Presseschau vom Wochenende 41 (08./09. Oktober)

Zürich (awp) - Nachfolgend eine Auswahl von Artikeln zu wirtschaftsrelevanten Themen aus der Presse vom Wochenende:
09.10.2016 18:43

ZURICH: Der Verwaltungsratspräsident der Zurich-Versicherungsgruppe Tom de Swaan will trotz Altersbeschränkung weiterhin im Amt bleiben. "Wenn mich Verwaltungsrat und Generalversammlung noch einmal für ein Jahr wollen, bleibe ich gerne", wird de Swaan in einem Artikel in der "NZZ am Sonntag" zitiert. De Swaan ist im Frühling 70 Jahre alt geworden, bei dieser Schwelle liege beim Versicherer eigentlich die "Altersguillotine", so die Zeitung. Die maximale Amtsdauer von zwölf Jahren werde de Swaan im Jahr 2018 erreicht haben. De Swaan betont im Gespräch mit der Zeitung die Bedeutung des Standorts Zürich für die Versicherungsgruppe. "Es ist wichtig, dass der Markt versteht, dass wir zwar eine unabhängige globale Firma sind, aber auch eine sehr schweizerische", so der Niederländer. (NZZaS, S. 29)

UBS: Die Grossbank UBS will mit ihrer geplanten Europabank weiterhin im vierten Quartal des Jahres starten. "Das sollte klappen. Wird es erst Anfang 2017, schafft das keine Probleme", sagte UBS-Vermögensverwaltungschef Jürg Zeltner in einem Interview mit der "SonntagsZeitung". Auch bezüglich des Standorts halte sich die UBS "verschiedene Optionen offen". In den Medien war bisher Frankfurt als Standort genannt worden. Er erachte eine solche Europabank als nötig, weil er nicht glaube, dass der Schweizer Finanzplatz einen vereinfachten Zugang zu Europa erhalten werde, so Zeltner. Zudem sei es heute zu teuer, in Europa mehrere Tochtergesellschaften zu betreiben. "Deshalb brauchen wir eine effiziente Bank mit einem europaweiten Niederlassungsnetz." (SoZ, S. 39)

CS: Die seit Monaten laufende interne Untersuchung bei der Credit Suisse (CS) um mögliche Steuervergehen im Israel-Geschäft hält an. Weiterhin hat die Grossbank auch fünf Mitarbeitende des Israel-Desks beurlaubt, wie ein CS-Sprecher am Sonntag auf Anfrage sagte. Der Fokus der Untersuchung liege "auf dem Mitarbeiterverhalten", hiess es. Wie lange die Untersuchung andauere, könne man nicht sagen. Die "SonntagsZeitung" berichtet in ihrer jüngsten Ausgabe (9. Oktober) ohne konkretere Angaben, die CS sei bei ihrer Untersuchung "fündig geworden". Über die Untersuchung hatte bereits im Juni die "Schweiz am Sonntag" berichtet. (SoZ, S. 43)

SONOVA: Der CEO des Hörgerätehersteller Sonova, Lukas Braunschweiler, sieht in seiner Branche eine Kräfteverschiebung in Richtung des Handels. Unabhängige Fachhändler würden von Ketten übernommen, die grössere Mengen einkauften und höhere Rabatte von den Herstellern forderten, sagte Braunschweiler in einem Interview mit der "NZZ am Sonntag". "Darum ist es für uns wichtig, eigene Läden zu haben. Sie helfen, die Gewinnmarge abzusichern, ausserdem wächst dieses Geschäft auch stärker als jenes mit den Geräten." Die Sonova hatte im Mai die Übernahme des niederländischen Hörgeräte-Retailunternehmens AudioNova bekanntgegeben. "Nach der Akquisition des Fachhändlers Audio Nova wird jedes siebte Hörgerät, das wir produzieren, über unsere Ladentische gehen. Das wird an die 40% des Umsatzes beisteuern", sagte Braunschweiler. (NZZaS, S. 32)

