Presseschau vom Wochenende 50 (17./18. Dezember)

Bern (awp/sda) - Nachfolgend eine Auswahl von Artikeln zu wirtschaftsrelevanten Themen aus der Presse vom Wochenende:
18.12.2016 17:36

ACTELION: Chef des Pharmakonzerns Jean-Paul Clozel sorgt laut einem Medienbericht für Unruhe und Verärgerung unter Investoren. "Am Markt sind alle bereit für eine Übernahme - nur Clozel nicht", sagen Investoren laut der "Schweiz am Sonntag". Clozel sei Anfang der Woche nach New York gereist, um den Deal mit Johnson&Johnson abzuschliessen, heisst es unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertrauten Personen. Er soll im letzten Moment allerding mehr Geld verlangt haben. "Jean-Paul Clozels Affront in New York geschah wohl nicht in Absprache mit dem Verwaltungsrat", heisst es laut SaS aus M&A-Kreisen weiter. VR-Präsident Jean-Pierre Garnier müsse nun eine Mehrheit zugunsten der Aktionäre schaffen. Geschehe nicht bald etwas, wollen Investoren härter vorgehen. Sie könnten eine ausserordentliche GV fordern, um den VR auszuwechseln. Auch bestehe die Möglichkeit, die Aktien gemeinsam einem Bieter wie Sanofi anzudienen. (SaS, S. 22)

UBS I: Die Grossbank erhält der "Sonntagszeitung" zufolge dank einem neuen französischen Gesetz die Möglichkeit, sich von einem ihrer grössten Rechtsrisiken freizukaufen - dem Steuerstreit mit Frankreich. Ein Prozess mit Forderungen in Milliardenhöhe droht, aber ein Vergleich war für die Bank bisher nicht möglich, ohne ein Schuldeingeständnis abzugeben. Mit dem neuen Gesetz ändere sich das, schreibt die SoZ. Laut dem neuen Gesetz sind Verhandlungen über Vergleiche mit Unternehmen auf Initiative der Staatsanwaltschaft möglich. Voraussetzung dafür sei, dass der Prozess noch nicht begonnen hat. Die UBS wollte gegenüber der SoZ nicht kommentieren, ob sie beabsichtige auf Verhandlungen einzutreten. Denn das Problem Frankreich mit einem Vergleich rasch aus der Welt zu schaffen, könnte für die UBS teuer werden, heisst es. (SoZ, S. 35ff.)

UBS II: CEO Sergio Ermotti streicht in einem Rückblick auf die vergangenen fünf Jahre die Regelung offener Rechtsstreitigkeiten als am ehesten frustrierend hervor. Der Steuerstreit mit Frankreich sei "politisiert", sagte er in einem Interview mit der "NZZ" (Samstagausgabe). Dort hätten sowohl die Regierung als auch andere Banken lange gedacht, dies sei nur ein UBS-Thema und diese alleine gelassen, obwohl es um ein Problem der Schweiz gehe. Zum aktuellen wirtschaftlichen Umfeld meinte Ermotti zudem: "Wir leben derzeit in einem perfekten Sturm." Das schwache globale Wachstum, die Niedrigzinsen, die von Konflikten geprägte geopolitische Lage, die Flut an regulatorischen Vorgaben, die neuen Technologien - er könne nicht sagen, welche der Herausforderungen die anspruchsvollste ist. (NZZ Samstagausgabe S. 31; siehe auch separate Meldung)

ABB: Der Industriekonzern verspricht sich von der Ära Trump Chancen. "Donald Trump hat grosse Infrastrukturprojekte versprochen, wie gehen davon aus, dass er diese Pläne realisiert", sagt ABB-Präsident Peter Voser im Interview mit der "NZZ am Sonntag". Das werde Chancen für das Unternehmen eröffnen. Die USA hätten veraltete Stromnetze und das Land befinde sich in einer Phase der Reindustrialisierung. Die politischen Unsicherheiten vor den US-Wahlen und nach dem Brexit belasteten aber das Geschäftsumfeld. Das dritte Quartal sei unter anderem dadurch geprägt gewesen, erklärte Voser. (NZZaS, S. 34; siehe auch separate Meldung)

TWINT: Bis in zehn Jahren ist das Bezahlen mit dem Handy in Läden Alltag. Twint-Präsident Jürg Weber rechnet aber beim Start der neuen Bezahl-Lösung noch nicht mit einem Boom. Zuerst müssten sich andere Dienstleistungen mit der Bezahl-App etablieren, etwa Geldüberweisungen von Person zu Person, sagt Weber im Interview mit dem "Sonntagsblick". "Zahlen im Laden ist nicht die erste Priorität." Twint wird im April lanciert. Die App müsse noch benutzerfreundlicher werden, sagt Weber. Er nennt als Beispiel die kontaktlose Technologie NFC. ("Sonntagsblick"; siehe auch separate Meldung)

