Presseschau vom Wochenende 47 (26./27. November)

Bern (awp/sda) - Nachfolgend eine Auswahl von Artikeln zu wirtschaftsrelevanten Themen aus der Presse vom Wochenende:
27.11.2016 16:59

NOVARTIS: Beim Pharmakonzern steht eine Übernahme des US-Generikaherstellers Amneal Pharmaceuticals nach Informationen der "Sonntagszeitung" nicht zur Debatte. Bei Novartis gehe man davon aus, dass ein derartiges Gerücht gestreut wurde, um die privat gehaltene Amneal als attraktives Übernahmeziel erscheinen zu lassen, schreibt das Blatt. Das Volumen der angeblich geplanten Transaktion sei auf 8 Mrd USD veranschlagt worden, Novartis habe aber mehrmals erklärt, sich auf Übernahmen von 1 bis 5 Mrd USD zu beschränken. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte Mitte November unter Bezug auf mit der Angelegenheit vertrauten Quellen berichtet, Novartis könnte mit dem Zukauf des US-Unternehmens seine Generika-Tochter Sandoz stärken. Die beiden Unternehmen könnten schon bald zu einer Einigung kommen, hiess es damals. (SoZ, S. 40)

UHREN: Für die seit einiger Zeit gebeutelte Schweizer Uhrenbranche ist Licht am Ende des Tunnels in Sicht: "Wir haben die Talsohle erreicht und im zweiten Halbjahr geht es wieder aufwärts", sagte der Chef der Uhrendivision des Luxusgüterkonzerns LVMH, Jean-Claude Biver, in einem Interview mit der "Sonntagszeitung" und der Zeitung "Le Matin Dimanche". Über das ganze Jahr erwarte er ein Plus von 2 bis 5% bei den Exporten. "2017 wird ein besseres Jahr, für die Welt und unsere Branche." Die Konjunktur in den USA gewinne richtig an Fahrt. "Die USA werden andere Wirtschaftsmächte mitziehen. Auch China wird profitieren", sagte Biver. "Wir stecken derzeit massiv Marketingkapazitäten in den chinesischen Markt." (SoZ, S. 38; siehe auch separate Meldung)

EMS-CHEMIE: Würde die Unternehmenssteuerreform III an der Urne scheitern, müsste die Bündner Ems-Chemie nach Angaben ihrer Chefin Magdalena Martullo-Blocher womöglich "vermehrt ins Ausland" ausweichen. "Wir können hier nur entwickeln und produzieren, wenn die Schweiz steuerlich wettbewerbsfähig bleibt", sagte die SVP-Nationalrätin im Interview mit der "Sonntagszeitung". Das Unternehmen habe 24 Produktionsstandorte im Ausland. "Andere Länder wie etwa Singapur bemühen sich sehr um uns." Bei einer Annahme der Reform, über die im Februar abgestimmt wird, rechne Ems-Chemie damit, dass sie dem Kanton Graubünden "etwa gleich viel Steuern abliefern" werde wie bisher. "Wir würden aber mehr Forschung und Entwicklung in der Schweiz betreiben und damit mehr investieren und mehr Arbeitsplätze schaffen." (SoZ, S. 11)

EMIRATES: Die Schweiz ist ein gutes Pflaster für die Fluggesellschaft Emirates, besonders der Standort Genf. Die Margen dort "gehören zu den grössten in unserem Netzwerk", wie Airline-Chef Tim Clark im Interview mit der Zeitung "Schweiz am Sonntag" sagte. Das hänge mit den in Genf ansässigen Banken und den internationalen Organisationen zusammen. "Diese Leute reisen nun mal gerne in den teureren Klassen". Zum allgemeinen Geschäft sagte, er die Schweiz sei sehr solide und bekomme die Volatilität in den europäischen Märkten viel weniger zu spüren. Bezüglich Ausbau in der Schweiz warte Emirates derzeit aber zu. Der Kanton Genf wünsche sich aber Direktflüge in die USA, was laut Clark nicht ausgeschlossen ist. (SaS, S. 18f.)

ZUWANDERUNG I: Vier von fünf Arbeitnehmern, die aus dem Ausland in die Schweiz ziehen, sind keine dringend benötigten Fachkräfte. Zu diesem Schluss gelangt eine bisher unveröffentlichte Untersuchung der Zürcher Volkswirtschaftsdirektion zur Situation in der ganzen Schweiz, über die die "NZZ am Sonntag" berichtete. Demnach werden vor allem im Detailhandel, in der Gastronomie und auf dem Bau Ausländer in die Schweiz geholt, obwohl in diesen Branche die Arbeitslosigkeit im Inland vergleichsweise hoch ist. Auch regional unterscheidet sich die Situation stark: Im Aargau und in Zürich decken Zuwanderer den Fachkräftemangel zu einem deutlich grösseren Teil als dies im Tessin oder in Genf der Fall ist. (NZZaS, S. 10f.)

