Presseschau vom Wochenende 49 (10./11. Dezember)

Zürich (awp/sda) - Nachfolgend eine Auswahl von Artikeln zu wirtschaftsrelevanten Themen aus der Presse vom Wochenende:
11.12.2016 17:48

NEGATIVZINSEN: Wenn es um den Umgang mit Negativzinsen geht, spalten sich die Geister. So rechnet der Migros-Bank-Chef Harald Nedwed damit, dass viele Banken künftig Negativzinsen zumindest teilweise an ihre Kunden weitergeben werden. Mit einer Einschränkung: Kleinsparer haben laut seinen Aussagen gegenüber der "NZZ am Sonntag" nichts zu befürchten. Ganz anders sieht das hingegen Raiffeisen-Chef Patrik Gisel. Er erteilt der Weuitergabe von Negativzinsen an die Kunden in einem Interview mit der "Neuen Zürcher Zeitung" am Samstag eine Absage. "Bevor wir auch nur daran denken, Negativzinsen für Privatkunden einzuführen, werden wir nach Kompensationsmöglichkeiten suchen", sagte Gisel. "Die Kunden von Raiffeisen würden Negativzinsen nicht verstehen." (NZZaS, S.34; NZZ, S.35; siehe auch separate Meldung)

MIGROS: Der Detailhandelsriese Migros weitet sein Gesundheitsgeschäft aus und steigt in den Apothekenmarkt ein. Im kommenden Sommer wird erstmals eine Apotheke in einen Migros-Laden integriert. Die Migros überlässt der Apotheke und Ärztegrossistin Zur Rose Filialflächen. Geplant sei im Sommer 2017 die Eröffnung eines Zur-Rose-Shops in der Migros-Filiale an der Berner Marktgasse, kündigt Migros-Präsident Andrea Broggini im Interview mit der "SonntagsZeitung" an. Gleichzeitig kündigt der neue Handelsschef des Migros-Genossenschafts-Bunds (MGB) im Gespräch mit dem "Tagesanzeiger" an, dem Onlinehandel einen Schub geben zu wollen. So sollen Baustellen im Möbelgeschäft und Buchhandel entrümpelt werden, erklärt Beat Zahnd dem Blatt. (SoZ, S.41.; TA, S.11)

SWISSCOM: Die Swisscom scheint dem Projekt selbstfahrendes Auto nicht mehr das gleiche Potenzial zuzutrauen, wie noch vor gut einem Jahr. Wie die "Schweiz am Sonntag" berichtet, zieht sich der Telekomriese immer mehr aus den laufenden Projekten zurück. Ein Insider habe von einem "langsamen Absterben" gesprochen, so das Blatt. Diese Entwicklung habe sich aber bereits zu Beginn dieses Jahres abgezeichnet, als der zuvor eigenständige Bereich Mobility aufgelöst und in die Sparte Grosskunden integriert wurde. In der Folge sei es auch zu Abgängen beim Personal gekommen, etwa vom damaligen Leiter des Bereichs. Generell sei Mobilität zwar weiter ein Thema für die Swisscom, Mobilitätsdienstleistungen per se gehörten aber nicht dazu, schreibt das Blatt. Es sei nie die Absicht der Swisscom gewesen, selbstfahrende Fahrzeuge zu entwickeln.

ACTELION: Für die beiden Actelion-Gründer Jean-Paul und Martine Clozel wird es immer schwieriger, sich gegen einen Verkauf an Johnson & Johnson durchzusetzen. Wie die Zeitung "Schweiz am Sonntag" schreibt, fehlt ihnen zunehmend der Zuspruch der Aktionäre, die immerhin 95% an Actelion besitzen. Offenbar sitzen die beiden Gründer schon seit längerem mit den Amerikanern am Verhandlungstisch, schreibt das Blatt unter Berufung auf unterrichtete Kreise. Dabei ringen sie demnach um Zugeständnisse, um ihr Lebenswerk zu sichern. Für den CEO sowie die Forschungschefin sei die Zeit gekommen, um loszulassen, zitiert die "SaS" Kenner. Ob es zu einer Einigung mit den Amerikanern komme, dürfte sich in den nächsten Tagen entscheiden. (SaS, S. 24)

GATEGROUP: Offenbar kommen den Gategroup-Aktionären immer stärkere Zweifel, ob die Übernahme des Airline-Caterers durch den chinesischen HNA-Konzern tatsächlich zustande kommt. Als ein Indiz für die wachsende Unsicherheit führt die "Finanz und Wirtschaft" den aktuellen Gategroup-Kurs an, der unter dem Angebotspreis liegt. Dabei stehe dem Vollzug an sich nicht mehr viel im Weg. 98% der Aktien wurden HNA angedient und für den Rest haben die Chinesen eine Kraftloserklärung eingereicht. Auch die Aufsichtsbehörden hätten den Deal abgesegnet und HNA wartet demnach nur noch auf die Ausfuhrerlaubnis für das Geld. Allerdings hegen einige Anleger offenbar Zweifel an der Finanzkraft der HNA, nachdem der Mischkonzern sich zuletzt in einem regelrechten Kaufrausch befunden habe. Auch sei nicht sicher, ob sich nicht doch noch Behörden wie das US-Committee on Foreign Investment in the United States einschalten und die Übernahme unter die Lupe nehmen. (FuW, S. 6)

