Die Schlagzeilen der Sonntagspresse vom Sonntag, 1. Oktober

Der mutmassliche Hassprediger schlägt mit einer Anzeige zurück, Ausschaffungen aus Deutschland in die Schweiz und ein Konsul, der über die Stränge haute: Das und mehr findet sich in den Sonntagszeitungen. Die Schlagzeilen in nicht verifizierten Meldungen:
01.10.2017 09:44

"SonntagsBlick" / "SonntagsZeitung":

Der mutmassliche Hassprediger aus Biel und die Islam-Kritikerin Saïda Keller-Messahli liegen im Streit. Der libysche Prediger zeigte sie Anfang Woche bei der Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland wegen Verleumdung und übler Nachrede an, wie der "SonntagsBlick" berichtet. Hintergrund ist ein Artikel im "Bieler Tagblatt". In diesem erhob Keller-Messahli schwere Vorwürfe: "Am 11. und 18. November 2016 predigte er in der Moschee Al Karafi in Tripolis, um Gott um Schutz der anwesenden Al-Qaida- und IS-Kämpfer zu bitten." In dem Gebet habe der Angeschuldigte aber weder den IS noch Al Kaida erwähnt, schreibt die Zeitung, die das Gesprochene hatte übersetzen lassen. Die Kritikerin beteuert: Was sie geschrieben habe, könne sie belegen. Weil der mutmassliche Hassprediger in Nidau BE gegen 600'000 Franken Sozialhilfe erhielt, fordern mehrere Gemeinden und Städtevertreter strengerer Regeln für ausländische Sozialhilfebezüger, wie die "SonntagsZeitung" berichtet. Aus deren Sicht müsste das Berner Migrationsamt konsequenter Aufenthaltsbewilligungen entziehen. Laut Ausländergesetz führen nicht nur Straftaten sondern auch ein übermässiger Sozialhilfebezug dazu, dass Kantone Aufenthaltsbewilligungen widerrufen. Das tun sie jedoch nur selten, wie Nachfragen der Zeitung in der Deutschschweiz ergaben. So habe Basel-Stadt im letzten Jahr 15 Bewilligungen wegen Sozialhilfe entzogen, im Kanton Bern seien es elf, in Basel-Landschaft acht und im Aargau zwei gewesen. 265'626 Personen hätten 2015 schweizweit entsprechende Leistungen bezogen. Fast die Hälfte von ihnen habe eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung gehabt.

"NZZ am Sonntag":

Deutschland will Hunderte Asylsuchende in die Schweiz ausschaffen. Seit Anfang Jahr hat sie von Deutschland knapp 1900 Ersuchen zur Abschiebung von Asylsuchenden erhalten, wie die "NZZ am Sonntag" schreibt. Das sind rund 70 Prozent mehr als in der gleichen Periode des Vorjahres. Die Zahl der vollzogenen Abschiebungen aus Deutschland in die Schweiz ist gegenüber dem letzten Jahr um 185 Prozent gestiegen, heisst es im Bericht unter Berufung auf die neusten Statistiken des Staatssekretariats für Migration. Zwei Jahre nach dem Flüchtlingsjahr 2015 verstärkt Deutschland seine Bestrebungen, Asylsuchende ohne Bleiberecht in andere Staaten abzuschieben. Derweil stoppt die Schweiz Abschiebungen nach Ungarn. Gegenwärtig kläre das Staatssekretariat für Migration ab, ob es im ungarischen Asylwesen "systemische Schwachstellen" gebe, wie sie in der Dublin-Verordnung aufgeführt seien, sagte ein Amtssprecher der Zeitung. In der Verordnung steht, dass Asylsuchende nicht in Länder abgeschoben werden dürfen, in denen den Gesuchstellern eine unmenschliche Behandlung droht. Seit Anfang Jahr schob die Schweiz zwölf Asylsuchende nach Ungarn ab und stellte für 102 weitere ein entsprechendes Gesuch.

"SonntagsZeitung":

Ein ehemaliger Konsul der Schweizer Niederlassung im pakistanischen Karachi ist den Inspektoren des Bundes wegen "übermässigen" Facebook-Gebrauchs und einer 1. August-Feier für 800 Gäste negativ aufgefallen, wie die SonntagsZeitung berichtet. Die Veranstaltung habe alle Rekorde gebrochen, schrieben demnach die Kontrolleure des Aussendepartements nach einer Visite im Dezember 2016 in einem Kurzbericht an Bundesrat Didier Burkhalter (FDP). Nebst "klar exzessive Ausgaben" hielten sie fest, sei ein "beträchtliches Kontrolldefizit" festgestellt worden. Der Schweizer Botschafter im 1500 Kilometer entfernten Islamabad habe sich kaum um das Geschehen im Aussenposten gekümmert. Der Konsul quittierte mittlerweile den diplomatischen Dienst und lebt laut der Zeitung als Privatmann weiterhin in Karachi.

"Le Matin Dimanche" / "SonntagsZeitung":

Die meisten Schweizer machen sich keine Gedanken darüber, wer bei schwerer Krankheit über ihre Finanzen oder ihre Behandlung entscheiden darf und verfügen entsprechend über keine Patientenverfügung. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Gfs-Forschungsinstituts im Auftrag von Pro Senectute, über die die "SonntagsZeitung" berichtet. Demnach hat nur jeder Fünfte eine Patientenverfügung ausgefüllt und nur jeder Zehnte einen Vorsorgeauftrag aufgesetzt. Bei den 18- bis 39-Jährigen haben nur drei Prozent geregelt, wer sie vertreten darf, wenn sie selber nicht mehr entscheiden können. Bei den Senioren sind es 21 Prozent. Ohne einen Vorsorgeauftrag setzen die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (KESB) einen Beistand ein, der über weitreichende Kompetenzen verfügt, etwa zur Wohnsituation und Betreuung. Auch Ehepaare hätten ohne einen Vorsorgeauftrag nur beschränkte Befugnisse, wenn der Partner nicht mehr urteilsfähig sei, heisst es im Bericht.

