Presseschau vom Wochenende 6 (25./26. Februar)

Nachfolgend eine Auswahl von Artikeln zu wirtschaftsrelevanten Themen aus der Presse vom Wochenende:
26.02.2017 15:21

CLARIANT: Der Basler Spezialitätenchemie-Hersteller Clariant will selbständig bleiben. "Wir wollen nicht übernommen werden, und in der Branche ist das bekannt - und im Sinne gegenseitigen Respekts auch anerkannt", sagte CEO Hariolf Kottmann im Interview mit der "Finanz und Wirtschaft" (Ausgabe 25.2., nicht online). "Dass Clariant eine attraktive Gesellschaft ist, unterschreibe ich sofort, und es wäre kein gutes Zeichen, wenn andere das nicht genauso sähen", meinte er weiter. Doch in den bald neun Jahren, die er im Unternehmen sei, habe ihn noch kein einziger Kollege aus der Branche ernsthaft auf das Thema angesprochen. Nicht nur der CEO ist gegen eine Übernahme, sondern der ganze Verwaltungsrat und das Management seien es unisono, so Kottmann. "Wir wollen Clariant unter den heutigen Voraussetzungen als unabhängige und eigenständige Firma weiterentwickeln, weil wir damit die besten Chancen sehen, Wert zu schaffen", sagt er dazu. (FuW p. 6, siehe auch separate Meldung)

WOHNEIGENTUM/IMPLENIA: 2016 wurden zwei Drittel aller Wohnungen, die der grösste Schweizer Baukonzern Implenia herstellte, als Renditeliegenschaften vermietet, lediglich ein Drittel wurde als Stockwerkeigentum verkauft. Vor drei Jahren war das aber noch umgekehrt. Implenia-Chef Anton Affentranger stellte in einem Interview mit der "Schweiz am Sonntag" weiter fest, dass Wohneigentum auch weniger in Mode sei als noch vor einem Jahr. Zu dieser Umkehr sei es gekommen, weil sich weniger Käufer fänden, insbesondere im Hochpreissegment. "Die Zinsen sind sehr tief, dennoch machen die hohen Preise das Wohneigentum weniger attraktiv", erklärte Affentranger. Ausserdem würden die Banken ihre Hypotheken strenger vergeben. Implenia scheint mit der Situation aber nicht unglücklich zu sein: "Wir wollten das so: Stockwerkeigentum verkaufen wir selbst, da haben wir mehr Risiko. Mietwohnungen stellen wir für institutionelle Investoren her, wie Pensionskassen", erläuterte er.(SaS p. 22, siehe auch separate Meldung)

AXPO: Der Nordostschweizer Stromriese propagiert eine CO2-Abgabe, die auf dem gesamten in der Schweiz verbrauchten Strom erhoben werden soll. Der Strompreis für Firmen und Private würde dadurch gemäss Axpo-Schätzungen um rund 5% steigen. Laut Axpo-Chef Andrew Walo könnte das Modell bereits ab 2021 eingeführt werden und würde pro Jahr rund 500 bis 600 Mio CHF bringen. Walo begründete die Pläne in einem Interview mit der "SonntagsZeitung" damit, dass der Strompreis auf dem Grosshandelsmarkt heute so tief sei, dass niemand mehr Geld in die Sanierung oder den Bau von Kraftwerken stecke. (SoZ p. 32, siehe auch separate Meldung)

LIFEWATCH/AEVIS: Der Verwaltungsrat und das Management des Telemedizin Unternehmens Lifewatch sind bekanntlich nicht erfreut über den Übernahmeversuch durch den Gesundheitskonzern Aevis (Kaufangebot wurde am 20. Februar veröffentlicht). Das Gremium wolle mit alternativen Kaufinteressenten den Übernahmeversuch von Aevis-Mehrheitsaktionär Antoine Hubert verhindern, schreibt die "Schweiz am Sonntag" mit Bezug auf Bankenkreise. Entsprechende Gespräche mit Interessenten im Medtech-Bereich liefen derzeit. Als strategischer Partner käme gemäss dem Artikel etwa der Medizinaltechnik-Bereich von General Electric (GE Medical Systems) in Frage. (SaS p. 23)

LASTMINUTE: Die Online-Reiseagentur Lastminute.com hat sich im Geschäftsjahr 2016 operativ aus den roten Zahlen herausgearbeitet. Der Umsatz nahm um 5% auf 262 Mio EUR zu und der bereinigte EBITDA erreichte 28,5 Mio EUR, letzterer nach einem Fehlbetrag von 0,5 Mio im Jahr davor. Die EBITDA-Marge ist mit 10,9% aber im Industrievergleich im unteren Bereich. CEO Fabio Cannavale sagte dazu gegenüber der "Finanz und Wirtschaft" vom Samstag: "Wir könnten mehr liefern, aber wir wollen stark in unser Geschäft investieren - wie Amazon." In erster Linie hohe Investitionen ins Geschäft würden die Marge drücken - "aber das ist unsere Entscheidung." Cannavale sieht auch nach dem Kauf der spanischen Rumbo 2012 weitere mögliche Zukäufe: "Es gibt jede Menge Möglichkeiten im Europa", so der CEO. Jedes Jahr schaue sich sein Team im Durchschnitt fünfzig potentielle Kandidaten an.

