Novartis-Aktien erneut fester - Analysten reagieren zurückhaltend

Novartis-Aktien knüpfen am Mittwochmorgen zunächst an die freundliche Vortagestendenz an. Dabei fallen die Kursgewinne aber eher mittelmässig aus. Sie spiegeln damit aber wohl am besten die Analysten-Reaktionen auf die Quartalszahlen vom Vortag wider. Denn auch wenn sich die Experten in ihren ersten Reaktionen überwiegend angetan zeigen, von Euphorie ist auch bei ihnen nichts zu spüren.
19.07.2017 10:11

Novartis-Aktien kosten am Mittwoch gegen 10.00 Uhr 81,35 CHF. Das ist ein Plus von 1,1%. Am Vortag hatten die Anteilsscheine bei 82,10 CHF ein Tageshoch markiert, den Handel dann aber bei 80,15 CHF nur noch mit einem Gewinn von 0,4% beendet. Allerdings gehörten sie damit zu den wenigen Titeln, die sich gegen den insgesamt schwächeren Gesamtmarkt hatten durchsetzen können. Am Mittwoch steht der Leitindex SMI zeitgleich um 0,61% höher.

Unter dem Strich scheinen die meisten Experten froh zu sein, dass es nicht zu weiteren negativen Überraschungen gekommen ist und sich das Management insgesamt recht zuversichtlich geäussert hat. Das betont etwa Florent Cespedes von der Société Générale. Ihm sei vor allem der vorsichtige Optimismus des Novartis-Managements mit Blick auf die weiteren Geschäftsaussichten für die lange Zeit kriselnde Augensparte Alcon aufgefallen. Dazu gehöre auch, dass die Führungsriege 2017 weiterhin als den voraussichtlichen Tiefpunkt für die Sparte sieht.

Was wiederum in den Berichten von Barclays und JPMorgan auffällt, sind die Verweise auf die ausführlichen Studien-Daten, die zunächst abgewartet werden müssen. Gemeint sind damit die Daten der CANTOS-Studie, von der Novartis im Juni berichtet hatte, dass sie ihre Ziele (primären Endpunkt) erreicht hatte.

In dieser Studie wurde der Produktkandidat ACZ885 (Ilaris oder Canakinumab) zur Behandlung von Herzkranzarterien-Erkrankungen getestet. Am Markt war diese Studie mit erheblichen Risiko bewertet worden. Aber auch wenn die Studie das Ziel erreicht hat, haben Analysten angesichts der bislang zugänglichen Daten Schwierigkeiten, das tatsächliche mögliche Potenzial des Mittels auszumachen. So heisst es bei Barclays, das Management habe sich über die kommerziellen Möglichkeiten eher schmallippig gegeben und auf den Fachkongress ESC Ende August verwiesen.

Bei der Deutschen Bank stellt Analyst Tim Race einen Vergleich mit dem Spiel "Whack-a-mole" auf, bei dem ein Maulwurf aus verschiedenen Löchern kommt und man ihn fangen muss. So ähnlich sehe die Lage bei Novartis und seinen Sparten aus: Kaum sei Alcon dabei, sich zu erholen, gebe es neue Unsicherheiten bei Sandoz. Die Generikasparte hat auch im zweiten Quartal unter dem anhaltenden Preisdruck in den USA gelitten und auch mit Blick auf die jüngsten Lancierungen von Biosimilars in Europa jegliche Euphorie zu vermeiden versucht.

Einigkeit scheint aber dennoch insoweit bei den Experten zu herrschen, dass sich der Pharmakonzern nach den zuletzt eher schwierigen Quartalen wieder in die richtige Richtung bewegt.

hr/rw

(AWP)