Swiss Life-Aktien fallen zurück - US-Justiz nimmt Wrapper-Geschäft ins Visier

Die Aktien von Swiss Life stehen am Donnerstagmorgen relativ stark unter Abgabedruck. Der Grund: Der Lebensversicherer ist mit seinen Insurance Wrapper ins Visier der US-Justizbehörde geraten. Dabei handelt es sich um das Geschäft mit komplexen Lebensversicherungen, die an wohlhabende Kunden verkauft wurden und im Verdacht stehen, zur Umgehung von Steuerpflichten missbraucht worden zu sein. Mögliche Bussen dürfte Swiss Life aus Sicht der Analysten gut verkraften.
14.09.2017 09:56

Swiss Life büssen um 09.50 Uhr bei unauffälligem Volumen 1,7% auf 337,50 CHF ein. Der SMI verzeichnet derweil nur eines knappes Minus (-0,12%).

Der Markt sei sich den Risiken, die das Geschäft mit vermögenden Kunden (PPLI) für die Swiss Life beinhalte, bewusst, schreibt Analyst Daniel Bischof von Baader Helvea. Die Angelegenheit sei vom Management mit Analysten in der Vergangenheit vielfach diskutiert worden. Auch in einem "Worst Case"-Szenario dürfte die finanzielle Belastung für die Swiss Life aus dieser Rechtsangelegenheit begrenzt sein.

Gemäss ZKB-Analyst Georg Marti dürften mögliche Bussen, die auf Swiss Life zukommen, aus heutiger Sicht gering und für Swiss Life gut tragbar sein. Werden zum Vergleich die Bussen herangezogen, die Banken für ihre betroffenen US-Vermögenswerte bisher bezahlt haben, so sei maximal mit einem etwa mittleren zweistelligen Millionenbetrag zu rechnen. Die bisher bezahlten Bussen der Banken belaufen sich laut Marti auf rund 1 bis 7% der betroffenen US-Vermögenswerte.

Basierend auf der ursprünglichen Gesamtsumme des US-Kundenportfolios von rund 1 Mrd CHF ergebe dies für Swiss Life rund 10 Mio bis 70 Mio CHF, rechnet der ZKB-Experte vor. Bezogen auf die im Fokus stehenden rund 250 Mio seien es 2,5 Mio bis 17,5 Mio CHF, was von Swiss Life problemlos bezahlt werden könne, ohne dass es den Gewinn massgeblich beeinträchtigen würde, so Marti.

Ähnlich gelassen zeigt man sich auch bei der Bank Vontobel. Er wäre sehr überrascht, wenn sich eine grössere Busszahlung ergäbe, so Stefan Schürmann. Im schlimmsten Fall hält er eine Bussenzahlung von deutlich unter 100 Mio CHF für möglich. Was ihn überrasche, sei der Zeitpunkt dieses "Dialogs" mit dem US-Justizministerium. Sollte es hier tatsächlich zu einer Busse kommen, so dürfte dies seiner Meinung nach frühestens 2018 erfolgen.

Die Insurance Wrapper - auch die der Swiss Life - stehen seit längerem im Verdacht, dass sie möglicherweise für Steuerdelikte missbraucht werden. Nur war die Swiss Life bislang noch nicht von den zuständigen US-Behörden kontaktiert worden. Angaben dazu, ob und in welcher Höhe eine allfällige Busse für die Swiss Life erfolgen könnte, werden von Seiten des Lebensversicherers keine gemacht.

cp/mk

(AWP)