Presseschau vom Wochenende 28 (09./10. Juli)

Zürich (awp) - Nachfolgend eine Auswahl von Artikeln zu wirtschaftsrelevanten Themen aus der Presse vom Wochenende:
10.07.2016 17:36

CREDIT SUISSE: CEO Tidjane Thiam sieht Fortschritte beim Umbau der Grossbank. Angesichts des abgesackten Aktienkurses mahnt er die Anleger aber zur Geduld: Erst eines von zwölf Quartalen der Restrukturierung sei vorbei, der volle Nutzen werde sich erst später zeigen, sagte er in einem Interview mit der "NZZ am Sonntag". Das Programm zur Reduktion des Handelsgeschäfts sei im zweiten Quartal beschleunigt worden, meinte er weiter. Nicht eingehen wollte Thiam auf die Frage, ob Kunden in jüngster Zeit bei der CS Geld abgezogen hätten. Er bekräftigte aber, dass die Bank angesichts abgebauter Risiken "heute sicherer als je zuvor" sei. An den ambitionierten Gewinnzielen will der Konzernchef ausserdem nicht rütteln. (NZZaS, S. 25)

UBS: Nach der scharfen Kritik an einem Datenherausgabe-Entscheid legt sich UBS-Chef Sergio Ermotti direkt mit dem Bundesrat an: Er wirft der Regierung vor, sich "eher Mitte-links" und zu wenig bürgerlich positioniert zu haben. "Aus meiner Sicht hat der Bundesrat das Resultat der Parlamentswahlen von Oktober noch nicht ganz berücksichtigt", sagte Ermotti in einem Interview mit der "SonntagsZeitung" und "Le Matin Dimanche". Die UBS kündigte in dieser Woche an, sich dagegen wehren zu wollen, dass sie Kundendaten an Frankreich ausliefern soll. Aus Sicht von Ermotti handelt es sich um ein "politisiertes Verfahren" auf französischer Seite. "Es ist ja nicht normal, dass eigentlich vertrauliche Details regelmässig in der Zeitung 'Le Monde' erscheinen", sagte er. (SoZ, S. 13)

SNB: Die Schweizerische Nationalbank (SNB) ist in ihren Szenarien eher von einem Nein zum Brexit ausgegangen. Dennoch habe sie sich auf ein Ja vorbereitet, sagte SNB-Präsident Thomas Jordan in einem Interview mit der "SonntagsZeitung" und "Le Matin Dimanche". Zum Umfang der Devisengeschäfte wollte Jordan im Interview wie üblich keine Angaben machen. "Wir äussern uns nie über solche Zahlen." Aber es sei möglich gewesen, die Lage in einem sehr nervösen, von Turbulenzen geprägten Umfeld zu stabilisieren. Die Geldpolitik allein reiche nicht aus, um das Wachstum in Europa anzukurbeln, so Jordan weiter. Auf die Aussage, dass die Liquidität, welche die Notenbanken ins System pumpen, nicht bei der Realwirtschaft ankomme, sagt er: "Weltweit gesehen, ist an dieser Behauptung etwas dran." (SoZ, S. 36)

ZEHNDER: Die im Bereich Raumklima tätige Zehnder Group, für die Grossbritannien ein wichtiger Markt ist, beziffert die Folgen der Pfundschwäche auf das operative Ergebnis. Wenn sich das Pfund im Jahresdurchschnitt um 10% oder 15% abwerte, ergeben dies einen negativen Einfluss auf das operative Ergebnis von "vielleicht 3 bis 4 Mio EUR", sagte CEO Dominik Berchtold gegenüber der "Finanz und Wirtschaft". Entscheidend sei aber, was in Grossbritannien mit der Konjunktur und der Bauindustrie passiere. (FuW, S. 8)

GLOBUS: Die Migrostochter Globus hat im ersten Halbjahr 2016 ein knappes Prozent weniger umgesetzt als im Vorjahreszeitraum. Dies berichtete die "NZZ am Sonntag" mit Verweis auf CEO Thomas Herbert. Unter dem Strich schreibe das Unternehmen Gewinn. Das Sparprogramm zeigt gemäss den Angaben Wirkung. (NZZaS, S. 31)

