Finma-Chef Branson sieht in Libra Risiken und Chancen für den Finanzplatz

Die geplante Digitalwährung Libra birgt laut dem Finma-Direktor Mark Branson Chancen und Risiken für den Finanzplatz Schweiz. Die Gefahren seien aber vergleichbar mit denen der Grossbanken. Daher laufe der Finanzplatz Gefahr bedeutungslos zu werden, wenn man anfange solche Risiken zu scheuen, sagte Branson in einem Interview mit der NZZ am Donnerstag.
12.09.2019 14:59

In Bezug auf die von Facebook geplante digitale Weltwährung Libra stelle sich die Frage nach der Abwägung von Chancen und Risiken für den Schweizer Finanzplatz: "Hochfinanz kann Reputationsrisiken mit sich bringen", sagte Branson auf die Frage, ob sich der Finanzplatz mit Libra zu sehr der Gefahr internationaler Kritik aussetze.

Kein Alleingang

"Ich tue mich aber schwer mit dem Gedanken, dass die Schweiz ein zweitklassiger Finanzplatz werden soll, nur um solche Risiken zu vermeiden", erklärte der Finma-Chef. Entscheidend sei viel eher, ob die Schweiz eine glaubwürdige Regulierung und Aufsicht sowie passende Rahmenbedingungen biete. Dies sei vergleichbar mit den Grossbanken und Versicherungen. "Warum soll das nicht auch für grosse Fintech-Projekte möglich sein?", stellte Branson als Frage in den Raum.

Ein Projekt wie Libra habe aber eine globale Dimension und könne nur durch internationale Koordination und in Absprache mit anderen Aufsichts- und Regulierungsbehörden angegangen werden, betonte er. "Auch die Beaufsichtigung einer UBS oder Credit Suisse findet ja nicht in völliger Isolation statt", so Branson.

"Auch Chancen"

Neben den Bedenken bezüglich Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung bezüglich neuen Zahlungsmitteln wie Libra und andere Kryptowährungen, sieht der Finma-Direktor auch Vorteile: "Gleichzeitig können die neuen Technologien auch Vorteile bringen bei der Bekämpfung der Geldwäscherei. Etwa wenn die Rückverfolgung von Transaktionen lückenlos verfügbar wird", sagte Branson. Es gebe daher zwar Risiken aber auch Chancen.

Weiter betonte der Chef der Schweizer Finanzmarktausicht, dass ein Projekt wie Libra "durchaus in unseren Regulierungsrahmen" passe. Entlang dem "technologieneutralen und prinzipienbasierten" Ansatz der hiesigen Finanzmarktregulierung brauche es daher keine neuen Gesetze.

Der Vermutung, dass die Initianten von Libra sich erst für die Schweiz entschieden hätten, nachdem sie bereits Regulierungsbehörden anderer Länder kontaktierten, tritt Branson entgegen: "Einen solchen 'Schönheitswettbewerb' gab es nicht", betonte er. Der erster Kontakt mit den Initianten habe erst stattgefunden nachdem der Entscheid für die Schweiz gefallen sei und kommuniziert wurde.

sta/ra

(AWP)