SGKB sagt Ende der Euro-Stärke vorher - Aussichten für Aktien gut

Bei der St. Galler Kantonalbank geht Chief Investment Officer Thomas Stucki für 2018 von einem Ende des Euro-Höhenfluges aus. Für die Schweizer Wirtschaft wird der damit wieder etwas erstarkende Franken aber ohne grössere Folgen bleiben, da das Wirtschaftswachstum in der EU und damit auch in der Schweiz im kommenden Jahr anhaltend gut sein sollte. Auch die Aktienmärkte sollten sich 2018 weiter gut entwickeln - vor allem in der ersten Jahreshälfte. Im zweiten Semester könnte es dann ungemütlicher werden.
29.11.2017 12:27

"Die Boomphase wird die Aktienmärkte in der zweiten Jahreshälfte belasten", fasst Stucki am Mittwoch bei der Präsentation des Jahresausblicks 2018 der SGKB zusammen. Stucki macht vier Indikatoren aus, die man normalerweise in einer Boomphase beobachten kann. Dazu zählen steigende Zinsen am kurzen und langen Ende, ein zunehmender Inflationsdruck, Sättigung am Arbeitsmarkt und steigende Rohstoffpreise. Bis auf den Punkt Inflationsdruck sieht der Experte die anderen aktuell erfüllt.

Auf Boomphasen folgt in der Regel der Abschwung und dann die Rezession, die dann in die Wiederbelebungsphase übergeht. "Noch sind wir in der Wiederbelebungsphase, wenn auch in einem sehr fortgeschrittenen Stadium", erklärt Stucki. Die Gefahr markanter Markteinbrüche oder einer ausgeprägten Korrektur sieht der Experte allerdings nicht. "Die gingen in der Vergangenheit mit einer Rezession in den USA einher, die Gefahr dafür erachten wir im kommenden Jahr aber als sehr gering".

ANLEGER LASSEN SICH NICHT AUS DER RUHE BRINGEN

Vielmehr liessen sich Anleger derzeit durch nichts wirklich aus der Ruhe bringen. "Das kann man verschieden betrachten: Einerseits kann man sagen, Anleger haben sich an politische Turbulenzen gewöhnt, oder man erachtet die aktuelle niedrige Volatilität als eine Warnung, dass sie zu sorglos sind", erklärt Stucki.

Vor allem aber rechnet Stucki damit, dass der Euro 2018 an Glanz verlieren wird. Der Euro sei 2017 der Liebling der Marktteilnehmer gewesen. "Die Folge ist, dass der Markt mittlerweile einseitig Long-Euro positioniert ist", warnt Stucki. Zwar rechnet er damit, dass die Gemeinschaftswährung auch im kommenden Jahr weiter Rückenwind haben werde, aber seine Kraft werde etwas nachlassen. Entsprechend geht man bei der SGKB im Schnitt von einem EUR/CHF-Wechselkurs von 1,10 im kommenden Jahr aus.

"Das ist ein Niveau, mit dem die Schweizerische Nationalbank sowie die hiesige Wirtschaft gut leben können". So wird die Schweizer Konjunktur vielmehr von einer stärkeren EU-Wirtschaft und einer positiven Weltkonjunktur profitieren, lautet eine weitere seiner Thesen für 2018.

Mit Blick auf die SNB dürfte dagegen alles erst einmal bleiben, wie es ist. "Die EZB hat deutlich gemacht, dass sie eine erste Erhöhung ihrer Zinsen nicht vor 2019 plant und für die SNB ist eine negative Zinsdifferenz zum Euro ein wichtiger Pfeiler ihrer Politik, damit der Franken nicht aufwertet", führt Stucki aus. "Daher wird die SNB den Negativzinsen die Treue halten müssen und wird sich erst nach der EZB bewegen."

hr/rw

(AWP)