Presseschau vom Wochenende 42 (22./23. Oktober)

Zürich (awp) - Nachfolgend eine Auswahl von Artikeln zu wirtschaftsrelevanten Themen aus der Presse vom Wochenende:
23.10.2016 16:41

NOVARTIS/ROCHE: Die "SonntagsZeitung" geht in einem längeren Artikel auf die Gründe ein, wieso Novartis sein grosses Aktienpaket an Roche (rund 1/3 der Inhaberaktien, Börsenwert 12,5 Mrd CHF) - entgegen der vor einigen Monaten bestätigen Absicht - noch nicht verkauft hat. Laut dem Blatt wäre für die Transaktion nämlich "alles parat" und Novartis müsste nur den Knopf drücken, um den Verkaufsprozess in Gang zu setzen. Im Moment sei der Exit allerdings "auf Eis gelegt", weiss da Blatt. Der Pharmagigant gebe das "Go for it" erst, wenn er das Geld aus dem Aktienverkauf strategisch sinnvoll reinvestieren könne. Der Verwaltungsrat wolle damit verhindern, dass das Geld verpufft. Für eine nachhaltige Lösung braucht es demnach einen parallelen Deal: Verkauf der Roche-Aktien, Kauf eines operativen Geschäfts, schreibt die Zeitung weiter. Sollte der Konzern hingegen das Dutzend Milliarden Franken aus dem Verkauf der Roche-Papiere auf der hohen Kante liegen lassen, würden Begehrlichkeiten aufkommen, die Novartis nur schwer abwehren könnte. Die Aktionäre würden dann auf eine Sonderdividende pochen und ein Aktienrückkaufprogramm verlangen, zudem würden Negativzinsen fällig. Ursprünglich hätte der Verkauf des Roche-Paketes noch dieses Jahr abgewickelt werden sollen, schreibt die Zeitung weiter. Aber selbst wenn in den kommenden Monaten am Horizont ein Übernahmeprojekt auftauchen sollte, dürfte der Verkauf erst nach der Roche-GV im März 2017 besiegelt werden, da Novartis die Dividendenzahlung einstreichen wolle. Quellen für die obigen News nennt die Zeitung keine, Novartis liess eine Anfrage von AWP bis zum Berichtszeitpunkt unbeantwortet. (SoZ p. 33/34)

FINANZPLATZ/MIRABAUD: Der Präsident der Schweizer Privatbankenvereinigung, Yves Mirabaud, sieht den Genfer und den Schweizer Finanzplatz durch die Masseneinwanderungsinitiative bedroht. Sollte es keine rasche Einigung mit der EU geben, würden Privatbanken markant Arbeitsplätze abbauen. Nachdem sich der Genfer Finanzplatz lange sehr gut gehalten hat, hat sich die Lage im ersten Halbjahr 2016 deutlich eingetrübt. Yves Mirabaud sieht diese Entwicklung jedoch lediglich als Vorbote dessen, was noch kommen könnte, wie er in einem Interview mit der "Sonntagszeitung" sagte. Finde die Schweiz keine Lösung mit der EU, seien die Schweizer Banken gezwungen, Filialen oder Niederlassungen in Europa zu gründen. Dabei gehe es nicht um die Frage, ob die Schweizer Banken überlebten, sagte Mirabaud. "Sondern ob sie Schweizer Banken bleiben oder Schweizer Banken im Ausland werden müssen - mit sämtlichen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt in unserem Land." (SoZ p. 34, siehe separater Artikel).

EMMI: Der Milchkonzern Emmi stösst mit seiner kürzlich verabschiedeten Nachhaltigkeitsstrategie offenbar auf Widerstand bei den Bauern. Ein Punkt in der grünen Emmi-Vision sorge für rote Köpfe, schreibt die Zeitung "Schweiz am Sonntag", denn für viele Milchbauern in Bergregionen seien die Emmi-Richtlinien in der Praxis nicht finanzierbar. In der Kritik steht offenbar vor allem Emmis Forderung, dass bis 2020 alle Lieferanten gewisse Haltungsbedingungen erfüllen müssten. Auch vom Hauptaktionär von Emmi, den Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP), werde die Geschäftsleitung kritisiert, schreibt das Blatt: "Über die Art und Weise, wie die Nachhaltigkeitsstrategie umgesetzt werden soll, sind wir nicht glücklich", sagt ZMP-Chef Pirmin Furrer gegenüber der Zeitung.

