Raiffeisen-Chef: Investnet-Beteiligung bei Finma-Verfahren im Fokus

Das Verfahren der Finanzmarktaufsicht Finma gegen Raiffeisen dreht sich offenbar um die Mehrheitsbeteiligung Investnet. Laut Raiffeisen-Chef Patrik Gisel stehen nach einem eigenen Governance-Check die Entscheidungsprozesse, die zu der Beteiligung geführt haben, im Fokus.
06.11.2017 17:27

Es gehe darum, wie die Verträge gestaltet und aufgegleist wurden, sagte Gisel im Interview mit der "Finanz und Wirtschaft", das am Montag online veröffentlicht wurde. Investnet berät kleine und mittlere Unternehmen und versorgt sie mit Investitionskapital.

Nach dem Governance-Check, den Raiffeisen intern Ende 2016 initiiert und im Frühjahr/Sommer 2017 abgeschlossen habe, seien die Prozesse und Strukturen allgemein angepasst worden, sagte Gisel.

Vor einer Woche hatte die "SonntagsZeitung" bekannt gemacht, dass die Finma ein Verfahren zu Corporate-Governance-Themen, also zur guten Unternehmensführung, bei der Bankengruppe eingeleitet hat. Laut Medienberichten werden auch Übernahmen durch Raiffeisen oder verbundene Unternehmen untersucht.

"KEINE PERSONELLEN KONSEQUENZEN"

Am Sonntagabend teilte der frühere Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz mit, die Finma habe auch gegen ihn ein Verfahren eröffnet, dies wegen Interessenskonflikten. Er selber sei der Ansicht, potenzielle Interessenskonflikte mit der notwendigen Sorgfalt behandelt zu haben. Vincenz war seit 1999 Chef der Raiffeisen-Gruppe. Im September 2015 übergab er den Posten an Gisel.

Die heute verantwortlichen Personen von Raiffeisen Schweiz stünden nicht im Fokus dieser Untersuchung, sagte Gisel weiter. "Wir sehen keine personellen Konsequenzen aus dieser Untersuchung." Die Auszeit von Nadja Ceregato, Rechtschefin bei Raiffeisen und zugleich Vincenz Partnerin, sowie der Abgang von Finanzchef Marcel Zoller stünden nicht im Zusammenhang mit dem Finma-Verfahren.

Auch sei es Zufall, dass Raiffeisen gerade am Montag ankündigte, einen Leiter "Risiko & Compliance" in die Geschäftsleitung zu berufen. Dabei handle es sich um eine generelle Auflage der Finma. Heute sei es für eine systemrelevante Bank obligatorisch, dass der Risikochef in der Geschäftsleitung sitze.

Gisel rechnet mit einem Abschluss des Finma-Verfahrens im Frühjahr 2018. "Wir sind zuversichtlich, dass die Finma unseren eigenen Governance-Check mit in Betracht zieht und zu ähnlichen Schlüssen kommen wird."

(AWP)