STADLER: Ob die Thurgauer Firma von Ex-Nationalrat Peter Spuhler wie geplant Züge nach Kalifornien liefern kann, ist laut "Schweiz am Sonntag" ungewiss. Stadler hatte den Zuschlag erhalten, Doppelstockzüge für 551 Mio USD nach Kalifornien zu liefern - für die prestigeträchtige Strecke von San Francisco ins Silicon Valley. Doch jetzt habe die Regierung von Präsident Donald Trump das Projekt blockiert, heisst es im Artikel. Die Freigabe der Subventionen für die Erneuerung der Bahnlinie sei überraschend verweigert worden. Spuhler sagte gegenüber dem Blatt: "Eine Zusage...steht bislang aus. Sie war für Anfang März in Aussicht gestellt worden, verzögert sich nun aber." (SaS p.1/21)

UNTERNEHMENSSTEUER-REFORM I: Finanzminister Ueli Maurer will nach der Ablehnung der Unternehmenssteuerreform III bis im Sommer die Eckwerte einer neuen Vorlage festlegen. Maurer müsse dabei von "der verheerenden Politik abrücken, welche steuerpolitisch für die Schweiz tödliche Konzessionen gegenüber der OECD gebracht" habe, fordert SVP-Nationalrat Alfred Heer, Präsident der Schweizer Delegation des Europarats, im "SonntagsBlick". Der SVP-Bundesrat müsse lernen, wie "die internationalen Gremien für Finanzfragen funktionieren und das Steuerregime der Schweiz verteidigen". Denn weder die EU noch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) seien sich darin einig, wie Steuerparadiese effektiv zu bestrafen seien. Von ausländischem Druck könne keine Rede sein. (SoBli)

UNTERNEHMENSSTEUER-REFORM II: Nach dem Volksnein zur Unternehmenssteuerreform III hat der staatliche französische Standortförderer "Business France" umgehend reagiert und in der Westschweiz intensiv um Unternehmen geworben, wie die "NZZ am Sonntag" berichtet. Nur einen Tag nach der Abstimmung hätten zahlreiche Firmen eine Mail von "Business France" erhalten. "Frankreich offeriert forschenden Unternehmen die attraktivste steuerliche Behandlung innerhalb der EU", heisst es darin etwa. Laut dem Waadtländer Finanzminister Pascal Broulis kommt der Druck auf den Firmenstandort Schweiz auch aus den USA, aus Luxemburg, den Niederlanden und Belgien. (NZZaS p. 8)

ECONOMIESUISSE I: Der Präsident des Industrieverbandes Swissmem, Hans Hess, sieht nach dem Nein zur Unternehmenssteuerreform III keinen Anlass für einen personellen Wechsel beim Wirtschaftsdachverband Economiesuisse. Den Appell von SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner gegen die Economiesuisse-Spitze bezeichnet er gegenüber der "Schweiz am Sonntag" als "schlechten Stil". Man müsse sich vielmehr fragen, ob die Vorlage wirklich mehrheitsfähig gewesen sei, sagte Hess in einem Interview mit der "NZZ am Sonntag". Wichtig sei es nun, den Dialog zu suchen und die Vorlage besser auszutarieren und zu erklären. Einer Kapitalgewinnsteuer in einer neuen Vorlage erteilt Hess eine Absage. (NZZaS p. 27)

ECONOMIESUISSE II: Die Gruppe von Unternehmern um SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner, die im Zuge der Ablehnung der Unternehmenssteuerreform III den Wechsel an der Spitze des Wirtschaftsdachverband Economiesuisse fordert, ist auf neun Personen angewachsen. Laut der "Schweiz am Sonntag" tagten die Beteiligten am Donnerstag im Tessin. Dabei wurde offenbar über Organisation und inhaltliche Ausrichtung des Verbands, dem die Unternehmer angehören, diskutiert. Der Club plädiere dafür, die Fusion aus dem Jahr 2000 rückgängig zu machen und "Economiesuisse wieder in eine Wirtschaftsförderung und einen Vorort" aufzuteilen. (SaS p.7)

uh

(AWP)