POST: Die Post plant bis 2020, "Sach- und Personalkosten in der Höhe von rund 30%" einzusparen. Das geht aus einem internen Schreiben der Konzernleitung von Anfang Dezember hervor, wie "Sonntagszeitung" und "Sonntagsblick" berichten. 1400 bis 1500 Personen der 62'000 Angestellten arbeiten in den betroffenen Bereichen. "In den nächsten Jahren ist mit Stellenabbau zu rechnen", wird Post-Sprecher Oliver Flüeler zitiert. Die angepeilten Einsparungen von 30% bedeuteten allerdings "in keiner Weise, dass jede dritte Stelle" des Personalbestandes abgebaut werde. Laut SoZ ist postintern die Rede von 300 gefährdeten Stellen. Im Oktober hatte die Post angekündigt, dass bis zu 600 Poststellen geschlossen würden. Laut der SaS geht die Gewerkschaft Syndicom aber davon aus, dass 1220 der 1400 Poststellen keine langfristige Zukunft haben. (SoZ, S.39; SaS, S. 9; "Sonntagsblick"; siehe auch separate Meldung)

DETAILHANDEL I: Für das Gesamtjahr 2016 gehen die Warenhäuser Jelmoli und Globus von leicht rückläufigen Umsätzen aus. "Auf Jahresbasis werden wir etwa 2% unter Vorjahr abschliessen", schätzt Jelmoli-Chef Franco Savastano gegenüber der "NZZ am Sonntag". Globus-Chef Thomas Herbert erwartet ein Minus von gut 1%. Savastano kritisiert zudem die eigene Branche, auch mit Blick auf das derzeit laufende Weihnachtsgeschäft. "Wir sind über die massiven und frühen Rabatte der Mitbewerber beunruhigt. Das ist in diesem Ausmass neu. Damit gibt die Branche kein gutes Zeichen nach aussen." (NZZaS, S.29)

DETAILHANDEL II: Laut einer der "NZZ am Sonntag" vorliegenden Umfrage des Beratungsunternehmens A.T. Kearney haben die Schweizer pro Kopf im Jahr 2015 nur 37 CHF für Online-Lebensmittel ausgegeben. In Grossbritannien sind es 165 CHF, in Frankreich 73 CHF und in Deutschland 20 CHF. Ferner haben laut der Studie in der Schweiz 55% der Befragten noch nie Lebensmittel online bestellt. Dies vor allem, weil sie mit dem stationären Angebot zufrieden sind. Auch fehlt ihnen die Möglichkeit, die Produkte anzufassen. Vielen sind zudem die Versandkosten zu hoch. (NZZaS, S. 29)

GRENZGÄNGER: Die EU denkt bei der Arbeitslosenentschädigung für Grenzgänger über einen Systemwechsel nach, der in der Schweizer Arbeitslosenversicherung Mehrkosten von hunderten Millionen Franken verursachen könnte, wie die "NZZ am Sonntag" berichtet. Laut dem Vorschlag der EU-Kommission von letzter Woche sollen Grenzgänger, die ihre Stelle verlieren, künftig dort Arbeitslosengeld erhalten, wo sie das letzte Jahr gearbeitet haben. Derzeit ist dafür hauptsächlich der Heimatstaat zuständig. In der Schweiz sind laut der Zeitung über 314'000 Grenzgänger tätig. Diese bezahlen hierzulande Arbeitslosenbeiträge, wenn sie aber ihre Stelle verlieren, tragen die Heimatstaaten einen Grossteil der Kosten. (NZZaS, S.10)

ZUWANDERUNG I: SVP-Stratege Christoph Blocher hat sich offenbar Anfang Jahr bereit erklärt, die Masseneinwanderungsinitiative fast genauso umzusetzen, wie es das Parlament nun beschlossen hat. Das geht aus einem Sitzungsprotokoll einer Arbeitsgruppe der Wirtschaft und der bürgerlichen Parteien hervor, aus dem die "Sonntagszeitung" zitiert. Demnach waren an der Sitzung der Gruppe, die eine wirtschaftsfreundliche Lösung zur Umsetzung des Zuwanderungsartikels suchte, neben Wirtschaftsvertretern auch Abgesandte der CVP, FDP-Ständerat Philipp Müller und Blocher vertreten. Letzterer soll im März gesagt haben, "Höchstzahlen sollen keine ins Gesetz geschrieben werden". Mit einem Inländervorrang bei Berufsgruppen mit übermässiger Arbeitslosigkeit "könnte man wohl einverstanden sein", so Blocher. Heute sagt Blocher laut der Zeitung, er sei zu keinem Zeitpunkt bereit gewesen, auf Kontingente zu verzichten. (SoZ, S.4)

ZUWANDERUNG II: SP-Bundesrätin Simonetta Sommaruga soll das Dossier zur Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative abtreten. Das fordern laut "Zentralschweiz am Sonntag" und "Ostschweiz am Sonntag" die Kantone und der Schweizerische Gewerbeverband. Nachdem die Bundesversammlung die gesetzliche Umsetzung der Initiative besiegelt hat, muss der Bundesrat nun in Verordnungen zu den Gesetzesänderungen Details festlegen. Der Gewerbeverband hat in einem Schreiben an den Bundesrat angeregt, die Umsetzung dem Wirtschaftsdepartement zu übergeben, zumal Arbeitsmarktmassnahmen traditionell von diesem überwacht würden. Die Konferenz der Kantonsregierungen (KdK) teilt diese Forderung und begründet sie damit, dass die ganze Arbeitslosenversicherung beim Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) bearbeitet werde, das wiederum beim Wirtschaftsdepartement angesiedelt sei. ("Zentralschweiz am Sonntag"; "Ostschweiz am Sonntag")