"SonntagsZeitung":

Schweizer Feuerwehrkorps klagen über Engpässe. Während die Zahl der Einsätze bei knapp 70'000 pro Jahr stabil geblieben war, sank der Personalbestand seit der Jahrtausendwende von rund 150'000 auf unter 90'000, wie die "SonntagsZeitung" berichtet. Nachts sei es einfach möglich, genügend schnell Einsatzkräfte zu finden, aber tagsüber gestalte sich das immer schwieriger, heisst es etwa von Feuerwehrinspektoren aus Basel-Land, Solothurn, Bern, Zürich und Graubünden. Nur noch 30 Prozent aller Schweizer würden dort arbeiten, wo sie auch wohnten und somit Dienst leisten sollten. Das sei für kleine Dörfer eine Herausforderung, sagt der Aargauer Feuerwehrinspektor Urs Ribi. Dann sei es tagsüber nur mit Unterstützung aus den Nachbargemeinden möglich, rechtzeitig auf dem Brandplatz zu sein.

"SonntagsZeitung" / "NZZ am Sonntag":

Die Raiffeisen-Gruppe steigt neu ins Maklergeschäft ein. Sie hat dazu eine Tochtergesellschaft gegründet, wie "SonntagsZeitung" und "NZZ am Sonntag" berichten. Raiffeisen Immo bietet ab Oktober die ganze Dienstleistungspalette aus einer Hand - von der Vermittlung über die Bewertung bis zur Finanzierung. Diese Woche starten die 13 Raiffeisenbanken in der Nordwestschweiz mit dem Pilotbetrieb unter dem Namen Raiffeisen Casa, im November folgt das Berner Oberland. Mit einem Marktanteil von 17,5 Prozent ist die Raiffeisen-Gruppe die Nummer 1 im Schweizer Hypothekarmarkt. Für Makler bedeutet der Schritt eine Kampfansage. Positiv reagierte dagegen der Direktor des Hauseigentümerverbands, Ansgar Gmür: "Wenn der Wettbewerb zunimmt, ist das zum Vorteil der Kunden. Weniger seriöse Anbieter werden nun vermehrt unter Druck geraten, was ich durchaus begrüsse." Für den Verkauf einer Immobilie verdient ein Makler gemäss "NZZ am Sonntag" eine Provision von 2,5 bis 3 Prozent, was bereits für ein mittleres Objekt einen Betrag von rund 25'000 Franken bedeute.

"SonntagsZeitung":

Der Stromproduzent Alpiq stellt alle Geschäfte mit Ausnahme der Atom- und Wasserkraftwerke zum Verkauf. Konzernchefin Jasmin Staiblin hat gemäss Informationen der "SonntagsZeitung" die Investmentbank Goldman Sachs mit dem Ziel engagiert, alle übrigen Geschäftsfelder zu verkaufen. Dazu gehören der Energiehandel, die Gebäude- und Verkehrstechnik sowie Dienstleistungen für die Wirtschaft. Hintergrund der Verkaufspläne ist laut der Zeitung, dass Alpiq der Verlust der Kreditwürdigkeit droht. Die Bewertung der vier grossen Schweizer Banken UBS, Credit Suisse, Vontobel und Zürcher Kantonalbank liegt bei BBB, das heisst knapp über dem "Ramsch"-Status. Alle Analysten stützen ihre Bewertung laut dem Bericht aber auf die Erwartung, dass Staatshilfe in Form von einer Subventionierung der Wasserkraft kommt. Allerdings schienen die Politiker in Bern nicht bereit, weitere Subventionen zu sprechen.

"Zentralschweiz am Sonntag":

Die Bergbahnen im nidwaldnerischen Ausflugsziel Beckenried-Emmetten brauchen dringend Geld. Rund zwei Millionen Franken seien nötig, sonst könnte das Aus drohen, berichtet die "Zentralschweiz am Sonntag". Das Geld bereitstellen sollen demnach die Gemeinden und Korporationen Emmetten und Beckenried. Er sei guter Hoffnung, dass die Darlehen gewährt würden, sagte der neue Verwaltungsratspräsident und Nidwaldner Regierungsrat Res Schmid (SVP). Für ihn ist klar: "Wir müssen unbedingt den Umsatz in den Zeiten ohne Schnee und im Gastrobereich markant verbessern."

"Ostschweiz am Sonntag":

Obschon die Ostschweizer Textilunternehmen auf dem Weltmarkt eine wichtige Rolle spielen, muss der kreative Nachwuchs für höhere Ausbildungen in dem Bereich die Region verlassen. Ab August 2018 soll sich das ändern, wie die "Ostschweiz am Sonntag" berichtet. An der Schule für Gestaltung des Gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrums in St. Gallen wird ein berufsbegleitender höherer Fachschullehrgang zum diplomierten Textildesign-Gestalter vorbereitet. Der Kanton unterstützte das Vorhaben, heisst es. Er empfiehlt dem Bund die Anerkennung. Dieser muss den Titel noch genehmigen.

(AWP)