SIX: Weil bei den Banken der Kostendruck steigt und sich gleichzeitig die Ertragsperspektiven verschlechtern, suchen sie zunehmend nach gemeinsamen Lösungsansätzen. In diese Bresche will die SIX springen mit der Idee einer Transaktionsbank. "Das Interesse ist gross an einer gemeinsamen Lösung", sagte URS Rüegsegger, Chef der SIX-Gruppe im Interview mit der Zeitung "Schweiz am Sonntag". Im Verwaltungsrat der SIX sei man sich einig, diese Idee voranzutreiben. "Die Stossrichtung ist definiert und unsere Aktionäre stehen geschlossen dahinter", so Rüegsegger. Konkret geht es darum, dass die Banken ihre Geschäftsprozesse im Hintergrund, das sogenannte Back Office, zusammenlegen sollen. Dabei soll die SIX "als gemeinsame Infrastrukturgesellschaft der Banken in Zukunft eine prominente Rolle einnehmen". (SaS, S. 20)

IFO-INSTITUT: Globalisierung und Zuwanderung - das sind auch in den Ländern des EU-Binnenmarkts Reizwörter. Clemens Fuest, Präsident der einflussreichen Münchner Denkfabrik Ifo-Institut, hält den Zeitpunkt für gekommen, dass im EU-Binnenmarkt über die Ausgestaltung der Personenfreizügigkeit nachgedacht wird. Oberflächlich betrachten scheint es keinen Mittelweg zu geben zwischen Globalisierung und Abschottung oder auf die Europäische Union bezogen: zwischen Zugang zum Binnenmarkt und nationaler Selbstbestimmung. Dieses vermeintliche Dilemma steckt hinter dem Brexit, es prägt aber auch das Verhältnis der Schweiz zur EU. Clemens Fuest relativiert im Interview mit der Zeitung "Schweiz am Sonntag" diesen vermeintlichen Gegensatz: "Wir müssen aufpassen, dass wir die Globalisierung nicht zum Sündenbock für alles machen." Mit Blick auf die Politik sagt er, dass "nationale Politiker gerne die EU für unpopuläre Entscheidungen verantwortlich machen". (SaS, S. 14)

SAWIRIS: Billig-Städte in Ägypten statt Flüchtlingsexodus: Der ägyptische Investor Samih Sawiris möchte eine Stadt bauen, um syrischen Flüchtlingen eine Alternative zur Flucht nach Europa zu bieten. Er hofft für sein Projekt auch auf Geld aus der Schweiz. "Ich bin immer noch überzeugt, dass es für alle das Beste ist, den Menschen in der Region eine Zukunft zu bieten", sagte Sawiris im Interview mit dem "SonntagsBlick". Als Vorbild für das Städteprojekt nennt er Haram City - eine Stadt mit Billig-Wohnungen, die er bei Kairo aufgebaut hat. 70'000 Menschen leben dort bereits. Eine Wohnung würde 20'000 Euro kosten. "Eine syrische Familie wäre damit sehr zufrieden." Vor längerer Zeit habe er vorgeschlagen, in Syrien an der Grenze zur Türkei eine solche Stadt zu bauen. "Die Türken waren sogar einverstanden, sie zu beschützen. Aber Europa hatte kein Interesse." Damals habe sich niemand dafür interessiert, weil die Flüchtlinge noch nicht massenweise nach Europa kamen.

SRG: Der SRG-Generaldirektor Roger de Weck dürfte in den nächsten zwei Jahren von seinem Posten abtreten. 2018 erreicht er das ordentliche Pensionsalter. Die Nachfolge des Generaldirektors beschäftigt bereits die SRG. "Die SRG bestätigt Überlegungen zur Nachfolge von Generaldirektor de Weck, da er 2018 das Pensionsalter erreicht", schreibt die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft in einer Stellungnahme vom Sonntag. Die "NZZ am Sonntag" hatte unter Berufung auf mehrere nicht genannte SRG-Verantwortungsträger über den "absehbaren" Rücktritt von de Weck berichtet. (NZZaS, S. 1,9)

FLUGHÄFEN: Der Bund geht von einem kräftigen Wachstum bei den Schweizer Flughäfen aus. Das Bundesamt für Raumentwicklung prognostiziert, dass die Zahl der Flugpassagiere in der Schweiz bis 2040 auf rund 80 Millionen steigen wird. Das bedeutet einen Anstieg von über 61 Prozent gegenüber der heutigen Zahl von 49,5 Millionen, wie die Zeitung "Schweiz am Sonntag" unter Berufung auf einen Bericht des Bundesamtes meldet. Der stärkste Anstieg dürfte der Flughafen Zürich erleben (+71 Prozent), aber auch Genf, Basel und Bern legen kräftig zu. Nur Lugano dürfte laut der Prognose an Passagieraufkommen verlieren. (SaS, S. 19)

tp/

(AWP)