Franken zieht zu Euro deutlich an - Dollar zu Franken nahe Parität

Zürich (awp) - Der Wochenauftakt am Devisenmarkt ist von deutlichen Bewegungen gekennzeichnet. Während sich der US-Dollar zum Franken in Richtung Parität bewegt, fällt das EUR/CHF-Währungspaar im Laufe des Morgens auf den tiefsten Stand seit August 2015. Bei der SNB gibt man sich auf Nachfrage von AWP mit einem "Kein Kommentar" wortkarg.
14.11.2016 10:30

Gegen 10.00 Uhr kostet ein US-Dollar 0,9966 CHF, während ein Euro bei 1,0699 knapp unter der 1,07er-Marke steht. Nachdem der Euro im Verlauf des Morgens im Tief bis auf 1,0684 CHF gefallen ist, hat er seit Börsenstart in einer engen Spanne um 1,07 oszilliert. Der US-Dollar ist derweil bei seinem bisherigen Tageshoch bei 0,9973 CHF der Parität sehr nah gekommen.

Der US-Dollar hat mit seinen Kursgewinnen seit dem Wahlsieg Donald Trumps viele Beobachter überrascht. Sie hatten mit einer entgegengesetzten Bewegung gerechnet.

TRUMPS WAHLPROGRAMM VERSPRICHT MÖGLICHEN WIRTSCHAFTSSCHUB

Analysten erklären die Gewinne vor allem mit dem Wahlprogramm des künftigen US-Präsidenten, das Steuersenkungen und höhere Staatsausgaben vorsieht. Es gilt als denkbar, dass dadurch Konjunktur und Inflation zumindest übergangsweise angeschoben werden. Diese Erwartungshaltung werde derzeit vom Kapitalmarkt widergespiegelt: Die Zinsen für US-Anleihen sind zuletzt stark gestiegen. Alleine an diesem Morgen kletterte die Rendite für 30-jährige US-Anleihen erstmals seit Januar wieder über 3%.

Der Dollar wiederum profitiert von diesen Entwicklungen. So hat der Greenback zuletzt nicht nur gegenüber dem Franken, sondern auch zum Euro zugelegt. Diese Schwäche des Euro wiederum spiegelt sich auch im EUR/CHF-Kurs wider.

REICHEN DIE ÜBLICHEN SNB-INTERVENTIONEN?

Die Devisenexperten von Merrill Lynch gehen davon aus, dass die SNB auch weiterhin über Devisenmarkt-Interventionen versucht, dem Aufwertungsdruck entgegen zu treten. Allerdings gehe es in dem aktuellen Umfeld allein um Schadenbegrenzung, so die Experten in dem Kommentar weiter.

Die Frage sei, ob nicht noch weiterer Aktivismus gefordert sei. In ihren Augen hat der US-Wahlausgang die Risiken noch tieferer Zinsen erhöht. Ob die SNB tatsächlich einen solchen Schritt unternehme, dürfte vor allem vom Tempo und der Dauer der Interventionen abhängen, die nötig sind, um eine zu starke Aufwertung zu verhindern, schrieben die Analysten.

Bei Morgan Stanley heisst es in einem aktuellen Kommentar, der US-Dollar dürfte gegenüber dem Franken noch deutlich Luft nach oben haben. Das USD/CHF-Währungspaar sei das G10-Währungspaar, das die allgemeine US-Dollar-Aufwertung am wenigsten mitgemacht habe. Die Zinsdifferenzen für zwei- und zehnjährige Staatsanleihen deuteten auf Kurse jenseits der Parität hin. Auch bei Morgan Stanley schreiben die Experten, dass sie klar mit Devisenmarkt-Interventionen der SNB rechneten.

hr/rw

(AWP)