Ex-Banker von Lombard Odier offenbar im Fokus der argentinischen Justiz

Ein ehemaliger Angestellter der Genfer Privatbank Lombard Odier ist offenbar ins Visier der argentinischen Justiz geraten. Diese wirft dem Banker vor, eine Struktur von Firmen und Konten aufgebaut zu haben, um Gelder zu waschen, die der Unternehmer Lazaro Baez unterschlagen habe.
21.09.2018 19:55

Das Pikante daran ist, dass Baez ein Verwandter des verstorbenen argentinischen Präsidenten Nestor Kirchner und seiner Frau Cristina ist, die ebenfalls Präsidentin des Landes war. Während der Untersuchung soll der ehemalige Bankier zugegeben haben, dass er umgerechnet 21 Millionen Dollar über ein Konto der Familie Baez in der Schweiz geschleust habe.

Er habe beteuert, nichts von der kriminellen Herkunft der Gelder gewusst zu haben, berichtete das Wochenmagazin "Perfil" auf seiner Internetseite. Allerdings habe der Mann eingeräumt, dass er seine Dienste für ein System unter dem Namen "Geldstrasse K" (K wie Kirchner) angeboten habe.

Kein Verfahren gegen die Bank

Lombard Odier erklärte am Freitag auf Anfrage von AWP, dass die Bank generell keinen Kommentar zu laufenden Verfahren abgebe. Lombard Odier sei aber in diesem Fall nicht Gegenstand eines Verfahrens, sagte eine Sprecherin. Man arbeite uneingeschränkt mit den zuständigen Behörden zusammen.

Bei der Bundesanwaltschaft (BA) hiess es, dass in diesem Zusammenhang gegen keine Bank eine Strafuntersuchung laufe. Die Finanzmarktaufsicht Finma wollte keine Stellungnahme abgeben.

Nach Angaben eines argentinischen Berufungsgerichts ermöglichte die von dem ehemaligen Bankier geschaffene Struktur Geldwäsche von Mitteln, die bei öffentlichen Bauaufträgen in den Jahren 2010 und 2011 ergaunert worden waren. So seien 32,8 Millionen Dollar nach Argentinien zurückgeflossen. Der ehemalige Lombard Odier-Banker habe dabei betrügerisch gehandelt, um die illegalen Gelder der Gruppe von Lazaro Baez auf Schweizer Bankkonten zu bringen, schrieb das Magazin.

Scheinfirmen gegründet

Zudem solle er Vermittler bei der Gründung ausländischer Scheinfirmen gewesen sein, um die tatsächlichen wirtschaftlich Begünstigten der Bankkonten zu verschleiern. Angesichts der Bekanntheit von Lazaro Baez und dessen Nähe zur Landesregierung habe sich der Ex-Banker laut Juristen der Geldwäscherei schuldig gemacht. Denn es gebe starke Hinweise dafür, dass der Beschuldigte die illegale Herkunft der Gelder gekannt habe und dass "seine Taten nicht der regulären Tätigkeit eines Bankangestellten entsprachen".

Laut Perfil erklärte ehemalige Mitarbeiter von Lombard Odier während der Untersuchung, dass das Bankmanagement gewusst habe, wer Baez gewesen sei und dass es ihn als Kunden akzeptiert habe. Denn in den Jahren 2010 bis 2011 habe es keine Hinweise geben, dass der Unternehmer in Geldwäsche verwickelt gewesen sei.

buc/jb/

(AWP)