ZUWANDERUNG II: Wird die Zuwanderungsinitiative nach dem sogenannten "Modell Müller" umgesetzt, überlegt sich die SVP nach Angaben von Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher "ernsthaft" ein Referendum. Inakzeptabel für sie ist vor allem die vorgesehene Begründungspflicht, wenn Stellenbewerber, welche die Arbeitsämter den Firmen vorgeschlagen haben, nicht eingestellt werden. Ohne diese Pflicht "könnten wir wohl auf ein Referendum verzichten", sagte die SVP-Wirtschaftschefin im Interview mit der "Sonntagszeitung". (SoZ, S. 11; siehe auch separate Meldung)

ARBEITSMARKT: SP-Nationalrat Corrado Pardini will einen Kernpunkt der SP-Politik ins Parlament bringen: Er werde in der Wintersession einen Vorstoss einreichen, mit dem die Entlassung von über 55-Jährigen erschwert oder ganz verhindert würde, sagte der Gewerkschafter dem "SonntagsBlick". Unternehmen sollen demnach bei jeder Entlassung beweisen müssen, dass ältere Arbeitnehmer nicht einfach durch einen jüngeren und billigeren ersetzt werden. Können sie den Nachweis nicht erbringen, sollen sie die Entlassung rückgängig machen müssen. Gewerbeverbandsdirektor und FDP-Nationalrat Hans-Ulrich Bigler lehnt die Idee ab: Mit solchen Regeln würde niemand mehr ältere Arbeitnehmer anstellen. ("Sonntagsblick")

UNTERNEHMENSSTEUERN: Unternehmen zahlen dem Staat immer mehr Steuern. Seit der ersten Unternehmenssteuerreform 1997 sind die Einnahmen aus ihren direkten Steuern von 7,5 auf 19,5 Mrd CHF pro Jahr gestiegen, wie die "Sonntagszeitung" unter Berufung auf offizielle Zahlen schreibt. Das Wachstum ist damit doppelt so gross wie bei den Einkommenssteuern von natürlichen Personen. Die Zahlen weisen laut der Zeitung darauf hin, dass der Plan des Bundes aufgeht, mit Steuersenkungen mehr Unternehmen ins Land zu locken und damit auch mehr Steuereinnahmen zu generieren. Firmen tragen verhältnismässig auch mehr zum Staatshaushalt bei: Der Anteil stieg seit 1997 von 18,7 auf 25%. (SoZ, S. 35f.)

INVESTITIONEN: Geht es nach dem Willen von Infrastrukturministerin Doris Leuthard sollen Schienen und Strassen gebaut, statt Schulden abgebaut werden. Die Bundesrätin strebt nach Informationen der Zeitungen "Zentralschweiz am Sonntag" und "Ostschweiz am Sonntag" einen neuen Umgang mit den sogenannten Kreditreste an. Mit diesen nicht ausgeschöpften Krediten baute der Bund seit 2006 rund 20 Mrd CHF Schulden ab. Angesichts tiefer Zinsen und langer Wunschliste der Kantone kommt diese Praxis nun aber unter Druck. Das Geld soll für Investitionen genutzt werden. Klarheit soll ein Bericht des Finanzdepartements bringen, der laut den Zeitungen im nächsten Jahre fertig sein soll. ("Zentralschweiz am Sonntag", "Ostschweiz am Sonntag")

SCHWEIZ - USA: Die Schweiz pflegt seit über einem Jahr Kontakte mit dem Team des nun gewählten US-Präsidenten Donald Trump. Bundesrat Didier Burkhalter ordnete schon im September 2015 eine Kontaktaufnahme an, weil er nach eigenen Worten stets an Trumps Siegchancen glaubte. Als er damals in den USA gewesen sei, habe er seinen Leuten gesagt, "es wäre gut, Kontakte ins Trump-Lager zu knüpfen", sagte der Aussenminister in einem Interview mit der Zeitung "Schweiz am Sonntag". Derzeit beobachte Bern die Situation und baue "ganz pragmatisch" Kontakte auf. "Wir arbeiten mit unseren Prioritäten. Wir schüren keine Ängste, passen uns aber auch nicht etwa vorsorglich an." (SaS, S. 3; siehe auch separate Meldung)

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(AWP)