ADECCO: Für den Personalvermittler Adecco könnten raue Zeiten bevorstehen. Wie die "Schweiz am Sonntag" schreibt, bringt die voranschreitende Digitalisierung die Margen der grossen Zeitarbeits-Vermittler unter Druck. Denn neue Startups drängen sich mit niedrigeren Kosten und mehr Transparenz auf den Markt. Ein Beispiel sei Gigme, das erst vor wenigen Tagen in der Schweiz an den Start gegangen ist. Ein Grossunternehmen ist laut "SaS" bereits dabei, von einem der etablierten Vermittler zu Gigme zu wechseln. Anders als die grossen Spieler weise Gigme nämlich alle seine Abzüge online aus. So nehme Gigme bei Lohnkosten von beispielsweise 100 CHF zehn für die eigene Arbeit, während traditionelle Vermittler mindestens 22 CHF abzögen, schreibt das Blatt unter Berufung auf einen Branchenkenner. Demnach dürfte die Temporärbranche umgekrempelt werden. (SaS, S.22)

SIKA: Der Rechtsstreit um den Verkauf des Bauchemie-Konzerns Sika an die französische Saint-Gobain dürfte nicht nur zu den spektakulärsten zählen, laut einem Bericht der "NZZ am Sonntag", ist er schon jetzt einer der teuersten, den die Schweiz je gesehen hat. In dem Kampf des Verwaltungsrates gegen den Versuch der Burkhard-Erben, ihre Beteiligung von 16% an die Franzosen zu verkaufen, hätte bislang vor allem eine Heerschar von Beratern profitiert. Wie die Zeitung vorrechnet, belaufen sich die Ausgaben bei Sika auf schätzungsweise etwa 20 Mio CHF. Im April habe der Verwaltungsrat, die bis dahin angefallenen Kosten auf knapp 14 Mio CHF beziffert. Knapp die Hälfte davon floss an Anwälte. Kostspielig ist laut "NZZaS" aber auch die Öffentlichkeitsarbeit. Stundenhonorare von bis zu 900 CHF pro Stunde seien in der Krisenkommunikation möglich. Finanziell belastend dürfte die Auseinandersetzung vor allem für die Familie sein, denn Sika kann die Honorare über die Firmenkasse laufen lassen. (NZZaS, S.32)

FINMA: Die Inspektoren der Group d'action financière (GAFI ) der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) kritisieren die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA). Diese sanktioniere fehlbare Banken nur ungenügend. Jüngster Beleg dafür ist laut "SonntagsZeitung" und "Le Matin Dimanche" ein neuer Fall, wonach der Ex-Chef einer Bank trotz Strafverfahren und Betrugsvorwurf nahtlos bei der nächsten Bank in Leitungsfunktion weitermachen kann, ohne von der FINMA gestoppt zu werden. Bei den Vorwürfen in dem Fall geht es um Geldwäscherei. (SoZ, S.45)

ENERGIESTRATEGIE 2050 I: Mit Lonza und Stahl Gerlafingen machen sich laut "SonntagsZeitung" zwei der grössten Schweizer Stromverbraucher für die Energiewende stark. So erklärt Daniel Aebli, Chef des Stahlwerks Gerlafingen, ein Nein zur Energiestrategie wäre für seinen Konzern ein Nachteil. Vor allem störe ihn, dass sich der Hausverband Swissmem gegen die Energiestrategie einsetze, zitiert ihn das Blatt. Auch der Pharma- und Chemiezulieferer Lonza, der etwa 0,8% des Schweizer Stroms verbrauche, hält die Energiestrategie für einen Kompromiss. Sie sei besser als das, was man aktuell habe. (SoZ, S.47)

ENERGIESTRATEGIE 2050 II: GLP-Präsident Martin Bäumle macht sich derweil für das Zustandekommen des SVP-Referendums gegen die Energiestrategie 2050 stark. Bäumle habe das Referendum unterzeichnet, schreibt der "SonntagsBlick". Grund: Der Zürcher Nationalrat will eine Volksabstimmung. Es brauche einen Entscheid an der Urne. Nur so werde der anvisierte Umbau von fossilem und nuklearem auf erneuerbaren Strom demokratisch legitimiert. "Damit wäre der Ausstieg aus der Kernenergie für eine Generation auf sicheren Füssen." Er sei überzeugt, dass das Volk die Energiewende klar unterstütze. ("Sonntagsblick")

hr/

(AWP)

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