Devisen: Franken wieder Safe-Haven-Währung - Euro wegen Türkei unter Druck

Der Franken hat am Freitag zum Euro stark zugelegt und einmal mehr seine Funktion als sicherer Hafen (Safe-Haven) unter Beweis gestellt. Grund ist vor allem der rasante Kursverfall der türkischen Lira und die Sorge, dass einige europäische Banken deswegen in Schwierigkeiten geraten könnten.
10.08.2018 13:41

Der Franken notierte um 13.30 Uhr zum Euro bei 1,1398 und damit deutlich fester als am Morgen (1,1423) bzw. am Vorabend (1,1465). Im Tagestief fiel das Währungspaar gar auf 1,1385 und notierte damit nur noch knapp über dem bisherigen Jahrestief von 1,1369. Zu klar tieferen Kursen als aktuell (unter 1,13) wurde das Währungspaar genau vor einem Jahr, im August 2017, gehandelt.

Auch zum US-Dollar avancierte die hiesige Währung am Freitag etwas, allerdings hielt sich die Aufwertung zum Greenback in Grenzen. Zur Berichtszeit wurden für einen Dollar 0,9942 Franken gezahlt, am frühen Morgen waren es noch etwa 0,9972 gewesen. Der Euro rutschte derweil zum US-Dollar am Morgen bis auf 1,1432 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit Juli 2017. Bis zum Mittag konnte sich der Euro wieder leicht erholen und wurde bei 1,1464 Dollar gehandelt.

"Sorgen vor möglichen negativen Auswirkungen der Währungskrise in der Türkei auf Europa, vor allem auf deren Banken, liessen den Euro im asiatischen Handel deutlich nachgeben", kommentierte Devisenexperte Manuel Andersch von der BayernLB den Handel. Zuvor hatte die "Financial Times" am Freitag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtet, dass der Kursverfall der türkischen Lira der Bankenaufsicht der EZB zunehmend Sorge bereite.

Vor allem die Grossbanken BBVA, BNP Paribas und Unicredit stünden unter besonderer Beobachtung, berichtete die Wirtschaftszeitung. Die Situation sei aber noch nicht kritisch. Auch Experte Carsten Hesse von der Berenberg-Bank sieht keine Krise für die Banken der Eurozone heraufziehen. Die Geldhäuser des Währungsraums hätten zu geringe Summen in der Türkei investiert, um eine "signifikante Krise" verursachen zu können, lautet die Einschätzung des Experten.

Vor dem Hintergrund der Marktturbulenzen spielten Konjunkturdaten am Vormittag keine Rolle. Analysten nahmen dennoch zur Kenntnis, dass sowohl Japan als auch Grossbritannien im zweiten Quartal einen Wachstumsschub erhielten. Im weiteren Verlauf dürften amerikanische Inflationsdaten auf Interesse stossen, da sie von hoher Bedeutung für die Geldpolitik der US-Notenbank Fed sind./jkr

/jkr/jsl/jha/uh/dm

(AWP)