Presseschau vom Wochenende 3 (14./15. Januar)

Nachfolgend eine Auswahl von Artikeln zu wirtschaftsrelevanten Themen aus der Presse vom Wochenende:
15.01.2017 17:35

ACTELION: Am Markt wird laut einem Medienbericht gemutmasst, dass es in der zweiten Januarhälfte zur Übernahme durch Johnson&Johnson kommt. Die Chancen stünden gut, dass der Deal bald in trockenen Tüchern gelegt wird, schreibt die "Schweiz am Sonntag" unter Berufung auf verhandlungsnahe Kreise. Grund seien veränderte Machtverhältnisse im Verwaltungsrat: CEO Jean-Paul Clozel habe über Monate die Verhandlungen mit den Amerikanern dominiert. Nach dem Abbruch der Verhandlungen sei es jedoch der als nüchterne Manager bekannte Präsident Jean-Pierre Garnier gewesen, der J&J wieder an den Verhandlungstisch holte. Garnier dürfte nun eine Mehrheit im VR hinter sich geschart haben. Inzwischen seien alle grossen Hedgefonds investiert. Kommt kein Deal, könnten diese ihre Aktien J&J oder anderen Bietern andienen und damit eine Übernahme forcieren, so die Zeitung. (SaS S. 23)

NOVARTIS: Im Zusammenhang mit Vorwürfen in Griechenland, Beamte bestochen zu haben, hat der Pharmakonzern bis jetzt keine Kenntnisse über systematische Verstösse, wie Novartis-Chefjurist Felix Ehrat zur "Schweiz am Sonntag" sagte. Man habe unverzüglich eine eigene Untersuchung eingeleitet. Anfang Januar hatte der griechische Justizminister eine Untersuchung gegen Novartis angeordnet. Gegen das Unternehmen liefen bereits in mehreren Ländern Untersuchungen wegen Korruption, so 2014 in den USA sowie im vergangenen Jahr in der Türkei und in Südkorea. Nach der Fusion zwischen Ciba-Geigy und Sandoz 1996 war die neu gegründete Novartis über Jahre für besonders aggressive Verkaufspraktiken bekannt. "Schon vor mehreren Jahren haben wir unsere Bemühungen intensiviert, diese Praktiken zu adressieren", so Ehrat zur Zeitung. Ein "Kulturwechsel, bei dem wir schon vieles erreicht haben, aber noch ein gutes Stück Arbeit vor uns liegt." (SaS S. 21)

VERSICHERER: Grosse Rückversicherungsgesellschaften aus der EU wie die Munich Re oder die französische Scor dürften in den USA bald Wettbewerbsvorteile gegenüber Schweizer Konkurrenten wie der Swiss Re oder der Zurich geniessen, schreibt die "Neue Zürcher Zeitung" (Samstagausgabe). Am Freitag haben demnach Vertreter der USA und der EU ein Versicherungsabkommen abgeschlossen. Vorausgegangen waren laut der EU-Kommission über 20 Jahre an Gesprächen. Die Schweiz hat sich laut Angaben des Staatssekretariats für internationale Finanzfragen (SIF) in dieser Sache bereits an die USA gewandt, so die Zeitung weiter. Die Amerikaner hätten erklärt, sich zuerst mit der EU einigen zu wollen, doch hätten sie zuletzt Verhandlungsbereitschaft signalisiert. Nun müsse man abwarten, wie sich die Administration Trump zu dieser Frage stelle. (NZZ Samstagausgabe S. 37)

LEONTEQ: Verwaltungsratspräsident Pierin Vinzenz ist von Investoren wegen der Gewinnwarnung im Dezember mit kritischen Fragen konfrontiert worden, wie die "Sonntagszeitung" schreibt. Auch Raiffeisen, die einen Anteil von 30% hält, hat sich zu Wort gemeldet, wie Raiffeisen-Chef Patrick Gisel, der wiederum auch im Leonteq-VR vertreten ist, der Zeitung bestätigte. Über den konkreten Inhalt wollte er sich nicht äussern, Forderungen seien aber keine gestellt worden. Aufgebrachte Grossanleger von Leonteq würden unterdessen den Druck auf den Verwaltungsrat erhöhen, damit dieser personelle Konsequenzen zieht. Das Vertrauen sei dahin, schreibt die Zeitung. Die Macht von CEO Jan Schoch und Vizepräsident Lukas Ruflin gründe allerdings auf dem Umstand, dass Raiffeisen sie als Garanten für den Erfolg von Leonteq hält. (SoZ S. 31f.)

SALT: Die Restrukturierung beim drittgrössten Mobilfunkanbieter der Schweiz ist nach Angaben von Salt-Chef Andreas Schönenberger abgeschlossen. In den letzten drei Jahren baute Salt 200 Stellen ab, und in den vergangenen Monaten verliess praktisch das ganze Management das Unternehmen. "Am Ende des Tages ist es wichtig, die Firma für die Mitarbeiter und die Kunden so auszurichten, dass sie langfristig erfolgreich sein kann", so Schönenberger zur "Schweiz am Sonntag". Der wichtigste Schritt der Restrukturierung von Salt sei es gewesen, eine Unternehmenskultur in die "Gene der Firma" einzupflanzen. Aussagen des abtretenden ComCom-Präsidenten für eine Fusion von Salt und Sunrise erteilte Schönenberger unterdessen eine Absage. (SaS S. 24; siehe auch separate Meldung)

