Presseschau vom Wochenende 35 (31. August/1. September)

Nachfolgend eine Auswahl von Artikeln zu wirtschaftsrelevanten Themen aus der Presse vom Wochenende:
01.09.2019 16:18

UBS I: Verwaltungsratspräsident Axel Weber sieht sich in Bezug auf eine Nachfolgeregelung für die Konzernspitze zeitlich nicht unter Druck. "Wir haben noch über zweieinhalb Jahre Zeit bis zum Ende meiner Amtszeit. Der Übergang wird in geordneten Bahnen verlaufen, und wir haben genügend interne Talente", sagte er in einem Interview mit der "NZZ" (Ausgabe 31.8.). Der neue Co-Chef der globalen Vermögensverwaltung, der von der CS zur UBS stossende Iqbal Khan, sei nicht gesetzt als neuer Konzernchef, so Weber. "Jeder Mitarbeiter muss es bei uns so weit bringen können, dass er Konzernchef werden kann." Der nächste CEO könne natürlich auch eine Frau sein. Und auch der Verwaltungsrat könne in Zukunft von einer Frau geführt werden. In Bezug auf die Nationalität meinte er: "Nicht die Nationalität ist entscheidend, wichtig ist der UBS-Pass." Zu seiner eigenen Zukunft, meinte er: "Ich spüre keinen Zeitdruck, ich spüre Leistungsdruck. Wir sind noch nicht so weit, wie wir das möchten." Weber äusserte sich im sehr langen Interview u.a. auch zu Strategie, Synergien, Übernahmen, Aktienkurs, Frankreichprozess etc.

UBS II: Weber sprach sich im gleichen Interview auch gegen eine weitere Zinssenkung durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) aus. "Ähnlich wie bei Steuern gibt es auch bei Zinsen einen Punkt, ab dem die Entwicklung ins Negative kippt und der Schaden für die Wirtschaft grösser wird als der Nutzen. Ich glaube, dass die Schweiz mit ihrem Satz von -0,75 Prozent nicht mehr weit davon entfernt ist", sagte er. Einfach der Politik der Europäischen Zentralbank zu folgen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit im September und Oktober weitere Zinssenkungen vornehmen werde, halte er in diesem Umfeld "für ein gewagtes Experiment". Zudem sei zu beachten, dass sich der Wechselkurs gegenüber dem Dollar und anderen Währungen in den zurückliegenden Jahren kaum verändert habe. "Im Kern geht es nicht um eine Stärke des Frankens, sondern um eine Schwäche des Euro oder auch des britischen Pfunds", glaubt der UBS-VRP. Es wäre daher falsch, die Schwächung des Frankens zu einem Dogma zu erheben und damit die Schweizer Währung faktisch an den Euro-Raum zu binden. (siehe separate Meldungen, NZZ 31.8. p. 28/29)

CALIDA: Konzernchef Reiner Pichler will das Geschäft nach der Restrukturierung auf Kern-Geschäftsfelder fokussieren. Damit soll die angestrebte Gewinn-Marge erreicht werden. "Wir überprüfen unser Portfolio regelmässig, aber wir werden es verringern und Teile des Unternehmens verkaufen, um uns zu konzentrieren", sagte er in einem Interview mit der "Finanz und Wirtschaft". "Alle unsere Marken wachsen und sind nun profitabel", betonte der Unternehmenschef weiter. "Jetzt möchten wir unser Portfolio konzentrieren. Und zwar im Bereich Outdoor-Surfing. In unserem Stammgeschäft prüfen wir Zukäufe." In Bezug auf den Geschäftsgang sagte er, dass das zweite Halbjahr genauso gut gestartet, wie das erste gewesen sei. "Das Wachstum lag sogar leicht über unseren Erwartungen. Wir verkaufen jetzt schon die Produkte für den Frühling 2020, und die Vorverkäufe sehen gut aus. (FuW p. 5, siehe separate Meldung; ähnliches Interview auch in Tages-Anzeiger vom Samstag, p. 11).

EU-RAHMENVERTRAG: Wirtschaftsminister Guy Parmelin sieht derzeit keine Möglichkeit, mit der EU über eine Anpassung des Rahmenabkommens zu sprechen. "Wir werden erst im nächsten Jahr wieder ernsthaft über den Rahmenvertrag diskutieren können", sagt der SVP-Bundesrat im Interview mit der "SonntagsZeitung". Derzeit gebe es keine Basis für eine mehrheitsfähige Lösung. Parmelin: "Die Gewerkschaften und ein Teil der Arbeitgeber sind mit dem vorliegenden Vertrag nicht einverstanden und sie haben auch noch keine Alternative gefunden." Noch im Sommer hatte Aussenminister Cassis gehofft, die notwendigen Klärungen noch in diesem Jahr herbeiführen zu können. Parmelin bereitet sich stattdessen lieber auf mögliche Strafmassnahmen der EU vor. "Es gibt Überlegungen, wie wir reagieren könnten. Wir sind daran, einen Plan B zu erarbeiten." Nichts hält Parmelin indes von der Idee, Grossbritannien als Gegengewicht zur EU in die Efta zu holen. Das sei "zu riskant". Er verteidigt dagegen den umstrittenen Freihandelsvertrag mit den Mercosur-Staaten: "Mit diesem Vertrag wird die Abholzung am Amazonas nicht gefördert. Wir wollen sie damit verhindern." (SoZ p. 15/17)

