Presseschau vom Wochenende 26 (25./26. Juni)

Zürich (awp) - Nachfolgend eine Auswahl von Artikeln zu wirtschaftsrelevanten Themen aus der Presse vom Wochenende:
26.06.2016 17:17

BREXIT: Die Wochenendpresse ist verständlicherweise voll mit Analysen und Meinungen zum überraschenden Abschied Grossbritanniens aus der EU. In dieser Presseschau liegt der Fokus auf den Auswirkungen auf die Schweiz (siehe auch Einzelmeldungen dazu):

Hierzulande sind nach dem Brexit nämlich viele Fragen offen. Nach wie vor gibt es Hoffnung auf eine einvernehmliche Lösung mit der EU in der Frage der Begrenzung der Zuwanderung. So hat beispielsweise Bundespräsident Johann Schneider-Ammann in einem Interview mit der "SonntagsZeitung" und "Le Matin Dimanche" durchblicken lassen, dass er "gewisse Chancen" für eine Lösung in Brüssel sieht. Er sprach konkret das Modell an, das der ehemalige Staatssekretär und heutige ETH-Professor Michael Ambühl im Auftrag des Kantons Tessins entwickelt hat. Diese sogenannte "Bottom-up-Schutzklausel" orientiert sich nicht an der Zuwanderung, sondern an der konkreten Situation in Branchen und Regionen. Wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind, soll auf dieser Ebene eine Schutzklausel ausgelöst werden. In der "Samstagsrundschau" von Radio SRF sagte Schneider-Ammann, dass "man mit diesem Konzept in Brüssel erfolgreich sein kann". Eine einseitige Lösung dagegen würde der Schweiz sofort Schwierigkeiten mit der EU einbringen.

Auch der Franken ist wieder ein Thema. Da die hiesige Währung wegen des Brexit-JAs am Freitag wieder unter Aufwertungsdruck gekommen ist, sieht der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse für die Schweizerische Nationalbank (SNB) einen gewissen Handlungsbedarf. "Ich erwarte, dass die Nationalbank auch künftig alle Mittel nutzen wird, um die Aufwertung des Frankens in der Grössenordnung von 1,08 bis 1,10 Fr. halten zu können", sagte Economiesuisse-Präsident Heinz Karrer in einem Interview mit der Zeitung "NZZ am Sonntag". Gegenüber der Onlineausgabe der "Schweiz am Sonntag" sagte Karrer, die SNB müsse weiterhin eine unabhängige Geldpolitik betreiben können. "Aber natürlich muss sie alles unternehmen, damit der Euro die Kursregion von 1,10 Franken auch kurzfristig nicht gegen unten verlässt." Dafür solle sie die zur Verfügung stehenden Mittel anwenden, also die Zinspolitik und Interventionen am Devisenmarkt.

"Wir gehen davon aus, dass Grossbritannien eine starke konjunkturelle Abkühlung verkraften muss, mit dem Risiko einer Rezession", sagte Karrer der "NZZ am Sonntag" weiter. Das wäre auch für die Schweizer Wirtschaft deutlich spürbar, denn Grossbritannien sei nicht nur der fünftgrösste Exportmarkt der Schweiz, sondern auch der viertgrösste Standort für Direktinvestitionen. Die Flaute in Grossbritannien werde auch die Wirtschaft in der EU etwas dämpfen. Dass die Briten nun der Europäischen Freihandelszone (EFTA) beitreten, hält Karrer für nicht realistisch: "Da bin ich sehr skeptisch." Die Briten würden eher bilaterale Verträge mit der EU anstreben, als sich von einer multinationalen Organisation in die nächste zu bewegen.

Der frühere Wegelin-Chef Konrad Hummler sieht da hingegen Chancen für die Schweiz, wie er der "Schweiz am Sonntag" sagte. Es öffne sich für die Schweiz nun ein "window of opportunity", ein Zeitfenster für einen Plan B, glaubt er. "Jetzt oder nie besteht die Chance, eine Lösung anzustreben, die unter dem Titel 'Efta/EWR 2.0' laufen könnte. Idealerweise mit Grossbritannien als Teil dieser neuen Efta", so Hummer. Wichtig sei aber, dass man dazu innenpolitisch alle Kräfte einbinde, also auch die SVP.

