Presseschau vom Wochenende 6 (09./10. Februar)

Nachfolgend eine Auswahl von Artikeln zu wirtschaftsrelevanten Themen aus der Presse vom Wochenende:
10.02.2019 17:43

CREDIT SUISSE: Urs Rohner, der Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse, will offenbar das Investmentbanking nicht mehr weiter verkleinern. "Die Investmentbank insgesamt bleibt für uns wichtig", sagte er in einem Interview mit der "Schweiz am Wochenende". "Wir erachten eine Grösse von 60 Milliarden risikogewichteter Aktiven als vernünftige Grösse für unser Handelsgeschäft." Und mit weniger könne man dieses Geschäft kaum betreiben. Das Investmentbanking bleibe wichtig, auch zur Unterstützung grosser Kunden in der Vermögensverwaltung. "Wir sind so aufgestellt, dass die Volatilitätsausschläge kleiner sind und nicht in einem Jahr auf einmal riesige Verluste anfallen können." Im Bereich Fusionen & Übernahmen sei die CS zudem mittlerweile die einzige europäische Bank, welche mit den Amerikanern mithalten könne. Nach dem starken Stellenabbau der vergangenen Jahre und der Verlagerung von Tätigkeiten ins Ausland meinte Rohner in diesem Zusammenhang, dass "die Digitalisierung zu einer weiteren Reduktion heutiger Stellen" führen werde, dass auf der anderen Seite aber auch neue Jobs geschaffen würden. (SaW, S. 10; siehe separater Artikel)

UBS: UBS-CEO Sergio Ermotti soll schon bald in den Verwaltungsrat wechseln. Im Gegensatz zu Äusserungen Ermottis an der Bilanzmedienkonferenz vor zwei Wochen, soll es bis zu einer Veränderung an der Bankspitze nicht mehr Jahre dauern. Dies zumindest schreibt die "SonntagsZeitung" in einem Artikel mit Verweis auf "Vertraute" des Tessiner Bankers. Ermotti will demnach nicht aus der Bank ausscheiden, sondern das Präsidium des Verwaltungsrats übernehmen. Das wahrscheinlichste Szenario ist gemäss der Zeitung, dass die Bank innerhalb der kommenden zwölf Monate den Wechsel Ermottis in den VR bekanntgibt, wo er während einer "Cool Off"-Phase den Abgang des Präsidenten Axel Weber im Jahr 2022 abwarten soll. (SoZ, S. 35)

PANALPINA/DSV: Der dänische Logistikkonzern DSV ist in seinen Bemühungen um eine Übernahme von Panalpina offenbar zu Konzessionen bereit. DSV wäre bereit, der Ernst-Göhner-Stiftung (ESG), dem Hauptaktionär von Panalpina, bei weichen Themen entgegenzukommen, schreibt die "Finanz und Wirtschaf" mit Verweis auf mehrere Finanzmarktakteure, welche mit DSV an einem Investorentag am Freitag in London Kontakt gehabt hätten. Gemäss dem Artikel wäre DSV auch bei der Ausschüttungspolitik flexibel. (FuW, S. 6)

5G: Eine rasche Einführung des neuen 5G-Mobilfunkstandards in der Schweiz ist laut der "NZZ am Sonntag" gefährdet. Die Schweiz brauche nämlich dafür noch einmal so viele Handyantennen, wie es bereits gibt. "Wir gehen davon aus, dass ohne Anpassung der Anlagegrenzwerte rund 15'000 zusätzliche Mobilfunkstandorte neu gebaut werden müssen, sagte Christian Grasser, der Geschäftsführer des Branchenverbands Asut, gegenüber der Zeitung. Die bestehenden Anlagen stiessen an ihre Leistungsgrenzen, weil der mobile Datenkonsum stark steige und die Sendeleistungen sich aufgrund strenger Strahlenschutzvorschriften nicht erhöhen dürften. "Rund zwei Drittel aller Standorte in der Schweiz und weit mehr als 90 Prozent der Standorte in Städten und Agglomerationen weisen nicht genügend Reserven auf, um 5G leistungsfähig einzusetzen", sagte Grasser weiter. Er bezweifele zudem, dass es innert nützlicher Frist möglich sein werde, die zusätzlich benötigten neuen Antennen aufzustellen. (NZZaS, S. 1,27)