ZUR ROSE: Die Schweizer Medikamente-Versandhandelsgruppe Zur Rose hofft nach einem letzte Woche ergangenen Urteil des Europäischen Gerichtshofs zur Rabattpraktik der Tochtergesellschaft DocMorris auf wesentlich verbesserte Geschäftsbedingungen in Deutschland. "Wir haben einmal optimistisch 10% Marktanteil für Deutschland als Zielwert kalkuliert", sagte der CEO der Gruppe, Walter Oberhänsli, gegenüber der "NZZ am Sonntag". Derzeit liege der Marktanteil aller Versandhändler in Deutschland bei rund 2%. Gemäss dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes dürfen ausländische Medikamente-Versandhändler neu trotz deutschem Festpreis-Gesetz ihren Kunden Rabatte gewähren. Oberhänsli sieht nebst dem deutschen Markt auch in zahlreichen weiteren EU-Ländern Chancen für sein Unternehmen. Ganz Europa sei eine grüne Wiese in Bezug auf den Online-Medikamente-Vertrieb. "Deutschland ist noch nicht das Ende der Fahnenstange." (NZZaS p. 31)

BERLUSCONI: In der Affäre um die Mediaset-Gruppe von Silvio Berlusconi hat die Bundesanwaltschaft blockierte Gelder auf Schweizer Konten in Höhe von 140 Mio USD freigegeben. Ein italienisches Gericht hatte zuvor zwei Angeklagte letztinstanzlich freigesprochen. Die Bundesanwaltschaft (BA) verfügte am Freitag die Freigabe der gesperrten Gelder, wie BA-Sprecher André Marty auf Anfrage der Nachrichtenagentur erklärte. Mit den Freisprüchen in Italien sei auch das Rechtshilfeverfahren abgeschlossen. Marty bestätigte Berichte der "Zentralschweiz am Sonntag" und der "Ostschweiz am Sonntag". (siehe separater Artikel).

PERSONALISIERTE PREISE: Im September hat Detailhändler Migros bekanntlich ein Pilotprojekt gestartet, bei dem Cumulus-Kunden personalisierte Rabatte erhalten, die aufgrund ihres Einkaufsverhaltens berechnet werden. "Die ersten Erfahrungen zeigen, dass dies von unseren Kunden sehr geschätzt wird", sagt ein Migros-Sprecher nun zur "NZZ am Sonntag". Erfahrungen von Anbietern von Software für dynamische Preissetzung zeigten, wie viel das bringe: Damit liessen sich die Erträge rasch um bis zu 8% steigern, schreibt das Blatt. Personalisierte Rabatte würden künftig aber auch dazu führen, dass es weniger Aktionen im Laden selbst geben werde. Wer ein Produkt sowieso regelmässig kaufe, bezahle dann den vollen Preis, heisst es im Artikel. Nur noch den Kunden mit Kundenkarten schicke der Händler personalisierte Rabatte auf ihre App. Im Hintergrund rechneten Programme laufend aus, wie viel ein Kunde für einen Artikel zu bezahlen bereit sei. Der Trend zu personalisierten Preisen sei im Online-Handel gar noch stärker. Dort könnten von kaufkräftigeren Kunden höhere Preise verlangt werden; auch würden ihnen günstige Angebote vorenthalten, heisst es im Artikel. (NZZaS p. 29)

KUNSTSCHMUGGEL: Der Financier und Hotelbesitzer Urs E. Schwarzenbach soll über 200 Kunstwerke bei der Einfuhr in die Schweiz nicht oder falsch deklariert haben. Die Oberzolldirektion hat eine Busse von 4 Mio CHF verhängt. Die Oberzolldirektion in Bern hält in ihrer Verfügung vom 6. Oktober fest, dass Urs E. Schwarzenbach mehrfach vorsätzlich Mehrwertsteuern hinterzogen habe. Daniel Saameli, Sprecher des Eidg. Finanzdepartements (EFD), bestätigte Berichte der "NZZ am Sonntag" und der "SonntagsZeitung". Der 68-jährige Schwarzenbach soll über Jahre Kunstgegenstände am Zoll vorbeigeschleust haben, 123 Mal ganz ohne Anmeldung. In 27 Fällen liess Schwarzenbach Kunstwerke zwar verzollen, aber mit falschen Angaben. (SoZ p. 5, NZZaS p. 11, siehe separater Artikel)

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(AWP)