Nach dem Austrittsentscheid der Briten aus der EU (Brexit) rechnet der Chef des Schweizer Reiseunternehmens Hotelplan Suisse, Kurt Eberhard, mit weniger britischen Gästen. In Grossbritannien werde Hotelplan UK möglicherweise Gäste verlieren, die sich teurere Ferien weniger leisten können. Angesichts der Talfahrt des britischen Pfundes nach dem Brexit werde die Währungssituation dazu führen, dass im Winter voraussichtlich weniger Briten in die Schweiz kommen würden, sagte Eberhard der Zeitung "Zentralschweiz am Sonntag": "Das schmerzt. Die Briten sind gute Gäste und wichtig für die Hotelplan-Gruppe." (ZaS, siehe separate Meldung)

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SONSTIGE THEMEN:

SWISS LIFE: Der Lebensversicherer ist mit seinen 150 Mrd CHF Anlagegeldern vom Brexit zwar betroffen, CEO Patrick Frost sieht das Unternehmen aber gut vorbereitet: "Der Druck auf unser Anlageergebnis nimmt zu. Dabei hilft uns jedoch, dass wir uns frühzeitig auf ein Umfeld anhaltend niedriger Zinsen eingestellt und das Anlageportfolio sehr langfristig ausgerichtet haben", sagte er der "Finanz und Wirtschaft". Das Fremdwährungsrisiko sei abgesichert - ebenso das Aktienportfolio. Das Negativzinsregime der Nationalbank hat für Swiss Life zwar keine direkten Kosten, da man fast keine flüssigen Mittel in der Bilanz halte und überwiegend auf ultralange Frist investiert sei. "Es verteuert jedoch die Kosten der Fremdwährungsabsicherung, die uns etwa eine Viertelmilliarde mehr kostet als zuvor." Auf die Frage, ob wegen der rückläufigen Einnahmen ein Gewinn- und Dividendenrückgang zu befürchten sei, meinte Frost: "Nein, wir wachsen in allen Zielbereichen." (FuW p 5/7, siehe separate Meldung)

MEDIEN: Die Wettbewerbskommission (WEKO) und das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) haben sich in internen Stellungnahmen zum Service public-Bericht des Bundesrates kritisch zum SRG-Angebot geäussert. Nach den Worten ihrer Vizedirektorin Carole Söhner könnte die WEKO die Leistungen der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft SRG SSR vorübergehend einschränken, um wettbewerbsrechtliche Fragen zu evaluieren. "Aus Sicht des Wettbewerbs braucht es nur dort einen Service public, wo der Markt versagt", zitiert die "NZZ am Sonntag" Söhner. Nur wenn private Medien etwas nicht leisten könnten, solle die SRG einspringen. Das SECO aus dem Departement von Bundesrat Johann Schneider-Ammann soll gefordert haben, das SRG-Angebot zu überprüfen und auf das absolut Notwendige zu beschränken. (NZZaS p. 12)

TIEFE ZINSEN: Pensionskassen drängen wegen des Tiefzins-Umfelds und der Negativzinsen der Schweizerischen Nationalbank in die Geschäftsdomäne der Banken. Wie die "SonntagsZeitung" unter Berufung auf Branchenvertreter berichtet, leihen Pensionskassen immer mehr Geld für Unternehmenskredite und Hypotheken aus. Dadurch kann die Rendite, aber auch das Risiko für die Vorsorgeeinrichtungen steigen. Um nicht Negativzinsen bezahlen zu müssen, bunkern einzelnen Kassen mittlerweile auch massenhaft Bargeld. Laut einer Studie der ZKB-Tochter Swisscanto machen das fünf namentlich nicht bekannte Kassen. Laut Marco Bagutti von der Stiftung Auffangeinrichtung ist es realistisch, zweistellige Millionenbeträge in Tresoren zu halten. Mehr sei schwierig. (SoZ p. 33-35)

HELSANA: Der Chef der grössten Krankenkasse Helsana, Daniel Schmutz, rechnet 2016 mit einer Kostensteigerung von vier bis fünf Prozent in der Grundversicherung. Eine Abkehr von diesem Trend sehe er für die nächsten Jahre nicht, sagte Schmutz im Interview der "SonntagsZeitung". Es bestehe im Gegenteil sogar das Risiko, dass der Kostenanstieg in den nächsten Jahren noch höher sein könnte. Unter anderem, weil teure Kombinations- und Immuntherapien gegen Krebs auf den Markt kommen würden, sagte Schmutz weiter. (SoZ p. 38; siehe separate Meldung)

ASTRA: Der Direktor des Bundesamtes für Strassen (ASTRA), Jürg Röthlisberger, will selbstfahrende Autos fördern. Fahrdienste wie Uber bezeichnete er in einem Interview mit der "Zentralschweiz am Sonntag" als Chance. Es müssten aber für alle gleich lange Spiesse gelten. "Das Potenzial der intelligenten Mobilität ist enorm", sagte Röthlisberger. Intelligente Autos würden sicherer fahren und mit ihnen liessen sich die Abstände zwischen den Fahrzeugen verkleinern. Das verbessere die Sicherheit und vergrössere die Kapazität des Strassennetzes. (ZaS, siehe separate Meldung)

uh/

(AWP)