Presseschau vom Wochenende 31 (30./31. Juli)

Zürich (awp) - Nachfolgend eine Auswahl von Artikeln zu wirtschaftsrelevanten Themen aus der Presse vom Wochenende:
01.08.2016 17:50

SIKA/SAINT-GOBAIN: Beim Streit um Sika scheint keine Lösung in Sicht. Solange die Anwälte am Ruder sind, wird es wohl auch keine geben. Dies sagt Georg Stucky, ehemaliger Verwaltungsrat bei Sika, im Interview mit der "Zentralschweiz am Sonntag". "Die Juristen verdienen fürstlich, solange der Streit anhält", sagt Stucky, der selbst Jurist ist. "Solange sich die Familie an ihre Anwälte hält, gibt es keine schnelle Lösung", sagt er. Der Streit dauert seit Dezember 2014. Der Fall liegt inzwischen vor Gericht. Kenner des Falls prognostizierten einen Entscheid eigentlich für diesen Sommer. Stucky scheint nicht daran zu glauben. Für eine Lösung brauche es einen Mediator, sagt er. (Zentralschweiz am Sonntag, siehe separate Meldung)

JULIUS BÄR/FALL ELMER: Die seit über zehn Jahren dauernden Ermittlungen gegen den Whistleblower und ehemaligen Julius Bär-Mitarbeiter Rudolf Elmer stehen offenbar vor einer entscheidenden Wende. Dokumente von der Z?ürcher Staatsanwaltschaft und von der Bank Julius Bär würden zeigen, dass Elmer keinen Arbeitsvertrag von der Bank Julius Bär in Zürich hatte, heisst es in einem Artikel der "SonntagsZeitung". Vielmehr habe Elmer einen lokalen Arbeitsvertrag mit der Julius Bär Bank and Trust Company auf den Cayman Islands abgeschlossen. Dies habe Julius Bär bereits 2009 in einem Brief an die Staatsanwaltschaft bestätigt. Elmer könne damit das Schweizer Bankgeheimnis nicht verletzt haben, da nur Angestellte einer Schweizer Bank dem Bankengesetz unterstellt seien. Die Staatsanwaltschaft habe die entsprechenden Dokumente vor den Gerichten verschwiegen. (SoZ, S. 1, 31)

UBS, CS: Den Schweizer Grossbanken sollen schon bald neue Milliardenbussen aus den USA drohen. Es gehe dabei um Untersuchungen des US-Justizdepartementes im Zusammenhang mit verbrieften amerikanischen Wohnhypotheken, heisst es in einem Artikel der "SonntagsZeitung". Nach den US-Banken würden sich die Amerikaner nun die europäischen Institute vornehmen. Treibende Kraft dahinter sei die Justizministerin Loretta Lynch. Die Sündenfälle liegen laut dem Artikel lange zurück. Vor der Finanzkrise hätten die Banken zu Paketen geschnürte Hypothekarkredite herausgegeben, bei denen sich 2007 herausstellte, dass hinter den intransparenten Konstrukten viele Schuldner mit schlechter Bonität steckten. Die Banken sollen die Käufer solcher Papiere hinters Licht geführt haben. (SoZ, S. 33)

FLUGHAFEN ZÜRICH: Der Flughafen Zürich sieht offenbar von einem Engagement am Flughafen von Nizza ab. Aufgrund verschiedener Unsicherheiten rund um das Projekt habe der Flughafen Zürich keine Offerte eingereicht, zitiert die "SonntagsZeitung" in einem Artikel Flughafen-Sprecherin Sonja Zöchling. Der Flughafen Zürich wollte sich ursprünglich in einem Konsortium zusammen mit Finanzinvestoren um die bislang staatlcihe Gesellschaft Aéroports de la Cote d'Azur bewerben. Entpsrechende Medienberichte gab es bereits im vergangenen April. (SoZ, S. 33)

STEUERERLEICHTERUNGEN FÜR START-UPS: Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann will die Rahmenbedingungen für Startup-Firmen in der Schweiz verbessern. Laut der "NZZ am Sonntag" soll das zum einen geschehen, indem Startups in den ersten sieben Jahren von den Steuern befreit werden, so wie dies etwa in Kalifornien der Fall ist. Zum andern könnten die Kapitalgeber entlastet werden: Sie sollen erste Kredite für Startups steuerfrei sprechen können. Die Steuerbefreiung würde quasi als Entschädigung für das höhere Risiko dienen. Während FDP-Ständerat Ruedi Noser die Pläne begrüsst, kritisiert SP-Nationalrätin Jacqueline Badran, eine Steuerbefreiung für Kreditgeber setze am falschen Ort an, weil sich Startups in der Regel nicht über Kredite, sondern über den Verkauf von Firmenanteilen finanzieren würden. (NZZaS, S. 9)

US-WAHLSPENDEN VON CH-FIRMEN: Im US-Wahlkampf haben Angestellte grosser Schweizer Konzerne bisher mehr an Republikaner gespendet als an Demokraten. Das berichtet die "NZZ am Sonntag" unter Berufung auf die parteiunabhängige Nichtregierungsorganisation Center for Responsive Politics. Weil direkte Parteispenden von Unternehmen in den USA verboten sind, wird das Geld über sogenannte Political Action Committees (PAC) der einzelnen Firmen gesammelt und weitergeleitet. Zwar fliesst das Geld laut der Zeitung häufig an Kongressabgeordnete und nicht an Präsidentschaftskandidaten oder Parteien - welche Partei davon profitiert lässt sich allerdings eindeutig feststellen. Die Bevorzugung der Republikaner sei bei den Schweizer Firmen ein branchenübergreifendes Muster. Sie gilt für die Angestellten von UBS, Credit Suisse, LafargeHolcim, der Versicherer Zurich und Swiss Re sowie der Pharma-Konzerne Novartis und Genentech, US-Tochter von Roche. (NZZaS, S.1,5,25)

BUNDESSTRAFGERICHT: Der ehemalige Bundesanwalt Erwin Beyeler ortet beim Bundesstrafgericht in Bellinzona Qualitätsprobleme. Für die Beibehaltung der Institution gäbe es "keine zwingende Notwendigkeit", sagte der Vorgänger von Bundesanwalt Michael Lauber der "Schweiz am Sonntag". Die Zahl der Fälle beim Gericht sei recht klein, kantonale Gerichte in den grossen Kantonen könnten die Beurteilung übernehmen. Weil Richter an kantonalen Obergerichten mehr Erfahrung hätten als jene in Bellinzona, verspricht sich Beyeler "schnellere Urteile, mehr Qualität und mehr Professionalität". Der Bund würde demnach unter dem Strich Geld sparen. (SaS, S. 10)

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(AWP)