkischen Lira der Bankenaufsicht der EZB zunehmend Sorge bereite.

Vor allem die Grossbanken BBVA, BNP Paribas und Unicredit stünden unter besonderer Beobachtung, berichtete die "Financial Times" am Freitag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Die Situation sei aber noch nicht kritisch.

Auch Experte Carsten Hesse von der Berenberg-Bank sieht keine Krise für die Banken der Eurozone heraufziehen. Die Geldhäuser des Währungsraums hätten zu geringe Summen in der Türkei investiert, um eine "signifikante Krise" verursachen zu können, lautet die Einschätzung des Experten.

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(AWP)