NEGATIVZINSEN: In den USA steigen die Zinsen, doch die SNB hält an den Negativzinsen fest. "Für uns ist Europa bedeutender, und die Europäische Zentralbank hat ihre Zinspolitik noch nicht normalisiert. Es ist für uns wichtig, eine Zinsdifferenz zu den Euro-Zinssätzen beibehalten zu können", sagte SNB-Vizepräsident Fritz Zurbrügg der "NZZ am Sonntag". Da die EZB ihre Anleihenankäufe um neun Monate verlängert hat, wird sie 2017 nicht aus den Negativzinsen aussteigen. Und weil die SNB die Zinsdifferenz beibehalten will, wird man auch in der Schweiz im laufenden Jahr mit dem negativen Leitzins leben müssen. Zudem will die SNB ihre stark gestiegenen Währungsreserven vorläufig nicht abbauen. Zurbrügg stellte in Aussicht, auch weiterhin am Devisenmarkt zu intervenieren, um die Aufwertung des Frankens zu bremsen. (NZZaS S. 27ff.; siehe auch separate Meldung)

FRANKENSTÄRKE: Bundesrat Schneider-Ammann wünscht sich einen schwächeren Franken. Seit Aufhebung des Mindestkurses hätten viele KMU ihre Margen geopfert, "um am Markt zu bleiben". Doch nun investierten sie weniger, was langfristig eine Gefahr für die Wirtschaft sei, sagte Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann der "Neuen Zürcher Zeitung" (Samstagausgabe). Die Schweizer Wirtschaft habe den Franken-Schock noch nicht verarbeitet. Notiere der Euro weiter auf dem Niveau von rund 1,07 CHF, drohe eine Verlagerung von Geschäften ins Ausland. "Die Mitte zwischen der Kaufkraftparität und dem jetzigen Kursniveau - also eine Grössenordnung von etwa 1,15 CHF - erschiene wohl auch für die meisten KMU als tragbares Niveau, das längerfristig wieder Investitionen erlauben würde", so der Bundesrat. (NZZ Samstagausgabe S. 38f.; siehe auch separate Meldung)

STEUERVERGEHEN: Selbstanzeigen von Steuersündern bescheren den kantonalen Steuerbehörden mehrere hundert Millionen Franken Einnahmen. Im Rahmen der straffreien Amnestie sind laut dem Bundesrat von 2010 bis im Frühjahr 2016 über 22'000 Selbstanzeigen eingegangen und Vermögen von 24,7 Mrd CHF offengelegt worden. Wie die "NZZ am Sonntag" schreibt, nahm etwa der Kanton Bern dank der Amnestie rund 100 Mio CHF Steuern ein, Zürich kommt gar auf das Vierfache. Mehrere Kantone melden für das Jahr 2016 eine Rekordzahl der Selbstanzeigen. Demnach ist dies mindestens in Zürich, Basel-Stadt, Luzern und Thurgau der Fall. (NZZaS S.31, "Le Matin Dimanche")

FORSCHUNG: Die Schweizer Universitätslandschaft wittert nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten Morgenluft und will Spitzenforscher abwerben. "Wir werden unser Headhunting in den USA intensivieren", sagte Michael Hengartner, Rektor der Universität Zürich und Präsident der Schweizer Hochschulen der "Schweiz am Sonntag". Studierende und Professoren hätten nach der Wahl unter Schock gestanden. Kanada spürt demnach die Bewegungen auf dem amerikanischen Forschungsplatz bereits. So habe etwa die Universität Toronto bei US-Bewerbern einen Anstieg von 70% gegenüber dem Vorjahr verzeichnet. (SaS S. 2f.)

USR III: Bei einem Nein zur Unternehmenssteuerreform III will Finanzminister Ueli Maurer unverzüglich ein Sparprogramm über mehrere Milliarden aufgleisen. Komme die USR III, die ab 2019 in Kraft treten würde, nicht, "müssten wir für die nächsten vier bis acht Jahre sparen", so Maurer zur "Schweiz am Sonntag". "An einem Nein hätten wir jahrelang zu kauen." Eine Annahme der Reform würde dagegen "unglaublich viel Sicherheit ausstrahlen". (SaS S. 8; siehe auch separate Meldung)

GELDWÄSCHEREI: Die älteste Tochter des verstorbenen usbekischen Präsidenten, Gulnara Karimowa, ist am Leben. Sie wird laut ihrem Schweizer Pflichtverteidiger in einem Anbau ihres ehemaligen Hauses im Zentrum von Taschkent festgehalten. Er habe sie dort im Dezember erstmals getroffen, sagte Grégoire Mangeat zur "Zentralschweiz am Sonntag" und der "NZZ am Sonntag". In der Schweiz ermittelt die Bundesanwaltschaft (BA) gegen Karimowa und fünf weitere Personen wegen des Verdachts auf Geldwäscherei. In diesem Zusammenhang wurden bereits Vermögenswerte von über 800 Mio CHF beschlagnahmt. Die gesperrten Gelder könnten aus mutmasslich unrechtmässigen Vorgängen im usbekischen Telekommunikationsmarkt stammen. (NZZaS S. 30, "Zentralschweiz am Sonntag"; siehe auch separate Meldung)

ys/

(AWP)