Freiheitsstrafe von vier Jahren im Parmalat-Prozess gefordert

Bellinzona (awp/sda) - Im Parmalat-Prozess hat die Bundesanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von vier Jahren für das angeklagte Ex-Kadermitglied der Bank of America gefordert. Die Verteidigung beantragte für den mit Geldwäschereivorwürfen konfrontierten 53-Jährigen dagegen einen Freispruch.
05.12.2016 18:01

Die Bundesanwaltschaft hat für den ehemaligen Bank of America-Banker, der sich im Parmalat-Prozess seit vergangenem Montag vor dem Bundesstrafgericht verantworten muss, eine Freiheitsstrafe von vier Jahren beantragt. Zusätzlich soll der Beschuldigte eine Geldstrafe von 360 Tagessätzen à 127 CHF zahlen.

Die BA wirft dem italienischen Ex-Kadermitglied schwere Geldwäscherei, wiederholte Urkundenfälschung und Bestechung vor. Der in Mailand wohnhafte Beschuldigte soll von 2000 bis 2004 hauptsächlich in den Kantonen Tessin und Graubünden sowie im Fürstentum Liechtenstein Gelder von rund 52,5 Mio CHF gewaschen haben.

Die Schuld wiege schwer, sagte ein Vertreter der Staatsanwaltschaft in seinem Plädoyer. Der Angeklagte habe egoistisch gehandelt und habe sich bereichern wollen - dabei habe sein Gehalt von rund 0,5 Mio EUR jährlich dazu keinerlei Anlass gegeben.

Hinzu komme, dass der 53-Jährige durch sein Verhalten dazu beigetragen habe, dass Kleinanleger massiv geschädigt wurden. Die Parmalat-Gruppe brach im Jahr 2003 unter einem Schuldenberg zusammen. Der Gesamtverlust soll bei einem der grössten Firmencrashs in der jüngeren europäischen Unternehmensgeschichte bei rund 15 Mrd EUR gelegen haben.

VERTEIDIGUNG WEIST VORWÜRFE ZURÜCK

Die Verteidigung beantragte am Montag einen Freispruch für ihren Mandanten. Selbst wenn das Gericht den Vorwurf der Geldwäscherei bestätigen sollte, so könne es sich nicht um schwere Fälle handeln. Dementsprechend seien die Taten schon verjährt - die Verjährungsfrist für leichte Geldwäschereifälle liege nur bei 7,5 Jahren.

Ohnehin schwebt über dem ganzen Verfahren das Schwert der Verjährung: Etwas weniger als ein Drittel der Taten im Zusammenhang mit der Geldwäscherei hat bereits die Verjährungsfrist erreicht. Allein zwischen der ersten Vorladung im August 2016 und der Wiederaufnahme im November betraf dies laut der Bundesanwaltschaft 64 Taten.

Solange es in Italien kein abschliessendes Urteil zur kriminellen Herkunft der Gelder gebe, könne dem Angeklagten auch nicht in der Schweiz vorgeworfen werden, er habe sie gewaschen, so der Verteidiger.

"Das Pferd wird von hinten aufgezäumt". Es gebe noch keine Entscheidung über die "Vortat", welche aktuell in Parma verhandelt werde und trotzdem werde bereits über die Geldwäscherei-Vorwürfe entschieden. Die BA entgegnete darauf, dass einige Parmalat-Kadermitglieder sehr wohl wegen betrügerischer Insolvenz bereits verurteilt worden seien.

Die Anwälte brachten ausserdem zur Verteidigung ihres Mandant hervor, er habe in den Geschäften mit den Parmalat Finanzdienstleistern keine unüblich hohen Honorare verlangt - über die bedrohliche finanzielle Lage der Parmalatgruppe habe ihr Mandant Ende 2003 noch nicht Bescheid gewusst.

Wann ein Urteil in dem Prozess gesprochen wird, ist noch nicht bekannt.

(AWP)