SBB/SOB: Sowohl die Südostbahn (SOB) als auch SBB wollen künftig die Gotthard-Bergstrecke betreiben. Peter Füglistaler, Direktor des Bundesamtes für Verkehr (BAV), lobt das Angebot der SOB - und vermisst bei der SBB "das grosse Feuer." "Die SOB will direkte, bediente Züge ohne Umsteigen in Erstfeld mit neuem Rollmaterial anbieten - und das kostendeckend. Dieses Angebot werden wir mit Interesse weiterverfolgen", sagte Füglistaler im Interview mit der "Zentralschweiz am Sonntag" und der "Ostschweiz am Sonntag". Die SBB habe sich zwar engagiert, "aber das grosse Feuer für den Betrieb der Gotthard-Bergstrecke spüren wir noch nicht". (Ostschweiz am Sonntag/Zentralschweiz am Sonntag)

SCHWEIZ-EU: Die Zeit zur Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative (MEI) wird immer knapper. Bundespräsident Johann Schneider-Ammann hofft auf ein Treffen mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker am kommenden Wochenende, wie er dem "SonntagsBlick" sagte. Möglich wäre ein solches Zusammentreffen am Rande des Asien-Europa-Treffens (ASEM), welches am 15. und 16. Juli in der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator stattfindet. Ein bereits geplanter Austausch zwischen Juncker und Schneider-Ammann in Strassburg wurde letzte Woche kurzfristig auf einen bislang unbekannten Zeitpunkt verschoben. (SoBli)

ARBEITSMARKT: Ein weiterer Indikator weist auf eine Erholung am Schweizer Arbeitsmarkt hin. Es handelt sich um den Jobradar des Unternehmens X28, den die "SonntagsZeitung" veröffentlichte. Demnach ist die Zahl der offenen Stellen auf den höchsten Stand seit des Gründung des Radars vor acht Jahren geklettert. (SoZ, S. 40)

PERSONENFREIZÜGIGKEIT: Die Personenfreizügigkeit wird in den Kantonen sehr unterschiedlich umgesetzt. Dies zeigt ein vertraulicher Bericht der Parlamentarischen Verwaltungskontrolle, aus dem die "SonntagsZeitung" zitiert. So seien Entscheide, wie lange EU-Bürger in der Schweiz bleiben dürfen und ob sie Zugang zu den Sozialwerken erhalten, nicht einheitlich geregelt. (SoZ, S. 5)

LÖHNE: Die Löhne in der Schweiz sind zwischen 2012 und 2014 in mehreren wichtigen Branchen gesunken. Die berichtet die "SonntagsZeitung" auf Basis der Lohnstrukturerhebung. Besonders deutlich war demnach das Minus bei den Industrielöhnen. Experten erklären dies im Bericht mit dem überbewerteten Franken. (SoZ, S. 35)

PREISÜBERWACHER: Preisüberwacher Stefan Meierhans geht angesichts stetig steigender Krankenkassenprämien hart mit der Politik und Verwaltung ins Gericht. Seit Jahren gebe er Empfehlungen heraus, doch diese "verstauben oft in den Schubladen der Verwaltung", sagte er in einem Interview mit der "SonntagsZeitung". Bei Generika und medizinischen Hilfsmitteln habe er 2009 und 2011 Systemwechsel angeregt - beides sei erst für 2019 geplant. Eine Verbesserung sähe er, indem er selbst mehr Macht erhielte: Beispielsweise sollten die Behörden innert einer bestimmten Frist auf seine Empfehlungen reagieren müssen. (SoZ, S.8)

AHV: Der Bundesrat hat seit 2007 für die Anpassung der AHV-Renten zu optimistische Schätzungen getroffen. Das führte dazu, dass seit 2007 über 2,6 Mrd CHF zu viel an Renten ausbezahlt wurden, wie die "NZZ am Sonntag" errechnet hat. Teuerung und Lohnentwicklung entwickelten sich weniger positiv, als es die Regierung erwartet hatte. Laut der Zeitung müssten aufgrund gesetzlicher Verpflichtungen die AHV-Renten für 2017/18 gesenkt werden. Das Bundesamt für Sozialversicherung will davon nichts wissen und verweist auf den "Grundsatz, dass Renten nicht gesenkt werden dürfen". (NZZaS, S. 29)

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(AWP)