PENSIONSKASSEN GEGEN NEGATIVIZINSEN: Die Pensionskassen der Schweiz wehren sich gegen die Negativzinsen der Nationalbank (SNB). Der Direktor des Schweizerischen Pensionskassenverbands, Hanspeter Konrad, begrüsst einen Vorstoss verschiedener Politiker mit der Forderung an die SNB, die jährlichen Einnahmen von rund 2 Milliarden Franken aus den Negativzinsen an die Pensionskassen zu überweisen, wie die "NZZ am Sonntag" schreibt. Alle Massnahmen, die eine Korrektur dieser Negativzinsen fordern und bewusst ein Zeichen gegenüber der Nationalbank setzen würden, seien zu unterstützen, zitiert die Zeitung Konrad. "Die Negativzinsen stellen ein Ärgernis dar und belasten alle Versicherten zusätzlich." (NZZaS, S. 1,35)

KLIMA-STEUER AUF FLÜGE: Die Forderung sich für den Umweltschutz einsetzender Jugendlicher nach einer Klima-Abgabe auf Flugreisen stösst offenbar bei Politikern bürgerlicher Parteien mittlerweile auf offene Ohren. In der zuständigen Kommission des Ständerats zeichnet sich laut einem Artikel der "NZZaS" eine Mehrheit für diese Klima-Abgabe ab. "Es ist schlicht unsinnig, dass wir quasi gratis in der Welt herumfliegen", zitiert die Zeitung BDP-Ständerat Werner Luginbühl. Mittlerweile setze sich gar der Bauernverband für diese Forderung ein. (NZZaS, S. 1,8,9,18)

ATOMENERGIE: Die Atomlobby bringt laut der "SonntagsZeitung" eine Rückkehr zur Kernkraft der Schweiz ins Spiel. Den Anfang mache Hans-Ulrich Bigler, Präsident des Nuklearforums und Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes SGV. Er fordere, dass mittelfristig der eben erst beschlossene Atomausstieg wieder aufgehoben werde. Rückenwind verspüre der Zürcher FDP-Nationalrat ausgerechnet von der Klimadebatte. "Werden die CO2-Reduktionsziele hoch angesetzt oder die Gletscher-Initiative angenommen, wird man ernsthaft über die Aufhebung des Kernkraftverbots und den Einstieg in neue Kernkrafttechnologien nachdenken müssen", sagte Bigler der Zeitung. Noch fehle zwar die Bereitschaft in ein Atomkraftwerk zu investieren. "Neue Reaktortypen, die Sicherheit gewährleisten und das Abfallproblem lösen, werden aber dazu führen, dass es wieder Investoren gibt", betonte er. Biglers Standpunkt werde von Politikern aus dem rechtsbürgerlichen Lager geteilt. Legitimiert sähen sich die Anhänger der Atomenergie auch durch die Intervention von Bill Gates. Der Microsoft-Gründer sagte kürzlich, die Atomkraft sei die einzige Lösung des Klimaproblems und er forderte deshalb mehr Investitionen in neue Nukleartechnologien. (SoZ, S.

KICKBACK-ZAHLNGEN AN LABORS: Die "NZZ am Sonntag" schreibt über fragwürdige Kickback-Praktiken von Labors an Ärzte. Die Zeitung beruft sich dabei auf verschiedene Vorfälle in Genf und schildert einen Musterbeispiel. Für jährliche Aufträge im Wert von 166'000 Franken würde ein Arzt eine Rückzahlung von zehn Prozent des Umsatzes erhalten. Sogenannte Retrozessionen seien gemäss Experten aber nur erlaubt, falls sie als Rabatte an Patienten gingen, schreibt die Zeitung weiter. Der Branchenverband Santésuisse schätze, dass die Belastung durch Kickback-Verträge für die Prämienzahler bei rund zehn Millionen Franken liege. (NZZaS, S. 11)

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(AWP)