FIFA: Präsident Gianni Infantino sieht grossen Nachholbedarf im Bezug auf Transparenz im Fussballgeschäft. "Wenn es um die Geldflüsse im Fussball geht, haben wir noch ziemlich viel Arbeit vor uns", sagte er im Interview mit der "Schweiz am Sonntag". Insbesondere das Transfergeschäft müsse transparenter gestaltet werden. "Erstmals vollkommen transparent" werden laut dem FIFA-Boss die Einnahmen durch die Fussball-WM zwischen 2015 und 2018 veröffentlicht. Der Weltverband rechnet hier mit 5,6 Mrd CHF. Eine internationale Auditfirma sei damit beauftragt worden zu untersuchen, wohin die Gelder früher geflossen seien. Infantino äussert sich auch zum Thema Frauenfussball. Er möchte, dass dieser eine Weltliga bekommt. (SaS, S. 16f.)

SPENDEN: Die Mehrheit der Spender in der Schweiz interessiert sich nicht, ob ihr Geld auch etwas bewirkt. Laut einer Studie des Center for Development and Cooperation der ETH Zürich wollten lediglich 18% der Teilnehmer Informationen über die Wirkung ihrer Spende haben, wie die "NZZ am Sonntag" berichtet. "Den meisten ist beim Spenden offenbar das Wohlgefühl an sich, etwas gespendet zu haben, wichtiger", sagt Studienleiterin Isabel Günther der Zeitung. Dieses Phänomen nennt sich "warm-glow giving". Drei Viertel der Schweizer Bevölkerung hat letztes Jahr Geld gespendet. Insgesamt gingen so rund 1,8 Mrd CHF an Hilfswerke. 2015 investierte die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) 51,3 Mio CHF in die Entwicklungsforschung. (NZZaS, S. 57f.)

UNTERNEHMEN BERECHNEN ZU VIEL: Die Eidg. Finanzkontrolle (EFK) hat in den letzten zehn Jahren bei knapp zwei Dutzend Beschaffungen des Bundes eine Preisprüfung durchgeführt. Dabei kam sie laut "Sonntagszeitung" und "Le Matin Dimanche" zum Schluss, dass etwa in der Hälfte der Fälle die Rechnungen an den Bund zu hoch waren. Sie verordnete einen Preisnachlass und sparte so über 2 Mio CHF Steuergelder. EFK-Chef Michel Huissoud ist überzeugt, dass für den Bund noch mehr drin läge, denn der grösste Teil der Monopolgeschäfte wird nie geprüft. Wegen Ausnahmebestimmungen und Monopolstellungen kann der Bund laut den Zeitungen bei Beschaffungen oft nicht zwischen mehreren Anbietern auswählen. (SoZ S. 8; "Le Matin Dimanche"; siehe auch separate Meldung)

VERDACHT AUF TERRORFINANZIERUNG: Die Schweizer Bundesanwaltschaft (BA) ermittelt gegen zwanzig Personen wegen des Verdachts auf Terrorfinanzierung. Insgesamt laufen sechs Strafverfahren, wie eine BA-Sprecherin der "NZZ am Sonntag" bestätigt. Demnach spielen Stiftungen, Vereine oder andere juristische Personen im Kontext der Terrorfinanzierung immer wieder eine Rolle. Laut der Zeitung stehen unter anderem eine Stiftung im Kanton Genf und ein Verein in der Stadt Bern unter Verdacht. Laut einem Bericht der internationalen "Financial Action Task Force" zur Bekämpfung von Geldwäscherei sind in der Schweiz bezüglich Terrorfinanzierung kleinere religiöse Stiftungen "besonderen Risiken ausgesetzt". (NZZaS, S. 11; siehe auch separate Meldung)

KÜRZUNG BEIM BUNDESPERSONAL: Die beschlossene Kürzung beim Bundespersonal von 50 Mio CHF im Bundesbudget führt laut Finanzminister Ueli Maurer nicht zu Entlassungen. Der Betrag entspreche 0,8% der gesamten Personalausgaben. "Das können wir auffangen, indem wir unter anderem 2017 einige Stellen vorübergehend nicht neu besetzen", sagte Maurer in einem Interview mit dem "Sonntagsblick". Er kritisierte allerdings die Querschnittkürzungen als nicht nachhaltig. Besser wäre es, zu sagen, welche Ausgaben der Staat nicht mehr erfüllen soll. Als Beispiel nannte er das Bundesamt für Wohnungswesen: "Könnte man solche Aufgaben nicht privatisieren und einen Leistungsauftrag geben? Das könnte effizienter sein." Aber es gebe überall Sparpotenzial. ("Sonntagsblick")

ys/

(AWP)