TAUSENDERNOTE: Seit Anfang Jahr geht die Menge der Tausendernoten Monat für Monat zurück. Das ist ein neues Phänomen: Seit 1979 ist es noch nie vorgekommen, dass der Umlauf der Tausendernoten sechs aufeinanderfolgende Monate lang rückläufig war, wie die "SonntagsZeitung" berichtet. Die Menge der im Umlauf befindlichen Tausendernoten ist nach der Finanzkrise 2008 emporgeschnellt und hat sich in nur zehn Jahren verdoppelt. Doch die neuesten veröffentlichten Daten der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zeigen nun eine Trendwende: Im Juni waren Tausendernoten im Wert von 46,36 Milliarden Franken im Umlauf, das sind 1,8 Milliarden oder 3,7 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. (SoZ p. 41)

POSTAUTO: Das Bundesamt für Polizei Fedpol hat laut "SonntagsZeitung" die Ermittlungen in der Postauto-Betrugsaffäre ausgedehnt. Der ehemalige Präsident von Carpostal France, des Frankreich-Ablegers von Postauto, soll Bund und Kantone betrogen haben. Fedpol habe im August gegen ihn und zwei weitere ehemalige Geschäftsleitungsmitglieder von Postauto Schweiz ein Verwaltungsstrafverfahren, hiess es. Damit liefen im Zusammenhang mit dem Postautoskandal insgesamt Strafverfahren gegen sechs hochrangige Post- und Postautokader. Alle Beschuldigten stünden unter dringendem Verdacht, sogenannten Leistungsbetrug begangen zu haben. Die Justizbeamten des Bundes werfen ihnen vor, in ihrer Funktion "arglistig Leistungen des Gemeindewesens erschlichen" zu haben. Es drohten Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren. Der Bericht wurde vom Fedpol gegenüber der Agentur Keystone-SDA bestätigt. (SoZ p. 8, siehe auch separate Meldung)

KRANKENKASSEN: Die Krankenkassenprämien von zahlreichen Kunden sollen laut der "NZZ am Sonntag" im Jahr 2020 sinken. Die Zeitung beruft sich auf Angaben von Krankenversicherern. "Eine Mehrheit unserer Kunden wird 2020 für die Grundversicherung weniger Prämie bezahlen als 2019", erklärte etwa Helsana-Chef Daniel Schmutz gegenüber dem Blatt. Die Krankenkasse CSS wolle zudem in einzelnen Kantonen die Prämien senken oder zumindest nicht erhöhen. Gesamthaft rechne die CSS für 2020 mit einer Erhöhung von weniger als 1,5 Prozent. Als Grund für die Entwicklung geben die Krankenkassen die Gesundheitskosten an, die zuletzt aussergewöhnlich moderat gestiegen seien. Man spüre ein Umdenken bei den Versicherten, sagte Helsana-Chef weiter. Immer mehr Kunden würden alternative Versicherungsmodelle wählen, die effizienter seien. (NZZaS p. 25)

VOLG: Der Ostschweizer Detailhändler will in der Westschweiz weiter expandieren. "In der Romandie haben wir vor kurzem den 32. Laden eröffnet. Jetzt schauen wir, wo es dort noch weisse Flecken gibt", sagte Konzernchef Ferdinand Hirsig gegenüber der "Schweiz am Wochenende". In Bezug auf den Unterschied zwischen Deutsch- und Westschweizer beim Einkauf meinte e: "75 bis 80 Prozent des Sortimentes sind gleich." Es gebe aber Unterschiede bei den Spezialitäten, etwa beim Wein. So sei es schwierig, einen Hallauer in der Romandie zu verkaufen, auch wenn es ein sehr guter Wein sei. Auch im Charcuterie-Bereich gebe es Unterschiede. Und Joghurts beispielsweise seien von Frankreich geprägt. "Die Romandie ist mehr Danone- als Emmi-Land", so Hirsig. Zum Thema Onlineshop meinte er: "Der Heimlieferservice ist nichts, was Volg wirtschaftlich weiterbringt. Wir sind dort auf tiefem Niveau erfolgreich. Wir machen es, weil wir lernen wollen." (SaW p. 29).

BÜNDNER BAUKARTELL: Die Wettbewerbskommission Weko will laut der "NZZ am Sonntag" in den kommenden Tagen einen weiteren Entscheid im Zusammenhang mit dem Bündner Baukartell veröffentlichen. Die Behörde werde zahlreiche Strassenbaufirmen büssen, die Preisabsprachen zwischen den Jahren 2004 und 2010 getroffen hatten. Es gehe um Aufträge im Gesamtwert von rund 200 Millionen Franken, wobei die Weko nicht alle Vergehen sanktioniere. Laut der Verordnung könne für die Untersuchung lediglich ein Zeitraum von drei Jahren herbeigezogen werden. Die Dimension sei dennoch mit dem Unterengadiner Kartell vergleichbar. Die sieben Firmen, die daran beteiligt waren, wurden im Frühling 2018 von der Weko mit Strafzahlungen von 7,5 Millionen Franken belangt. Der neue Fall ziehe laut Eingeweihten ähnliche Bussen nach sich - er sei aber noch gravierender, weil er den ganzen Kanton Graubünden betreffe. (NZZaS p. 13)

uh/

(AWP)